Das Wachtelexperiment oder der Mythos von der Hackordnung

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11 Gedanken zu “Das Wachtelexperiment oder der Mythos von der Hackordnung

  1. Flora

    Interessant wie selbstverständlich das Patriarchat auf Tiere übertragen wird. Das erinnert mich an einen Spaziergang mit meinem Hunderüden. Wir sind einer ängstlichen Hündin begegnet die meinen Rüden angebellt hat und die Besitzerin hat sie geschimpft und meinte dass sie als Weibchen nichts zu melden hat. Es wird schwierig das Patriarchat zu beenden wenn es so tief in den Köpfen verankert ist.

  2. Flora

    Kamen wir dann auch. Ich meinte zu ihr, dass bei Hunden meistens die Weibchen bestimmen und das hat sie dann auch zum nachdenken gebracht. Bei Hunden und Wölfen ist die female choice und das zusammenhalten der Weibchen aber auch besonders gut erkennbar. Ein großes Lob an die Seite und die vielen Infos über Matrifokalität. Vor allem der Artikel über die female choice hat mir persönlich viel gegeben.

  3. Pingback: Pechmarie – Warum wir die Faulheit der Mädchen zum Überleben brauchen – Wahrscheinkontrolle

  4. Pingback: Neues zur female choice, dem Sargnagel des Patriarchats – Wahrscheinkontrolle

  5. Ulrike Vetten

    Habe gerade mit Interesse die Betrachtungen über die „Hackordnung“ gelesen.
    Wir haben seit Jahren freilaufende Hühner, die somit zwar nicht mehr naturgemäß leben, aber reichlich Auslauf haben.
    Was zu kurz gekommen ist: Der Hahn ist kein Patriarch, sondern ein Gentleman.
    Er hofiert die Hennen, nimmt zur Kenntnis, wenn sie ein Ei gelegt haben und begrüßt sie ehrerbietig, wenn sie wieder zur Herde stoßen.
    Er lockt sie, wenn er einen Leckerbissen gefunden hat, und bietet ihn den Hühnern dar.
    Er hält Zweige mit Beeren oder Gräser mit Samen herunter, damit die Hühner diese abpicken können.
    Er wacht über die Herde und warnt bei Gefahr. Er stürzt sich in den Tod, um die Hühner gegen Feinde zu verteidigen.
    Er schlichtet Streitigkeiten zwischen den Hühnern und vermittelt zwischen ihnen.

    Nicht so galant ist er allerdings zu den Junghühnern, die noch keine Eier legen. Diese jagt er weg.

    In Gefangenschaft bei vergleichsweise wenig Platzangebot empfiehlt es sich nicht, zwei Hähne zu halten, denn diese bekämpfen sich wirklich bis aufs Blut. Der Unterlegene hat ein extrem stressiges Leben und wird ständig durch die Gegend gejagt.

    Wenn sich die Hähne aus dem Weg gehen können, dient ihre Galanterie dazu, die Hühner jeweils von sich zu überzeugen; diese haben also tatsächlich die Wahl, welchen Hahn sie lieber mögen, und diesem schließen sie sich dann an.
    In der Natur kann kein Hahn eine Henne dazu zwingen, bei ihm zu bleiben. Selbst wenn er über einen Rivalen gesiegt hat, kann es sein, dass eine Henne den Unterlegenen dennoch vorzieht und in seiner Nähe bleibt (und sich entsprechend von ihm befruchten läßt).

    Was die „Hackordnung“ unter den Hühnern angeht, so gibt es schon dominantere Hennen, die andere versuchen, vom Fressen zu vertreiben. Manche Hennen mögen sich nicht und gehen sich aus dem Weg, andere schließen Freundschaft und halten sich viel beieinander auf.
    Die „Hackordnung“ ist nicht linear, sondern wird jeweils zwischen den Individuen ausgehandelt – und kann sich auch immer wieder ändern und verschieben.
    Was die eine durch Dominanz und Wegpicken erreicht, macht die andere durch Geschicklichkeit und Wendigkeit wett.
    Jede Henne hat so ihren eigenen Charakter.
    Die Hackordnung spielt aber allenfalls beim Fressen und bei der Suche nach dem Nachtplatz eine Rolle.
    Haben die Hennen genügend Auslauf, ist das Zusammenleben meist sehr friedlich.

