Jagdfieber (rebloggt)

Stephanie Gogolin bezieht sich hier auf meinen Artikel „Zum Sammeln geboren

Matrifokale Gegenwart

… hier möchte ich an den hervorragenden Artikel von Gabriele Uhlmann anknüpfen, den ich unten bereits verlinkte, und damit den angeblich von Natur aus jagenden Menschen(Mann) der, als Wildbeuterin sammelnden MenscheFrau gegenüberstellen…

Die Sammlerin und der Mythos vom angeborenen Jagdtrieb des Menschenmannes

Der Jägersmann, der die in der Höhle hockende Frau und die Kinder mit seiner Jagdbeute ernährt, ist eines der Narrative, die nicht tot zu kriegen sind. Mit anderen Worten, wir haben hier eine der patriarchösen Mythen, deren es mehr als genug gibt. Bildlich wird in typischer Weise diese Mythe als ein aufrechter, mit Jagdwaffen ausgestatteter Mann, dargestellt. Eine Vorstellung, die so oft durch Jahrhunderte hindurch wiederholt wurde, dass sie sich allgemein einprägte und bisher einfach kaum hinterfragt wurde: Der frühe Steinzeitmann als der Prototyp des agilen Jägers, allein oder in Gruppe.

Die (bereits Waffen unterstützte) Jagd als solche, ist bestimmt nie ein Nahrungsbeschaffungsmuss für das Menschenfrauenkollektiv gewesen. Mag…

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Evolution: Zum Sammeln geboren

Zum Laufen geboren? Zum Jagen geboren?
Auch in Zeiten des Internet sind Zeitschriften das beste Mittel, auf dem Laufenden zu bleiben. Wer wie ich sogar Abonnentin ist, kennt wahrscheinlich auch die Stapel mit Heften, die in irgendwelchen Ecken vor sich hin wachsen. Meine besten Absichten, sie chronologisch in Schubern zu archivieren, scheitern schließlich am Platzmangel im Schrank. Gelegentlich ist meine Schmerzgrenze erreicht und in einer Hauruck-Aktion schneide ich alle mir wichtigen Artikel heraus und der Rest landet im Altpapier. Dabei entstehen wieder Stapel, aber nun nach Themen sortiert und abgeheftet, und der Papierberg schrumpft auf etwa ein Zwanzigstel seiner ursprünglichen Größe.

Jetzt habe ich wieder solch eine große Aktion hinter mir und diesmal war es sogar sehr inspirierend. Denn dabei fand ich den Artikel „Zum Jagen geboren“ von Kate Wong wieder, der im „Spektrum der Wissenschaft“, Heft 11/2014, abgedruckt war und den ich inzwischen längst vergessen hatte. Nicht dass ich den Artikel für besonders wertvoll hielte – denn das Thema ist für mich ein echtes Reizthema – aber kurz zuvor hatte ich einen ganz ähnlich klingenden Artikel abgeheftet, der – so will es der Zufall – in Heft 01/2020, also erst vor wenigen Wochen, veröffentlicht wurde, und zwar „Zum Laufen geboren“ von Herman Pontzer.

Gut, dass ich so viele Jahre sozusagen aktionslos gesammelt hatte, denn sonst hätte ich diesen Zusammenhang gar nicht mehr herstellen können! Beide Artikel nebeneinander gelegt fragte ich mich: ja, was denn nun, Jagen oder Laufen? Welche neuen Erkenntnisse hat es in diesen etwas mehr als 5 Jahren gegeben, dass zwei so unterschiedliche Aussagen zustande gekommen sind? Gleich nach meiner Aktion begann ich erneut zu lesen.

Kate Wong betont das Jagen als Motor zur Menschwerdung, oder anders gesagt, sie suggeriert, dass der Mann die treibende Kraft, die Krone menschlicher Körperkraft und der Intelligenz sei. Die Wissenschaftsjournalistin liefert tatsächlich eher unfreiwillig den Beleg gleich mit, denn der Artikel ist sozusagen das Sprachrohr für verschiedene Wissenschaftler, die glauben zu wissen, dass unser Skelett dazu gebaut sei, einen Speer nach einer Jagdbeute zu werfen. Und sie triumphiert:

“Sicherlich war solch ein Speer (ein Holzstecken mit einer Spitze aus Vulkanglas; meine Anmerk.) damals der Gipfel der Technik.“[1]

Ich kann gar nicht werfen, ich bin richtig schlecht darin. Weil es bei den Bundesjugendspielen nur Ballwerfen und Kugelstoßen aber kein Hammerwerfen gab, bekam ich regelmäßig nur eine Siegerurkunde. Entweder ich bin zum Werfen nicht geboren, weil ich eine Frau bin, oder an der Theorie ist etwas falsch. Wäre ich deshalb in der Steinzeit verhungert? Da ich viele Frauen kenne, die werfen können, und auch Männer, die nicht werfen können, muss die Theorie also falsch sein.

