Jagdfieber (rebloggt)

Stephanie Gogolin bezieht sich hier auf meinen Artikel „Zum Sammeln geboren

Matrifokale Gegenwart

… hier möchte ich an den hervorragenden Artikel von Gabriele Uhlmann anknüpfen, den ich unten bereits verlinkte, und damit den angeblich von Natur aus jagenden Menschen(Mann) der, als Wildbeuterin sammelnden MenscheFrau gegenüberstellen…

Die Sammlerin und der Mythos vom angeborenen Jagdtrieb des Menschenmannes

Der Jägersmann, der die in der Höhle hockende Frau und die Kinder mit seiner Jagdbeute ernährt, ist eines der Narrative, die nicht tot zu kriegen sind. Mit anderen Worten, wir haben hier eine der patriarchösen Mythen, deren es mehr als genug gibt. Bildlich wird in typischer Weise diese Mythe als ein aufrechter, mit Jagdwaffen ausgestatteter Mann, dargestellt. Eine Vorstellung, die so oft durch Jahrhunderte hindurch wiederholt wurde, dass sie sich allgemein einprägte und bisher einfach kaum hinterfragt wurde: Der frühe Steinzeitmann als der Prototyp des agilen Jägers, allein oder in Gruppe.

Die (bereits Waffen unterstützte) Jagd als solche, ist bestimmt nie ein Nahrungsbeschaffungsmuss für das Menschenfrauenkollektiv gewesen. Mag…

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Evolution: Zum Sammeln geboren

Zum Laufen geboren? Zum Jagen geboren?
Auch in Zeiten des Internet sind Zeitschriften das beste Mittel, auf dem Laufenden zu bleiben. Wer wie ich sogar Abonnentin ist, kennt wahrscheinlich auch die Stapel mit Heften, die in irgendwelchen Ecken vor sich hin wachsen. Meine besten Absichten, sie chronologisch in Schubern zu archivieren, scheitern schließlich am Platzmangel im Schrank. Gelegentlich ist meine Schmerzgrenze erreicht und in einer Hauruck-Aktion schneide ich alle mir wichtigen Artikel heraus und der Rest landet im Altpapier. Dabei entstehen wieder Stapel, aber nun nach Themen sortiert und abgeheftet, und der Papierberg schrumpft auf etwa ein Zwanzigstel seiner ursprünglichen Größe.

Jetzt habe ich wieder solch eine große Aktion hinter mir und diesmal war es sogar sehr inspirierend. Denn dabei fand ich den Artikel „Zum Jagen geboren“ von Kate Wong wieder, der im „Spektrum der Wissenschaft“, Heft 11/2014, abgedruckt war und den ich inzwischen längst vergessen hatte. Nicht dass ich den Artikel für besonders wertvoll hielte – denn das Thema ist für mich ein echtes Reizthema – aber kurz zuvor hatte ich einen ganz ähnlich klingenden Artikel abgeheftet, der – so will es der Zufall – in Heft 01/2020, also erst vor wenigen Wochen, veröffentlicht wurde, und zwar „Zum Laufen geboren“ von Herman Pontzer.

Gut, dass ich so viele Jahre sozusagen aktionslos gesammelt hatte, denn sonst hätte ich diesen Zusammenhang gar nicht mehr herstellen können! Beide Artikel nebeneinander gelegt fragte ich mich: ja, was denn nun, Jagen oder Laufen? Welche neuen Erkenntnisse hat es in diesen etwas mehr als 5 Jahren gegeben, dass zwei so unterschiedliche Aussagen zustande gekommen sind? Gleich nach meiner Aktion begann ich erneut zu lesen.

Kate Wong betont das Jagen als Motor zur Menschwerdung, oder anders gesagt, sie suggeriert, dass der Mann die treibende Kraft, die Krone menschlicher Körperkraft und der Intelligenz sei. Die Wissenschaftsjournalistin liefert tatsächlich eher unfreiwillig den Beleg gleich mit, denn der Artikel ist sozusagen das Sprachrohr für verschiedene Wissenschaftler, die glauben zu wissen, dass unser Skelett dazu gebaut sei, einen Speer nach einer Jagdbeute zu werfen. Und sie triumphiert:

“Sicherlich war solch ein Speer (ein Holzstecken mit einer Spitze aus Vulkanglas; meine Anmerk.) damals der Gipfel der Technik.“[1]

Ich kann gar nicht werfen, ich bin richtig schlecht darin. Weil es bei den Bundesjugendspielen nur Ballwerfen und Kugelstoßen aber kein Hammerwerfen gab, bekam ich regelmäßig nur eine Siegerurkunde. Entweder ich bin zum Werfen nicht geboren, weil ich eine Frau bin, oder an der Theorie ist etwas falsch. Wäre ich deshalb in der Steinzeit verhungert? Da ich viele Frauen kenne, die werfen können, und auch Männer, die nicht werfen können, muss die Theorie also falsch sein.