    Einen Zusammenhang zwischen Dominanz und Fruchtbarkeit konnte ich bei unseren Hennen nicht feststellen. Aber diese sind ja auch schon hochgezüchtete Nutztiere, die viel mehr Eier legen als ursprüngliche Hühner in der Natur.
    Sie brüten auch selten, wenn man sie vom Markt kauft. Sie stammen aus Legebattereien und der Brutinstinkt wurde auch weggezüchtet; man will schließlich Eier haben. Eine Glucke, die brüten will, legt nicht mehr.
    Dennoch gluckt bei uns ab und zu eine, und wenn sie brüten, ist ihnen völlig egal, auf welchen Eiern sie sitzen, ob auf eigenen oder denen der anderen Hühner. Sie nehmen, was sie kriegen können, und führen später alle Küken, die geschlüpft sind.

    Die Beziehungen bei den Hühnern, wie auch bei anderen Tierarten, sind wesentlich komplexer als sie oft dargestellt werden, und einen Patriarchen in dem Sinne, dass eins oder mehrere Weibchen an ihn gekettet sind und sich ihm zu unterwerfen haben, gibt es nirgends. Die Weibchen sind frei, und die Männchen müssen sie von sich überzeugen. Oft paaren sie sich mit mehreren Männchen, wenn verfügbar.
    Selbst bei den Menschenaffen mit männlichen Alpha-Tieren treiben sie es oft mehr oder minder heimlich mit Unterlegenen, oder verlassen auch schon mal die Horde, um sich mit fremden Männchen zu paaren.

    Was bei dem Vergleich von menschlichem und tierischem Sexualverhalten immer zu kurz kommt, ist, dass die Menschen sich eben nicht nur zur Fortpflanzung paaren bzw. Sex haben, während fast alle Tiere (außer den Bonobos) dies nur zu bestimmten Zeiten ausschließlich zur Fortpflanzung tun, wobei das Signal dazu immer von den Weibchen ausgeht, die bereit zur Befruchtung sind. Erst dann reagieren die Männchen mit Balzverhalten und eventuellen Rivalenkämpfen. Bei den meisten Tierarten ist das nur ein- bis zweimal im Jahr für ein paar Tage, bei manchen großen Säugetieren noch seltener. Bei den großen Menschenaffen sind die Weibchen nur etwa alle drei bis vier Jahre paarungsbereit.

    Ginge es beim Menschen nur um Fortpflanzung, so würde eine Befruchtung alle eineinhalb bis zwei Jahre reichen, und dazwischen könnten Mann und Frau sich den Sex sparen.
    Dennoch haben Menschen auch während der Schwangerschaft und der Stillzeit Sex bzw. auch dann, wenn sie ausdrücklich gar keine Nachkommen zeugen wollen.
    Menschen sind mehr oder minder ständig „paarungsbereit“, auch während der unfruchtbaren Tage.
    Sexualität dient beim Menschen also in großem Maße emotionalen und sozialen Zwecken, und darf deswegen auch nicht immer nur unter dem Blickwinkel der Fortpflanzung betrachtet werden.
    Mensch und Tier sind in dieser Hinsicht nicht vergleichbar.
    Den Streß, der in manchen (evolutionär-biologischen) Theorien den Männern zugemutet wird, dass sie nämlich rund um die Uhr und ständig auf der Suche nach Geschlechtspartnerinnen wären, um ihren Samen zu verbreiten, und rund um die Uhr gegen Rivalen konkurrieren müßten,
    haben Tiere nur ein- bis zweimal im Jahr für ein paar Tage.
    Der arme Menschenmann soll ununterbrochen davon getrieben sein, obwohl die meiste Zeit gar keine Möglichkeit zur Fortpflanzung da ist, denn natürlicherweise wären die Frauen meistens entweder schwanger oder stillend, und nur etwa alle 15-24 Montate fortpflanzungsfähg bzw -bereit.
    Was für ein krank machender Streß und was für eine Energieverschwendung!