„Laut Daniel Liebermann von der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) und Dennis Bramble von der University of Utah in Salt Lake City könnten frühe Menschen ihre Beute bis zur völligen Erschöpfung getrieben haben“[2], schreibt sie und bemüht Nina Jablonski von der Pennsylvania State University für die Feststellung, dass die dabei entstehende Wärme von einem nackten Körper besser abgestrahlt würde,

„doch all diese Anpassungen hätten den frühen Menschen bei der Jagd nicht viel gebracht, wenn ihm Möglichkeiten fehlten, das gehetzte Tier am Ende zu erlegen – und das vorzugsweise aus einiger Distanz, also am besten indem man es mit einem geworfenen schweren oder scharfen Gegenstand trifft.“[3]

Auf Deutsch gesagt: wie schön, dass die Evolution vor dem Loslaufen noch schnell das Werfen und Herstellen eines Speeres selektiert hatte, denn sonst hätten die frühen Menschen das gehetzte Tier am Ende doch laufen lassen müssen.
Spaß beiseite. Eigentlich macht das Werfen das Laufen fast überflüssig, es muss jedoch gekonnt sein und das braucht Wurftalent und sehr langes Training, denn ein Jäger muss ja nicht nur weit werfen sondern auch zielen können. Ist das Tier aber schon lahm gehetzt, reicht einfaches Zustechen völlig aus. Nichts davon im Artikel.

Ein weiterer Gewährsmann für die These ist Neil T. Roach von der George Washington University, der als Triebfeder hinter dem evolutionären Umbau der Schulter „Selektionskräfte, die auf die Fähigkeit zu werfen gerichtet waren“ vermutet, denn „mit solchen Schultern und Armen konnten unsere Vorfahren schlechter Bäume erklimmen.“[4] Solche Selektionskräfte hatte Darwin völlig zurecht noch nicht vermutet und ich möchte schon einmal sehen, wie ein Menschenaffe die sog. Silence-Route bewältigen würde, die unter Kletterern als schwierigste der Welt gilt, oder all die anderen Herausforderungen, wo noch nie ein Menschenaffe gesichtet wurde. Dagegen sind Bäume doch ein Witz, um nicht zu sagen: kinderleicht.

Kate Wong setzt noch einen drauf: Der Anthropologe Travis Pickering glaube, dass die Jagd zu stärkerer „sozialer Untergliederung“ geführt habe, also zu jagenden Männern und sammelnden Frauen, und sie konstatiert, dass uns heute „solch eine Verteilung der Verantwortlichkeiten antiquiert vorkommen“ möge, sie sich damals aber als „Organisationsform mit hohem Anpassungswert“ erwiesen hätte.[5]
Komisch nur, dass Frauen trotzdem das Werfen gelernt haben. Was aber eigentlich hinter dieser Aussage steckt, wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Denn Arbeitsteilung ist nicht automatisch soziale Untergliederung. Soziale Untergliederung ist vor allem Hierarchie. Uns wird hier die Überlegenheit des Mannes über die Frau untergejubelt, also ein Patriarchat, das mit der Erfindung des Jagens daher gekommen sei. Die Krönung davon ist Pickerings Vermutung, dass Jagen die Aggressivität gesenkt habe und zu mehr Selbstbeherrschung verholfen hätte! Er begründet das mit dem kühlen Kopf und mit der Besonnenheit, welche ein Jäger bewahren müsse. Er müsse viel stärker seinen Verstand einsetzen als ein jagender Menschenaffe. Das allerdings können wir im Fußballstadion, auf der Autobahn, in Nord-Korea, Russland, der Türkei, den USA etc. nachprüfen. So weit, so schlecht.