„Laut Daniel Liebermann von der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) und Dennis Bramble von der University of Utah in Salt Lake City könnten frühe Menschen ihre Beute bis zur völligen Erschöpfung getrieben haben“[2], schreibt sie und bemüht Nina Jablonski von der Pennsylvania State University für die Feststellung, dass die dabei entstehende Wärme von einem nackten Körper besser abgestrahlt würde,

„doch all diese Anpassungen hätten den frühen Menschen bei der Jagd nicht viel gebracht, wenn ihm Möglichkeiten fehlten, das gehetzte Tier am Ende zu erlegen – und das vorzugsweise aus einiger Distanz, also am besten indem man es mit einem geworfenen schweren oder scharfen Gegenstand trifft.“[3]

Auf Deutsch gesagt: wie schön, dass die Evolution vor dem Loslaufen noch schnell das Werfen und Herstellen eines Speeres selektiert hatte, denn sonst hätten die frühen Menschen das gehetzte Tier am Ende doch laufen lassen müssen.
Spaß beiseite. Eigentlich macht das Werfen das Laufen fast überflüssig, es muss jedoch gekonnt sein und das braucht Wurftalent und sehr langes Training, denn ein Jäger muss ja nicht nur weit werfen sondern auch zielen können. Ist das Tier aber schon lahm gehetzt, reicht einfaches Zustechen völlig aus. Nichts davon im Artikel.

Ein weiterer Gewährsmann für die These ist Neil T. Roach von der George Washington University, der als Triebfeder hinter dem evolutionären Umbau der Schulter „Selektionskräfte, die auf die Fähigkeit zu werfen gerichtet waren“ vermutet, denn „mit solchen Schultern und Armen konnten unsere Vorfahren schlechter Bäume erklimmen.“[4] Solche Selektionskräfte hatte Darwin völlig zurecht noch nicht vermutet und ich möchte schon einmal sehen, wie ein Menschenaffe die sog. Silence-Route bewältigen würde, die unter Kletterern als schwierigste der Welt gilt, oder all die anderen Herausforderungen, wo noch nie ein Menschenaffe gesichtet wurde. Dagegen sind Bäume doch ein Witz, um nicht zu sagen: kinderleicht.

Kate Wong setzt noch einen drauf: Der Anthropologe Travis Pickering glaube, dass die Jagd zu stärkerer „sozialer Untergliederung“ geführt habe, also zu jagenden Männern und sammelnden Frauen, und sie konstatiert, dass uns heute „solch eine Verteilung der Verantwortlichkeiten antiquiert vorkommen“ möge, sie sich damals aber als „Organisationsform mit hohem Anpassungswert“ erwiesen hätte.[5]
Komisch nur, dass Frauen trotzdem das Werfen gelernt haben. Was aber eigentlich hinter dieser Aussage steckt, wird erst auf den zweiten Blick deutlich. Denn Arbeitsteilung ist nicht automatisch soziale Untergliederung. Soziale Untergliederung ist vor allem Hierarchie. Uns wird hier die Überlegenheit des Mannes über die Frau untergejubelt, also ein Patriarchat, das mit der Erfindung des Jagens daher gekommen sei. Die Krönung davon ist Pickerings Vermutung, dass Jagen die Aggressivität gesenkt habe und zu mehr Selbstbeherrschung verholfen hätte! Er begründet das mit dem kühlen Kopf und mit der Besonnenheit, welche ein Jäger bewahren müsse. Er müsse viel stärker seinen Verstand einsetzen als ein jagender Menschenaffe. Das allerdings können wir im Fußballstadion, auf der Autobahn, in Nord-Korea, Russland, der Türkei, den USA etc. nachprüfen. So weit, so schlecht.

