Bestätigt: Frauen brachten die Landwirtschaft nach Mitteleuropa


Eine neue Strontiumisotopen-Untersuchung sorgt für Aufsehen in der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie. Der britische Anthropologe T. Douglas Price hat herausgefunden, dass die Landwirtschaft offenbar nicht von Wildbeutern bzw. den Mesolithikern angenommen und über Mitteleuropa verbreitet wurde. Daneben stellt er fest, dass mehr Frauen als Männer der Bandkeramischen Kultur (LBK) nordwestwärts wanderten und die Landwirtschaft nach Europa mitbrachten: „An interesting finding of the study is that 8,000 years ago, when Neolithic farmers were beginning to migrate into the Danube Gorges and overlap with Mesolithic hunter-gatherers, more women than men were identified as foreigners.

Letzteres ist die bedeutendere Meldung. Dass die Männer „Gründerväter“ der LBK-Siedlungen gewesen seien, und die Mesolithiker missionierten, war bis dahin die bevorzugte Meinung unter Anthropologen und Archäologen, so auch bei Bentley und Lüning. Der neue Befund bestätigt nun die These, die ich in meinem Buch Archäologie und Macht (Seite 54f) aufgestellt habe, wonach es in erster Linie die Frauen waren, die nicht nur die Landwirtschaft erfunden, sondern sie auch verbreitet haben. Denn als Bäuerinnen waren sie für das Auskommen der Gemeinschaft verantwortlich und gaben das Signal zum Aufbruch in andere Gebiete mit frischen Böden. Da ihnen die Ehe unbekannt war, kamen nur wenige Männer mit, nämlich ihre Brüder. Zwar hielten die LBK-Männer die wenigen Rinder, sie waren aber keine Nomaden, für die ein Patriarchat belegbar wäre.

Price hingegen versucht den Sachverhalt klassisch patriarchal zu begründen: „A possible explanation for the variance, according to the study, is that women came to these sites from Neolithic farming communities as part of an ongoing social exchange.
Ein solcher sozialer Austausch bedeutet im Patriarchat immer, dass eine junge Frau gegen ihren Willen verheiratet wird. In matrifokalen Kulturen bedeutet er die Ausübung der female choice durch unabhängige Frauen. Price bleibt eine Erklärung schuldig, warum die LBK-Leute ihre Töchter an die Jäger und Sammler verheiratet haben könnten, zumal die Wildbeuter die Ehe, also das Patriarchat, gar nicht kannten. Zusätzlich suggeriert Price, dass die LBK-Männer Polygamie betrieben hätten. Die Gene heutiger Europäer weisen aber insgesamt nur geringe Spuren bandkeramischer Gene auf. Dabei finden sich weit mehr LBK-Y-Chromosomen (nur über die männliche Linie vererbt) als LBK-Mitochondrien (nur über die weibliche Linie vererbt). D.h. die Männer pflanzten sich mit den Ureinwohnerinnen fort, statt mit vermeintlichen LBK-Ehefrauen. Die schwer arbeitenden LBK-Frauen hingegen hatten nur wenige überlebende Kinder. Für Polygamie gibt es zudem keinerlei kulturhistorische Anzeichen.

Zitate aus: Artikel .
Original-Publikation hier.

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