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Das Menschenkind braucht keine Eltern (rebloggt)

Matrifokale Gegenwart

…ein Kommentar zu dem Begriff Elternschaft:
Was wir imho dringend brauchen, ist eine genauere Betrachtung der Begriffe Eltern, Elternschaft, Elternpaar, Elternarbeit usw.
Eltern ist, genau wieFamilie, im heutigen Sprachgebrauch der patriarchös getaktenen Gesellschaft ein Selbst-, ein Durchläufer…
kaum jemand hinterfragt die tiefere Bedeutung und die Herkunft des Begriffes Eltern. Unter Eltern verstehen wir das idealisierte Bild einer patriarchal induzierten Allianz von einem Mann/Vater mit einer Mutter und ihrem Kind!
Die Eltern sind ein Pluralbegriff, für den es eigentlich kein wirkliches Singular gibt (man experimentiert mit das Elter). Die Eltern sind als Paar angelegt. Aber tagtäglich trennen sich Elternpaare, und seit das zur gesellschaftlich anerkannten Norm geworden ist, wird verzweifelt daran gebastelt das Elternpaar als gesellschaftlichen Wert zu erhalten. Auch wenn die beiden beteiligten Personen, ansonsten keine Einheit mehr bilden, in Bezug auf das Kind haben diese Beiden, auch gegen alle praktische Vernunft, „an…

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Unerledigt: Die brisanten Akten des James Mellaart

Zwei Jahre sind ins Land gegangen, seit ich meinen Artikel „Fälschung oder nicht: Nicht nur Zanggers Problem“ im März 2018 veröffentlicht habe, in dem ich mich mit den spektakulären wie rätselhaften Entwicklungen um die Aufarbeitung des Nachlasses des weltberühmten Archäologen James Mellaart, der die jungsteinzeitliche Großsiedlung Çatal Höyük entdeckte, beschäftigte. Der Geoarchäologe Eberhard Zangger fühlte sich persönlich von Mellaart betrogen, denn der sog. Beyköy-Text (BT) sei dessen Fälschung. Weitere Vorwürfe bezogen sich auf verschiedene Zeichnungen, die aus der Dokumentation der Ausgrabungen in Çatal Höyük stammen. Die Presse kostete die peinliche Angelegenheit aus, obwohl Zangger selbst der Informant war. Als langjährige Beobachterin der Ausgrabungen in Çatal Höyük war ich über die gesamte Berichterstattung alles andere als erfreut und versprach ein Update, sobald ich Neues wüsste.

Es ist schade, dass der breiten Öffentlichkeit nur häppchenweise Informationen zur Verfügung gestellt wurden, aber Eberhard Zangger machte mich vor kurzem persönlich auf weitere Veröffentlichungen aufmerksam, wofür ich herzlich danke. So fiel mir schließlich und endlich auf, dass der damals in meinem Artikel zitierte TALANTA-Artikel von Fred Woudhuizen und Eberhard Zangger aus dem Dezember 2017 („Rediscovered Luwian Hieroglyphic Inscriptions from Western Asia Minor“, Link) eine Vorveröffentlichung war und seinen endgültigen Rahmen in der irgendwann nach August 2018 erschienenen Ausgabe von TALANTA Vol. 50 fand, und zwar neben zwei weiteren Artikeln der beiden Autoren zu diesem Thema. Im September 2019 wurde aus dieser Ausgabe Zanggers Artikel „James Mellaart’s Fantasies“ (Link) auf dem Portal researchgate.net online gestellt und im November 2019 folgte der Artikel „Arguments for the Authenticity of the Luwian Hieroglyphic Texts from the Mellaart Files“ (E. Zangger/F. Woudhuizen, Link) auf dem Portal academia.edu. Herr Zangger war aber so freundlich, mir die Artikel jetzt direkt zuzuschicken.

Was gibt es also „Neues“?

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Warum haben Männer Angst (rebloggt)

Perlenmutter's Blog

Männer brauchen eine liebevolle Mutter. Männer, die ihre Mutter lieben, werden im Patriarchat als gestört abgewertet, als „Muttersöhnchen“.  Das macht ihnen Angst. Frauen wollen liebevolle Mütter sein. Wenn sie Kinder geboren haben, können sie dieses Bedürfnis ausleben.

Liebhaber von Frauen sind Söhne von Müttern. Mutterliebe ist Agape, sexuelle Beziehungen leben den Eros. Söhne brauchen liebevolle Mütter und Söhne brauchen erotische Liebhaberinnen. Das sind zwei verschiedene Frauen.

Frauen brauchen Liebhaber und auch eine liebevolle Mutter. Frauen sind auch Mütter.

Vaterschaft ist ein nicht artgerechtes Konstrukt. Männer sind besser Liebhaber und/oder Söhne, als Väter. Männer sind Brüder, Onkel. Anderes macht Männern Angst.

Angst fressen Seele auf.

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