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Das Menschenkind braucht keine Eltern (rebloggt)

Matrifokale Gegenwart

…ein Kommentar zu dem Begriff Elternschaft:
Was wir imho dringend brauchen, ist eine genauere Betrachtung der Begriffe Eltern, Elternschaft, Elternpaar, Elternarbeit usw.
Eltern ist, genau wieFamilie, im heutigen Sprachgebrauch der patriarchös getaktenen Gesellschaft ein Selbst-, ein Durchläufer…
kaum jemand hinterfragt die tiefere Bedeutung und die Herkunft des Begriffes Eltern. Unter Eltern verstehen wir das idealisierte Bild einer patriarchal induzierten Allianz von einem Mann/Vater mit einer Mutter und ihrem Kind!
Die Eltern sind ein Pluralbegriff, für den es eigentlich kein wirkliches Singular gibt (man experimentiert mit das Elter). Die Eltern sind als Paar angelegt. Aber tagtäglich trennen sich Elternpaare, und seit das zur gesellschaftlich anerkannten Norm geworden ist, wird verzweifelt daran gebastelt das Elternpaar als gesellschaftlichen Wert zu erhalten. Auch wenn die beiden beteiligten Personen, ansonsten keine Einheit mehr bilden, in Bezug auf das Kind haben diese Beiden, auch gegen alle praktische Vernunft, „an…

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Unerledigt: Die brisanten Akten des James Mellaart

Zwei Jahre sind ins Land gegangen, seit ich meinen Artikel „Fälschung oder nicht: Nicht nur Zanggers Problem“ im März 2018 veröffentlicht habe, in dem ich mich mit den spektakulären wie rätselhaften Entwicklungen um die Aufarbeitung des Nachlasses des weltberühmten Archäologen James Mellaart, der die jungsteinzeitliche Großsiedlung Çatal Höyük entdeckte, beschäftigte. Der Geoarchäologe Eberhard Zangger fühlte sich persönlich von Mellaart betrogen, denn der sog. Beyköy-Text (BT) sei dessen Fälschung. Weitere Vorwürfe bezogen sich auf verschiedene Zeichnungen, die aus der Dokumentation der Ausgrabungen in Çatal Höyük stammen. Die Presse kostete die peinliche Angelegenheit aus, obwohl Zangger selbst der Informant war. Als langjährige Beobachterin der Ausgrabungen in Çatal Höyük war ich über die gesamte Berichterstattung alles andere als erfreut und versprach ein Update, sobald ich Neues wüsste.

Es ist schade, dass der breiten Öffentlichkeit nur häppchenweise Informationen zur Verfügung gestellt wurden, aber Eberhard Zangger machte mich vor kurzem persönlich auf weitere Veröffentlichungen aufmerksam, wofür ich herzlich danke. So fiel mir schließlich und endlich auf, dass der damals in meinem Artikel zitierte TALANTA-Artikel von Fred Woudhuizen und Eberhard Zangger aus dem Dezember 2017 („Rediscovered Luwian Hieroglyphic Inscriptions from Western Asia Minor“, Link) eine Vorveröffentlichung war und seinen endgültigen Rahmen in der irgendwann nach August 2018 erschienenen Ausgabe von TALANTA Vol. 50 fand, und zwar neben zwei weiteren Artikeln der beiden Autoren zu diesem Thema. Im September 2019 wurde aus dieser Ausgabe Zanggers Artikel „James Mellaart’s Fantasies“ (Link) auf dem Portal researchgate.net online gestellt und im November 2019 folgte der Artikel „Arguments for the Authenticity of the Luwian Hieroglyphic Texts from the Mellaart Files“ (E. Zangger/F. Woudhuizen, Link) auf dem Portal academia.edu. Herr Zangger war aber so freundlich, mir die Artikel jetzt direkt zuzuschicken.

Was gibt es also „Neues“?

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Warum haben Männer Angst (rebloggt)

Perlenmutter's Blog

Männer brauchen eine liebevolle Mutter. Männer, die ihre Mutter lieben, werden im Patriarchat als gestört abgewertet, als „Muttersöhnchen“.  Das macht ihnen Angst. Frauen wollen liebevolle Mütter sein. Wenn sie Kinder geboren haben, können sie dieses Bedürfnis ausleben.

