Gewalt und Krieg gab es NICHT schon immer.

Der Mensch ist nicht von Natur aus gewalttätig. Ich möchte hier einen Artikel aus der ZEIT-online empfehlen, aus dem hervorgeht, dass Gewalt mit der zunehmend gewaltfreien Erziehung und mit immer weniger Macht der Väter immer weiter zurückgeht. Menschen werden demnach zur Gewalt erzogen. Der Grenzwert der Gewalt liegt also bei Null. Die neuen Statistiken lassen die These vom Schon-immer-Krieg sehr veraltet aussehen. Das Patriarchat ist die Ursache von Gewalt. Die Unvorstellbarkeit von Gewaltlosigkeit beweist nicht das Gegenteil:

http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2018/01/kriminalitaet-moerder-amok-psychologie-gewalt-taeter/komplettansicht?print

Advertisements

7 Gedanken zu “Gewalt und Krieg gab es NICHT schon immer.

  1. Ich masse mir hier zu dieser hochinteressanten, hochkomplexen Frage sicher kein abschliessendes Urteil an, möchte aber zu Bedenken geben, dass unsere heutige, im Vergleich zu früheren Jahrhunderten offensichtlich weniger verrohte und gewalttätige Gesellschaft einen Gutteil der Gewalt wohl einfach exportiert hat.

  2. Viele Säugetiere leben in matrilinearen, matrifokalen Gemeinschaften und zeigen dennoch ein hohes Niveau an Gewalt unter Männchen. Female choice ist dann Auswahl unter den übrig gebliebenen, und begünstigt nicht selten den erfolgreichsten Gewalttäter. Doch diese Gewalt ist dennoch nicht geeignet, Männchen in der sozialen Hierarchie an die Spitze zu setzten, gerade weil es sie auch kurzlebig macht. Daher bin ich eigentlich eher geneigt zu glauben, dass die „erste“ Gewalt von Mann zu Mann stattfand.

    Weil es auch mit wenig männlichen Individuen möglich ist, die Population zu erhalten, fungieren diese nicht selten als eine Art „Filter“ mit höherer Varianz und viel höherer Ausschussrate.

    Menschen zeigen eine grosse Vielfalt an Balzverhalten, Musik, Kunst, Geschicklichkeit, aber eben auch körperliche Dominanz sind durchaus geeignet, Partnerinnen zu beeindrucken und könnten daher durch sexuelle Selektion gefördert werden.

    Es wäre spannend zu wissen, was die Sache irgendwann zum Patriarchat kippen liess. Es ist dabei auch zu bedenken, dass auch die amerikanischen Kulturen, welche für die Neolithisierung eine Art Kontrollgruppe bilden, ebenfalls patriarchale Strukturen und ein erhebliches Gewaltniveau entwickelt haben. Wo also müsste man die Grenze ziehen? Glockenbecher und Bandkeramik für Europa? Und weshalb gerade da? Wenn du mir dazu Literaturempfehlungen hast, würde es mich sehr interessieren.

    1. Die Patriarchatsforschung geht ja davon aus, dass die Viehzucht (nicht Tierhaltung), also die bewusste genetische Veränderung in Herden, das Patriarchat mit sich brachte. Einerseits muss die moralische Schranke, weibliche Tiere vergewaltigen zu lassen, gefallen sein, und zum anderen gehörten die Herden nun Männern allein, die sie an Männer weitervererben wollten und männliche Helfer brauchten. Das waren verlässlich nur eigene Söhne. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Patrilinearität wurde durch Entführung von Frauen hergestellt. Die Massaker von Talheim, Asparn Schletz und Schöneck-Kilianstädten beweisen, dass in der Jungsteinzeit Männerhorden auf Frauenraubzügen unterwegs waren. Und natürlich zwang die patriarchale Überbevölkerung und Überweidung zur Eroberung neuer Gebiete, wodurch matrifokale Gemeinschaften mit dem Patriarchat infiziert wurden.
      Ich empfehle „Die Erfindung der Götter“ von Gerhard Bott und meine beiden Bücher, in denen ich das tiefergehend dargestellt habe.
      Wenn wir uns die Buschleute und die Hazda ansehen, gibt es dort keine Gewalt unter Männern. Das schließt nicht aus, dass auch sie sich streiten, aber zur Gewalt ist noch ein weiter Weg. Die Anlässe für Gewalt sind minimiert durch die gelebte female choice und soziale Kontrolle. Streit gibt es um Nahrung, und zwar nur bei Knappheit.

      1. Flora

        Ich finde diesen Artikel zu dem Thema sehr spannend. https://herstory-history.com/grundlagen/geschichte/vom-hirtentum-und-der-ueberbetonung-von-vaterschaft

        Nach den Aussagen könnte es sein, dass die erste Gewalt gegenüber den gezüchteten Tieren stattfand. Sie wurden nicht mehr respektiert wie in matrifokalen Zeiten sondern als Dinge die genutzt wurden. Diese Einstellung hat sich dann später auch auf Menschen übertragen, was zur Gewalt gegen Frauen und Sklavenhaltung geführt hat.

      2. Auch das ist möglich. Zu bedenken sind die folgenden Parameter: die female choice blieb lange unangetastet, weil alles Leben auf eine Urmutter zurückgeführt wurde und dieses als heilig galt. Es gab bis in die Jungsteinzeit hinein keine ökonomische Räson, Frauen zu unterdrücken, solange nur einfach TierHALTUNG betrieben wurde. Es müsste eine ideologische Vorbereitung gegeben haben, die fc anzutasten. Daran war sicherlich Hunger beteiligt. War die Hemmschwelle gegenüber den Tieren geringer? Oder mussten Männer erst Frauen dazu gebracht haben, ihnen Söhne zu schenken, damit TierZUCHT in großen Herden technisch umgesetzt werden konnte? Tierzucht geht mit Menschenzucht untrennbar einher.

      3. Flora

        Stimmt, da fehlt der Schritt zwischen Tierhaltung und Tierzucht. Wobei ich den Gedanken aus dem Artikel ganz interessant finde, dass Tiere nicht mehr nur für Nahrung getötet wurden, sondern Raubtiere getötet wurden, weil sie Konkurrenz waren und damit in ihren Rechten eingeschränkt wurden. Wobei das ja auch nur eine Möglichkeit gewesen sein könnte die Tiere schützen zu wollen, die in die Sippe aufgenommen wurden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.