    1. Liebe Ulrike Vetten, vielen Dank für Ihre ausführliche und interessante Schilderung des Lebens Ihrer Hühner, die ja weitgehend meine Ausführungen bestätigt. Vielen Dank auch dafür, dass Sie mir die Gelegenheit geben, mich zur Frage der sozialen Funktion von Sex beim Menschen zu äußern. Ihre Bemerkungen dazu sind für unser gelebtes Patriarchat selbstverständlich zutreffend. Wenn wir aber unser angeborenes Sozialverhalten mit der gelebten Female choice betrachten und auch die rezenten Matrifokale wie die chinesischen Mosuo ansehen, dann stellen wir fest, dass es keinerlei natürliche soziale Funktion von Sex gibt, und Sex ausschließlich lustvoll ohne jeden Hintergedanken, z.B. um Mutter zu werden oder dem Partner zu gefallen, gelebt wird. Dass dabei ein Kind entstehen kann, wird in Kauf genommen und es wäre auch keine Belastung, denn eine Mutter ist im Matrifokal immer abgesichert. Eine Mutter, die lebenslang ihre Sexualität frei ausleben kann, wird alle ihre Kinder von verschiedenen Männern haben. Stellen wir uns nur die Überforderung und das Chaos vor, würden alle diese Männer Ansprüche an diese Frau stellen! Was würde das auch für diese Männer untereinander bedeuten? Unter der gelebten Matrifokalität üben daher die Brüder und Cousins der mütterlichen Linie die soziale Vaterschaft aus, und die Mutter ist über ihre Sippe existentiell abgesichert und zeitlich entlastet.
      Sex für Nahrung und Versorgung ist eine versteckte Form der Prostitution, in die im Patriarchat alle Mütter gezwungen werden. Eine Frau, die ihren Partner nicht halten kann, verliert ihre Existenz und womöglich auch ihre Kinder an die Familie des Vaters. Es ist klar, dass alle Frauen eine tiefe Angst verinnerlicht haben, ihren Partner zu verlieren oder partnerlos zu bleiben, auch wenn sie längst eigenes Geld verdienen. Frauen verdienen aber deutlich weniger und alleinerziehend geraten sie sowieso schnell in Armut, das Alter ist obendrein völlig unzureichend abgesichert. Es bleibt daher nur wenig übrig, als sich dem Dogma der „sozialen Funktion der Sexualität“ zu beugen. Dazu gehört, dass viele Frauen glauben, dass ihr Partner ein Recht auf Sex besäße und sie dafür verantwortlich sind. Das jedoch ist das genaue Gegenteil von Female choice.
      Weiterführend empfehle ich Ihnen meinen Aufsatz über die Female choice: https://www.gabriele-uhlmann.de/femalechoice.htm und meinen Artikel über die patriarchalen Ursprung der Vaterschaft. https://wahrscheinkontrolle.wordpress.com/2019/01/21/gar-nicht-einfach-die-vaterschaft-als-erklaerung-fuer-alle-menschengemachten-probleme/

      1. Ulrike Vetten

        Hallo Frau Uhlmann, herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

        Ich habe bereits einige Ihrer Abhandlungen gelesen, auch die über die „female choice“.
        Ich teile Ihre Ansicht vollkommen, dass der Zwang, die wirtschaftliche Versorgung und soziale Sicherung in Abhängigkeit zum Sexualpartner (und leiblichen Vater des Kindes/der Kinder) sichern zu müssen, der Freiwilligkeit und Lustbetontheit von Sexualität entgegenläuft, und sehe natürlich auch die vielfältigen Probleme, die normative Monogamie, Ehe und Kleinfamilie mit sich bringen.
        Die soziale Rolle, die Sexualität in patriarchalen Verhältnissen spielt/spielen kann, ist mir bewußt.

        Richtig ist auch, dass im gesamten Tierreich ein Männchen kaum in der Lage ist, ein Weibchen zu befruchten, wenn sie dies nicht will.
        Versuche dazu finden aber (anders als beim Menschen und den Bonobos meines Wissens) ausschließlich auch nur dann statt, wenn das Weibchen fruchtbar und damit paarungsbereit ist, was nur in wenigen Tagen des Jahres der Fall ist.
        Um der Realität Genüge zu tun, sage ich bewußt „kaum“, denn manchmal wird die „Female Choice“ zu dieser Zeit auch außer Gefecht gesetzt, wenn beispielsweise zu viele Männchen auf zu wenige Weibchen kommen.
        Dann nerven die liebestollen Männchen dermaßen und jagen das/die Weibchen durch die Gegend, dass sie sich den Akt manchmal aus reiner Erschöpfung gefallen lassen, auch wenn sie eigentlich schon längst genug haben.
        Die Rivalenkämpfe finden dann zwar auch statt, doch wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntermaßen der dritte.
        Wenn man wollte, könnte man das auch als eine Art Vergewaltigung im Tierreich betrachten.