Liebhaber von Frauen sind Söhne von Müttern. Mutterliebe ist Agape, sexuelle Beziehungen leben den Eros. Söhne brauchen liebevolle Mütter und Söhne brauchen erotische Liebhaberinnen. Das sind zwei verschiedene Frauen.

Frauen brauchen Liebhaber und auch eine liebevolle Mutter. Frauen sind auch Mütter.

Vaterschaft ist ein nicht artgerechtes Konstrukt. Männer sind besser Liebhaber und/oder Söhne, als Väter. Männer sind Brüder, Onkel. Anderes macht Männern Angst.

Angst fressen Seele auf.

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Ist das Aufzeigen der Wahrheit übergriffig? (rebloggt)

Vieles von dem, was sie schreibt, kommt mir sehr bekannt vor.

Suedelbien

Oder: Ist Verdrängung heilsam?

Ich werde des öfteren mit dem Hinweis konfrontiert, dass das Mitteilen und Zeigen unangenehmer, harter bis zu grausamer Fakten, also der Wahrheit, ein Übergriff auf andere ist, um diese zu demütigen, bloßzustellen oder vorzuführen. In meiner grauen Blogvorzeit habe ich einen Artikel über übergriffige Menschen geschrieben, den leite ich mit folgenden Worten ein: „Übergriffige Menschen sehen alles, was sie tun, als richtig an. Das was für sie gilt, gilt auch für alle anderen. Ihre Überzeugungen, Standpunkte und Verhaltensmuster sind die einzig richtigen.“ Damit meine ich aber nicht Menschen, die Wahrheiten erkannt haben, weil sie sich jahrelang in Selbstreflexion geübt haben, sondern solche, die in ihren rigiden Verhaltensmustern und Überzeugungen agieren und darin stecken geblieben sind. Solche, die unumstößlich überzeugt sind von ihren Ansichten und diese deshalb anderen Menschen überstülpen wollen. Derzeit ist das sehr schön zu erkennen bei der Vorgehensweise der patriarchalen Väterrechtler, aber…

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Von den Mosuo lernen – Wie frau sich aus dem Patriarchat befreien kann

Die ersten westlichen Ostasienwissenschaftler, die Kenntnis von der Ethnie der Mosuo (oder Moso) bekamen, waren Jaques Barnot und Edouard Chavannes, und zwar über ein Dokument, das die angebliche „Genealogie der Könige der Mosuo“ enthielt. Die beiden Männer wussten jedoch nicht, dass die Mosuo matrilinear lebten. Es stellte sich daher erst später heraus, dass es sich lediglich um die Königsliste der Feudalherren der Naxi (oder Na-khi) handelte.[1] Der Jahrhunderte alten chinesischen Lehrmeinung zufolge gehören die Mosuo in Yongning zum Volk der Naxi in Lijiang auf der anderen Seite des Flusses Yangtse, und beide werden daher von den Chinesen Mosuo genannt. So kam Barnots und Chavannes Irrtum zustande. Die Mosuo-Angehörige Yang Erche Namu fand dies u.a. heraus, als sie ihre Doktorarbeit schrieb, um die Ursprünge ihres Volkes zu erhellen.
Wie sie berichtet, ist jedoch der amerikanische Botaniker Joseph Rock bei den Mosuo beinahe legendär geworden, als er in den Jahren nach 1922 Forschungsreisen in ihr Gebiet unternahm und dabei gute Bekanntschaft mit ihnen machte.[2] Durch seine in erster Linie botanischen Abhandlungen wurden die Mosuo auch in der westlichen Ethnologie bekannter. Einem breiten europäischen Publikum wurden sie jedoch erst durch die Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth, die 1993 zu den Mosuo reiste, sowie durch die Filmemacherinnen Uschi Madeisky, Daniela Parr, Dagmar Margotsdotter-Fricke gegenwärtig[3]. Sie veranstalten auch öffentliche Kongresse, zu denen Angehörige der Mosuo nach Europa kommen.

