Also doch: Frauen malten die altsteinzeitlichen Höhlen aus

Cueva de las Manos2
Kennen Sie ein einziges Lehrbuch oder populärwissenschaftliches Werk, in dem altsteinzeitliche Frauen dargestellt sind, die Höhlenbilder malen? Von Archäologinnen schon lange gefordert, kamen Autoren und Zeichner der Bitte, auch malende Frauen abzubilden, bisher nicht nach.

Die Höhlenmalereien galten als das Werk von männlichen Jägern, die ihre Jadgbeute darstellten, Jagdzauber betrieben und als Schamanen und Künstler die Kultur resp. die Religion und die Horde dominierten. Dagegen standen schon lange die Statuetten, die für Jahrzehntausende nur Frauen oder Tiere abbildeten. Manche Gegenstände wurden krampfhaft als Penis gedeutet, waren letztlich aber doch nur Werkzeuge, erkennbar an den Spuren, die ihre Benutzung als solche dokumentierten. Seltene Abbildungen von Männern aus der für menschliche Verhältnisse schon recht jungen Ära des altsteinzeitlichen Magdaleniens (vor ca. 15000 Jahren) wurden reflexhaft als Bilder von hochstehenden Hordenführern gedeutet. Für die patriarchalisch herrschende Lehre ist daher eine gerade im National Geografic veröffentlichte Meldung ein herber Rückschlag, für die Menschheit aber eine Sensation: Die Handabdrücke in den Höhlen stammen offenbar zu 75% von Frauen.
Der britische Evolutionsbiologe John Manning, fand schon vor über 10 Jahren heraus, dass sich die Hände von Frauen und Männern in der relativen Länge der Finger unterscheiden. Bei Frauen sind Zeigefinger und Ringfinger annährend gleich lang, während bei Männern der Ringfinger länger ist als der Zeigefinger.
Der Evolutionsbiologe R. Dale Guthrie behauptete noch 2006, die Handabdrücke stammten von jungen Männern. Der Prähistoriker Dean Snow von der Pennsylvania State University untersuchte die Handabdrücke in den Höhlen Südfrankreichs und Nordspaniens und veröffentlichte nun seine Ergebnisse. Drei Viertel der Handabdrücke konnte er als weiblich identifizieren. Damit haben auch die Zeichnungen von Tieren, die mit den Handabdrücken „signiert“ wurden, zu 75% weibliche Urheber.
Die Wahrnehmung der weiblichen Kulturleistungen wirft ein anderes Bild auf den frühen Menschen, als es die modernen Cartoonisten und Buchautoren immer wieder reproduzieren. Die Urgeschichte muss, das ist allerdings schon länger klar, neu geschrieben werden. Die herrschende Lehre verweigert das beharrlich, und wer es trotzdem versucht, wird es schwer haben, Gehör zu finden oder Karriere zu machen. Dean Snows Mut ist dieser Durchbruch zu verdanken, der bald in der Versenkung zu verschwinden droht.
Sollte jemand ein Buch kennen oder demnächst finden, das es wagt, eine Ausnahme zu machen, würde ich es mich freuen, davon zu erfahren.

Nachtrag, 21.11.2014.
Australien. Unbekannte prähistorische Felsbilder entdeckt. Es handelt sich um Handabdrücke, die von Frauen und Kindern stammen:
Bericht auf ABC-News

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Verschiedene Thesen auf einen Schlag genetisch bestätigt: Mittelzeitliche Ernährung mit Fisch, Mittel- und jungsteinzeitliche Koexistenz, Kurgan-These

Neue genetische Untersuchungen widerlegen patriarchale Dogmen zur Mittelsteinzeit (Mesolithikum) und bestätigen im Wesentlichen die These jungsteinzeitlicher Migrationen, die bereits die Archäologin Marija Gimbutas aufgrund der Funde postulierte. Die Auswirkungen auf den Genpool in Mitteleuropa sind zudem komplexer, als bisher angenommen.
Die wichtigste Erkenntnis ist, dass indigene Mittelsteinzeitler noch mindestens 2000 Jahre nach Einführung der Landwirtschaft durch die LBK-Leute wildbeuterisch von Fisch und pflanzlicher Nahrung lebten, ohne die Landwirtschaft anzunehmen. Die Beweise dafür wurden in der Blätterhöhle gefunden. Der entsprechende Bericht in der SZ postuliert: „Es kam allerdings vor, dass eine Jäger-und-Sammler-Frau in die Bauerngesellschaft einheiratete. Das belegen Genanalysen der Skelette. Die Heirat eines Bauern bedeutete wohl einen sozialen Aufstieg für die Frau. Burger zufolge gebar sie im Schnitt vier Mal so viele Kinder. Ehen zwischen Bauerntöchtern und Wildbeutern gab es hingegen kaum.“ Dass dies ausgemachter Unsinn ist, ist allerdings längst bewiesen. Dass Fisch – und nicht so sehr die Jagd – neben der pflanzlichen Sammelkost zur Eiweißversorgung betrugen, ist ebenfalls ein wichtiger Erkenntnissprung, über dessen Bedeutung ich ebenfalls schon berichtete.

An Skelettfunden aus Sachsen-Anhalt ist ablesbar, dass zu bandkeramischer Zeit wenig oder keine Mesolithiker „mit ihren charakteristischen Mt-Sequenzen – den älteren U*-Haplotypen – vor rund 7500 Jahren“ in diesem Gebiet lebten. Dass dies auf einen Bevölkerungsrückgang der Mesolithiker zurückginge, kann damit nicht bewiesen werden, die Forscher sprechen bei diesem Prozess von „ersetzen“. Was wir uns darunter vorstellen können, wird nicht mitgeteilt. Nach dem Vordringen der neolithischen Kulturen nach Skandinavien hätten Mesolithiker das Gebiet aber erneut bevölkert. Neolithische Schnurkeramiker drangen dann aus Osten in das Gebiet vor. Zitat aus: http://www.spektrum.de/alias/palaeogenetik/europaeischer-genpool-blieb-jahrtausendelang-dynamisch/1210301

Besonders bemerkenswert ist folgende Feststellung: „…zudem scheinen Kurgan-Menschen aus Sibirien und der Gegend des heutigen Kasachstans zugewandert zu sein. Unter den Kurgan werden seit langem die Einwanderer vermutet, die die indoeuropäischen Sprachen mit sich gebracht haben; dies ist allerdings immer noch ebenso umstritten wie schwer zu belegen.“ Zitat aus: http://www.spektrum.de/alias/palaeogenetik/europaeischer-genpool-blieb-jahrtausendelang-dynamisch/1210301
KURGAN bedeutet Grabhügel. Die Sitte, hochgestellte Personen, Krieger wie Schamaninnen, in Kurganen zu bestatten, wurde von den Steppenvölkern erfunden. Was hier so lapidar als „Vermutung seit langer Zeit“ beschrieben wird, ist nichts Geringeres als Gimbutas‘ Kurgan-These, die so lange als Schmuddel galt und die von der herrschenden Lehre aufs Schärfste bekämpft wird. Nun ist Gimbutas zwar rehabilitiert, aber die Erwähnung dieser Tatsache wäre doch das Mindeste gewesen.