        Selbstverständlich möchte ich damit nicht Vergewaltigungen als „natürlich“ (und damit gar als von der Natur gewollt) legitimieren, sondern einfach nur darauf hinweisen, dass auch bei Tieren bei ungünstigen Verhältnissen das Gleichgewicht kippen kann.
        Das ganz „ideale und reine, natürliche“ Verhalten gibt es auch dort nicht immer und überall.

        Ich habe mich wohl falsch ausgedrückt, als ich von der „sozialen“ Rolle der Sexualität für den Menschen“ sprach; tatsächlich ging es mir vor allem um die emotionale Rolle der Sexualität für den Menschen (die sich dann natürlich auch im Wohlbefinden und dadurch im Sozialverhalten wiederspiegelt).
        Wie Sie ja auch schrieben, beim Menschen geht es vor allem um lustvollen Genuß, aber meines Erachtens auch um emotionale Hingabe, nicht vordergründig um Fortpflanzung bei der Sexualität.
        Für mich steht die Frage im Raum, warum Monogamie in Ihren Augen notgedrungen erzwungen ist und nicht freiwillig gelebt wird/gelebt werden kann.
        Warum also eine freie Frau nicht über längere Zeit nur einen Liebhaber wählen sollte, weil sie eventuell einfach sexuell und emotional besonders gut zueinander passen?
        Denken Sie, das, was wir gemeinhin unter „Liebe“ verstehen, ist in Verbindung mit Sexualität ein soziales Konstrukt, das der eigentlichen Natur des Menschen entgegenläuft?
        Weshalb sollte eine Frau immer einen neuen Mann wählen und idealerweise jedes Kind von einem anderen Vater sein?
        Auch stelle ich mir die Frage nach der Wahlfreiheit des Mannes.
        Gehen Sie davon aus, dass die Männer „naturgemäß“ jede Frau nehmen, die sich anbietet bzw., deren Wahl auf sie fällt?

        Ich würde mich über einen Austausch mit Ihnen sehr freuen, da ich mich gerne mit neuen und unterschiedlichen Betrachtungsweisen auseinandersetze.