Mosuo girls
Mosuo-Frauen. Bild: wikimedia commons

Die Mosuo und die Naxi, die seit dem 7. Jh. in chinesischen Chroniken auftauchen, sollen aus der Mongolei stammen.[4] Yang Erche Namu ist zwar von dieser These ebenfalls überzeugt, meint aber aufgrund der unterschiedlichen Sprachen, Kleidung und Ernährungsweise, dass beide Volksgruppen eine eigene Herkunftsgeschichte haben:

„Zu beiden Ufern des Yangtse führten die Feudalherren ihre Abstammung auf einen Armeeoffizier zurück, den angeblich Kublai Khan[5] bei seiner Eroberung Chinas zurückgelassen hatte. Aber abgesehen von dem gemeinsam erhobenen Anspruch auf ferne mongolische Vorfahren unterscheiden sich die Genealogien der Moso- und Naxi-Herrscher vollständig. So weist der Stammbaum der Herren von Lijiang eine durchgängige Erbfolge vom Vater auf den Sohn auf, während die Genealogie der Feudalherren von Yongning darauf hindeutet, dass die Moso-Herrscher ihre Stellung auf matrilinearem Weg vererbten, vom Onkel auf den Neffen, und zwar bis zum 18. Jahrhundert, als durch kaiserliches Edikt das Erstgeburtsrecht und die patrilineare Erbfolge eingeführt wurden. Und das ist sehr interessant, nicht nur weil diese Genealogien die Moso und Naxi grundsätzlich unterscheiden, sondern auch weil sie darauf hinweisen, dass die alte Moso-Elite ihre edle Abstammung nicht nur bei den Mongolen zu suchen hat.“[6]

Wie sie auch mitteilt, wurden die Feudal-Bezirke 1381 von der Ming-Dynastie geteilt.[7]
Zahlreiche Eigenarten, die Yang Erche Namu in ihrer Biographie beschreibt, sprechen für die mongolische Herkunft. Das Yak spielt in der Wirtschaftsweise eine große Rolle, und sie bauen nicht nur Häuser aus Holz, sondern auch Zelte aus Yak-Leder, die genau so aussehen wie die Yurten der Mongolei.[8] Die Frauen verlängern ihr Haar mit Yak-Schwänzen und reiben es mit Yak-Butter ein.[9] Weiterlesen „Von den Mosuo lernen – Wie frau sich aus dem Patriarchat befreien kann“

Über Wohltätigkeit/Charity

Die Instrumentalisierung unserer angeborenen Moralität ist eine perfide Praktik des Patriarchats. So werden die Härten des Patriarchats halbwegs abgefangen, aber freilich immer ohne das die Härten erst produzierende Patriarchat infrage zu stellen. Patriarchat muss immer noch „grade so auszuhalten sein“. Deshalb gibt es dafür Orden.

BUCHTIPP: Der Mensch, der Bonobo und die Zehn Gebote – von Frans de Waal

Gewalt ist die Voraussetzung des Patriarchats, also der Vaterschaft

Hinter jedem Vater steht die Gewalt des Gesetzes, deshalb kann er sich ausruhen und sich als „guter Vater“ stilisieren. Aber wenn er trotzdem zuschlägt, wird das häufig vom Staat geduldet, wie wir wissen. Ohne Gewalt kein Patriarchat, und das ist gewollt. Allein die Möglichkeit, dass ein Vater zuschlagen, vergewaltigen, erpressen oder morden kann, weil Mutter und Kind ihm ausgeliefert sind, diszipliniert Mütter und Kinder. Allein die Möglichkeit ist also schon Gewalt, die sich aus dem Entführungscharakter des Patriarchats erklärt. Das Patriarchat ist seit seiner Entstehung ein fortgesetztes Entführungsverbrechen, das sich über das kollektive Stockholm-Syndrom perpetuiert.

Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann

“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet. Von „matriarchalen Gesellschaften“ wird aber auch gern gesprochen, wenn die oberste Gottheit eine Göttin war oder ist und die Frauen „selbstbewusst“ und „emanzipiert“ gewesen sein sollen. „Matriarchale Gesellschaften“ seien egalitär und friedlich und manchmal stünde eine Königin oder sogar ein König an ihrer Spitze, die ihre Untertanen weise regierten.

