Neues zur female choice, dem Sargnagel des Patriarchats

NEUERSCHEINUNG in diesem Jahr:

Gerade veröffentlichte der Ornithologe Richard O. Prum mit seinem Buch „The Evolution of Beauty: How Darwin’s Forgotten Theory of Mate Choice Shapes the Animal World – and Us“ (dt. Die Evolution der Schönheit: Wie Darwins vergessene Theorie der Partnerwahl die Tierwelt – und uns – formt) eine Untersuchung an Entenvögeln, mit der er den Beweis anführt, dass die female choice auch da arbeitet, wo wir sie nicht vermuten würden, während einer Vergewaltigung, wie sie manchmal bei Enten wahrgenommen wird. Damit wird noch deutlicher, dass die female choice nicht nur bewusst bzw. teilbewusst, sondern auch unbewusst abläuft und von selektierten anatomischen Gegebenheiten geschützt wird.
In einem Interview mit der Zeitschrift „National Geographic“ erläutert er die Beobachtungen seines Teams.
Schon der Titel des Buches verrät, dass der Autor die female choice auch für uns Menschen als evolutionäre Größe ansieht, die durchaus gesellschaftliche Sprengkraft besitzt. Das Buch liegt leider noch nicht in dt. Sprache vor.

Bildquelle: PenguinRandomHouse

Zur Vorgeschichte:

Die Entdeckung der female choice wurde von Charles Darwin 1874  in seinem Buch „Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“ (engl. The Descent of Man, and Selection in Relation to Sex) vorgestellt. Das Missfallen darüber war groß, galt es doch nur dann als schicklich, wenn der Mann wählt und die Frau sich erwählen lässt.
Fortan verschwand diese wichtige Entdeckung in der Versenkung.

Als die Anthropologin Meredith M. Small 1995 ihr Buch „Female Choices. Sexual Behavior of Female Primates (dt. Weibliche Auswahlen. Das sexuelle Verhalten der weiblichen Primaten) herausgab, in dem sie die female choice der Primaten beleuchtete, blieb die Begeisterung ebenfalls aus. Dabei liefert das Buch nichts weniger das entscheidende Argument gegen die Existenz eines natürlichen Patriarchats. Zuvor hatte sich der Feminismus ins Aus geschossen mit der Vorgabe, dass jede Betrachtung der Biologie der Frau als Biologismus abzulehnen sei.

Im Jahre 2009 brachte die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy ihr Buch „Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat, (engl. Mothers and Others. The Evolutionary Origins of Mutual Understanding) heraus, worin sie die Erkenntnisse Smalls mit der Großmutter-These von Kristen Hawkes verknüpfte und damit nachwies, dass die artgemäße Lebensweise der Menschen matrifokal ist.

Der Patriarchatsforscher Gerhard Bott nahm ebenfalls 2009 auf Meredith M. Small Bezug und machte die Unterdrückung der female choice der Menschenfrau in seinem Buch „Die Erfindung der Götter“ zum Ausgangspunkt seiner Entstehungsgeschichte des Patriarchats.

2015 beschrieb ich in meinem Essay „female choice – unser Menschenrecht“ unter Berücksichtigung aller Erkenntnisse die Wirkungen der female choice und die Bedeutung dieses grundlegendsten aller Menschenrechte für die Überwindung des Patriarchats.

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2 Gedanken zu „Neues zur female choice, dem Sargnagel des Patriarchats

  1. Christian - Alles Evolution

    Das lustige ist, dass nach den gängigen Theorien, auch bereits bei Darwin, die Wahl der Frauen den „Patriarchalen Mann“ hervorgebracht hat.
    bei Tieren mit Hierarchien und Status, beispielsweise bei unseren nächsten Verwandten den Schimpanzen, haben die Frauen mit den „rankhöchsten“ Männchen den meisten Sex. Eben weil die Fähigkeit sich gegen die anderen Männer durchzusetzen ein Zeichen für gute Gene ist und damit auf guten Nachwuchs hoffen lässt.
    Wir Menschen leben ebenfalls in Hierarchien und Statushohe Männer schneiden bei Frauen besser ab als Statusniedrige. Es entsteht also eine Selektion bei Männern aufgrund der weiblichen Wahl möglichst weit oben zu stehen und sich gegen die anderen Männer durchzusetzen.
    Voila schon sind Männer mehr auf Führungspositionen aus und kämpfen härter darum als Frauen

    Antwort
    1. wahrscheinkontrolle Autor

      Ja, lieber Christian, es ist immer wieder drollig, wie Sie an Ihrem Irrtum festhalten, dass das Patriarchat eine evolutionäre Größe sei.
      Die Definition von Patriarchat ist doch nicht die Anwesenheit von Hierarchie, sondern die Herrschaft der Väter! Nicht eine einzige Tierart existiert, wo Väter ihren Nachwuchs und die Mütter beherrschen. Nur der Mensch tut dies, und zwar aus kulturellen Gründen. Diese Kultur ist genetisch nicht verankert, sondern anerzogen. Das einzige, was wir feststellen können, ist, dass Männer mit dem Patriachat begannen, nicht nur Tiere, sondern auch Menschen zu züchten, indem sie die female choice außer Kraft setzten. Ursache dafür war keine Mutation, sondern eine Klimakatastrophe, gegen die sich die Menschen nicht mehr schützen konnten, weil sie von der Landwirtschaft abhängig geworden waren. Die Menschenzucht bringt wie die Hundezucht, z.B. Rottweiler, scheinbar aggressivere, kräftigere Individuen hervor, das sind dann aber nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen. Trotzdem sind Rottweiler wie heutige Menschen nicht automatisch aggressiv, sondern nur reizbarer. Wie sehr dabei auch die Epigenetik durch gestresste Schwangere (Stichwort Cortisolspiegel) eine Rolle spielt, lassen wir jetzt mal außen vor.
      Hierarchien gibt es in der Natur überall, das ist auch ein dehnbarer Begriff. Wenn man es so will, besteht zwischen Mutter und Kind ein hierarchisches Verhältnis, einfach weil die Mutter größer, stärker, älter, wissender ist. Aber Mütter nutzen diesen Vorteil, wenn sie gesund sind, nicht gegen das Kind, sondern FÜR das Kind. Sie stellen ihre Überlegenheit in den Dienst des Kindes und der Zukunft. Genau das tun Patriarchen nicht. Sie denken nur an sich selbst, streben nach Unsterblichkeit und ordnen diesem Ziel alles unter, und machen sich andere dienstbar. In ihrem grenzenlosen Gebär- und Stillneid versuchen sie das Unmögliche möglich zu machen und gehen dabei über Leichen. Das ist Ausdruck einer tiefen Erkrankung, der Patriarchose (nicht meine Wortschöpfung). Patriarchen arbeiten gegen die Evolution und nicht wegen der Evolution.
      Ärgerlich ist für Patriarchen, dass die female choice nicht wegzuzüchten ist. Sie ist das oberste Naturgesetz aller Lebewesen und folgt einer physikalischen Logik, nicht einer genetischen. Die Zucht funktioniert daher nur mit physischer Gewalt am Individuum. Um die fc für immer zu beseitigen, müsste schon die Physik neugeschrieben werden. Sie wird sich daher immer wieder durchsetzen und den Beweis antreten, dass Patriarchat nicht natürlich ist.

      Antwort

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