      2. Liebe Ulrike Vetten,
        wieder sprechen Sie viele interessante Aspekte an, die aufzeigen, wie komplex die Vermischung von Natur und Patriarchat eigentlich ist. Wir werden noch lange brauchen, bis dieses Knäuel entwirrt ist.
        Was die „Vergewaltigung“ bei den Tieren betrifft, so fällt mir vor allem das Beispiel der Enten ein. Da dachten wir lange Zeit, die Sexuelle Selektion sei ausnahmsweise einmal außer Kraft gesetzt. Der Ornithologe Richard O. Prum hat dazu Erstaunliches gefunden: https://www.nationalgeographic.de/tiere/2017/08/warum-es-wichtig-ist-wie-weibchen-ihre-partner-waehlen
        Die female choice läuft zu großen Teilen unbewusst und auch innerhalb des Körpers statt.
        Unsere nächsten Verwandten, die Bonobos, sind in der Tat für ihre ausgeprägte Sexualität bekannt, die auch der Schlichtung von Streit dient. Im Gegensatz zu uns Menschen leben die Bonobo-Weibchen nicht in ihrer matrilinearen Ursprungssippe, sondern wandern ab. Die Bonobos können sich das leisten, da ihre Kindheit sehr kurz ist. Die Weibchen schließen aber untereinander Allianzen über die Sexualität. Die Sexuelle Selektion bleibt davon unberührt, weil dabei ja keine Kinder entstehen können.
        Die Frage ist, ob Tiere generell Sex als besonders angenehm wahrnehmen. Es wurde kaum untersucht, aber bei Tierfilmen werden die Kommentatoren nicht müde, dieses immer wieder zu betonen und entsprechende Filmszenen auszukosten, jedenfalls, was die Männchen betrifft. Das Meiste davon sind sicher patriarchale Projektionen, aber wieviel Wahrheit steckt trotzdem darin und sind die Weibchen wirklich so teilnahmslos, wie es aussieht? Ich glaube es eigentlich nicht.
        Zur Monogamie: Sie ist definitiv ein patriarchales Hirngespinst, das mehrere Funktionen erfüllt. Da ist nicht nur die Eifersucht des Mannes, der keine Kuckuckskinder finanzieren will. Da ist auch die Angst der Frau, ihre Existenz zu verlieren, wenn der Mann sich scheiden lässt. Denn ihre natürliche Absicherung, wie sie sie in der matrilinearen Sippe noch genießen konnte, ist zerstört. Die Monogamie wird ja vor allem der Frau abverlangt, während Männer sich über „Dienstreisen“ und Prostitution herausnehmen, wechselnde Partnerinnen zu haben. Dass sie ihre Frau nicht einfach in die Wüste schicken, wo die Kinder doch dem Vater gehören, liegt daran, dass das Patriarchat auch die Männer bedroht, nämlich mit Einsamkeit, der Gefahr zu verwahrlosen und dem enormen Stress, der mit einem trauten Heim kompensiert werden muss. Sicher kommt noch hinzu, dass ein Mann, der eine Frau festbinden kann, einen höheren Status besitzt.
        Dabei hört auch die weibliche Fähigkeit, sich zu verlieben nicht mit der Paarbindung auf. Ganz im Gegenteil sogar. Ein österreichisches Team aus PsychologInnen befragte in einer Studie Discobesucherinnen, und fand heraus, dass diejenigen in einer festen Partnerschaft sogar mehr nackte Haut zeigten. Es ist also so, dass Frauen eine Absicherung brauchen, um ihre Sexualität unbeschwert ausleben zu können. Im Patriarchat ist das der Partner, vor dem sie ihre wahren Gefühle verstecken muss, in der Natur ist das die Sippe, für die das gar kein Thema ist.
        Die existentielle Absicherung ist eigentlich naturgegeben, aber vom Patriarchat zerstört. Sie ist natürlich auch für den möglicherweise entstehenden Nachwuchs existentiell. Die Verknüpfung von Sex mit Existenz, wie es das Patriarchat vornimmt, macht Frauen insbesondere Mütter abhängig von Männern.
        Wir müssen beide Seiten immer strickt trennen, wenn wir an unsere Fragen herangehen, und die jeweilige Perspektive konsequent einnehmen. Eine matrifokal lebende Frau verliebt sich natürlich auch, aber wenn die Verliebtheit verflogen ist, wird sie sich trennen. Die chinesischen Mosuo-Frauen leben uns das vor…da ist keine, die lebenslang den gleichen Mann hat. Und die Trennung passiert meist schon vor der Geburt eines möglichen Kindes. Die Frage, ob sie sich nicht irgendwie emotional oder geistesverwandt zu ihm hingezogen fühlt, stellt sich wohl nicht. Denn ein enorm großer Teil unserer Bindungsabsichten speist sich aus der Einsamkeit, die das Patriarchat erst herstellt. Geistesverwandt…dieses Wort ist allein schon entlarvend…wir suchen einen Verwandten, der uns ähnlich ist…einen Bruder! Das bestätigt dieser Artikel: https://www.spektrum.de/kolumne/die-magie-der-duftbotschaften-niemand-riecht-so-gut-wie-du/1617470
        Die matrifokale Lebensweise bewirkt, dass jedes Kind von einem Anderen ist. Evolutionär ist das auch sinnvoll, denn es dient der Gesunderhaltung der Population. Ein Gendefekt kann damit gut kompensiert werden, d.h. er wird leichter ausgemendelt.
        Ja, auch Männer wählen, aber das Patriarchat hat ihnen beigebracht, dass ihre Wahl die wichtigere sei, ja den Frauen gar keine Wahl zustünde. Schönheitsideale, die es in der Natur nicht gibt, werden vom Patriarchat gezüchtet, und zwar von Männern, die die female choice unterdrücken: Väter, die ihre Tochter verschachern, Männer, die Frauen kaufen, und Männer, die mit ihrer Beute vor anderen Männern angeben wollen.
        In Freiheit hat die Frau ihn längst gewählt, wenn sich ein Mann verliebt. Im Patriarchat glaubt er wählen zu können, aber er weiß nicht, dass er nur unter den Frauen wählen kann, die ihnen bereits interessant finden.

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