Die führende Mariarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth setzt der Definition von Matriarchat als „Herrschaft der Mütter“ eine eigene dagegen:

Die begriffliche Verwirrung geht auf die scheinbare Parallele der Begriffe ‚Patriarchat’ und ‚Matriarchat’ zurück. Doch der Schein trügt! In sprachlicher Hinsicht muss man keineswegs der üblichen, vorurteilshaften Übersetzung des Begriffs als ‚Herrschaft der Mütter’ folgen. Das griechische Wort ‚arché’ hat nämlich eine doppelte Bedeutung und heißt sowohl ‚Anfang’ als auch ‚Herrschaft’. Der Begriff ‚Matriarchat’ bedeutet daher korrekt übersetzt ‚am Anfang die Mütter’, und das trifft die Sache. Im Falle der patriarchalen Gesellschaftsform ist hingegen die Übersetzung mit ‚Herrschaft der Väter/Männer’ zutreffend.[1]

Auf diese Weise erfährt man jedoch nicht, dass es der niederländische Rechtsethnologe George Alexander Wilken war, der die Bezeichnung Matriarchat 1884 einführte. In seinem Buch Das Matriarchat (Das Mutterrecht) bei den alten Arabern schrieb er:

„Die Frage nach einem ursprünglichen Matriarchat (Mutterrecht) hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit Vieler auf sich gelenkt. Man weiß, was darunter verstanden werden muss. Das Matriarchat ist die Verwandtschaft durch die Mutter, wie das Patriarchat (Vaterrecht) die durch den Vater ist; bei jenem wird die Abstammung ausschließlich in der weiblichen, bei diesem in der männlichen Linie verfolgt. Von diesen beiden ist die mütterliche Verwandtschaft die am meisten ursprüngliche. Man könnte behaupten, dass sie einer der Phasen ist, welche das Familienleben überall in seiner Entwicklung durchlaufen hat.“[2]

Wilken sagte damit, dass ein Matriarchat ein umgedrehtes Patriarchat sei, dies, weil er nicht verstanden hatte, dass Patrilinearität („männliche Linie“) nicht einfach der natürliche Gegenpart zur Matrilinearität („weibliche Linie“) ist. Denn Matrilinearität ist die unmittelbare Folge der angeborenen Matrilokalität (Kinder bleiben bei der Mutter) unserer Spezies. Männer stellten eine kulturelle Ideologie von Patrilinearität dagegen. Und nur wenn sie zusätzlich Patrilokalität (Kinder müssen beim Vater wohnen) erzwingen, wird aus der Idee auch eine stabile Realität. Zwar bezieht Wilken sich in der Tat auf den Ursprung, aber er setzt den Begriff mit Bachofens „Mutterrecht“ gleich und schafft damit die Grundlage für die Begriffsverwirrung und angeblich „scheinbare Parallele“. Denn schon bei Bachofen haben wir die Verknüpfung von Recht und Herrschaft.
Der Patriarchatsforscher Gerhard Bott schrieb dazu in der Antwort auf einen Leserinnenbrief, nach dem Bachofen deutlich gemacht habe, dass aus „dem gebärenden Muttertum“ eben nicht „Weiberherrschaft“ aufsteige, sondern „die allgemeine Brüderlichkeit aller Menschen, deren Bewusstsein und Anerkennung mit der Ausbildung der Paternität untergehe“, (sie zitiert Bachofen, 1954, S. 89) das Folgende:

Das ‚Mutterrecht’ ist für Bachofen immer grausam und negativ. (…) Aus Bachofens ‚Mutterrecht‚ geht (…) eindeutig hervor, dass er immer dann, wenn er vom MutterTUM spricht, nicht etwa die fürchterliche Zeit des MutterRECHTS meint, sondern die ‚befriedete Zeit, nach der ‚Versöhnungder Frauen mit dem Primat der Männer. Er bezieht sich damit auf jene ‚gute‘ Zeit, die nach dem Ende des Mutterrechts, der Gynaikokratie oder ‚Weiberherrschaft, ihren Anfang nahm, und zwar durch die ‚Versöhnung’ der Frau mit dem Mann. Erst in der vaterrechtlichen monogamen Ehe, in der sich die Frau dem Mann ‚lustvoll’. unterordnet, wurde das ‚Durchdringen’ der Frau zum ‚Muttertum’ möglich. Das ‚Mutterrecht’, hingegen stellt Bachofen durchgehend als negativen ZERR-Spiegel des ‚Vaterrechts‚, des Patriarchats, dar.[3]

Schon Bachofens Begriff der Brüderlichkeit hätte aufmerken lassen müssen, dass da etwas grundsätzlich nicht stimmig ist. Weiterlesen „Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann“