Nazikeule Mutterkult – Wie mit Halbwissen Mütter mundtot gemacht werden und was dagegen hilft

Eine Mutter muss sich heute entschuldigen, wenn sie ihrem Kind oberste Priorität einräumt. Es wird erwartet, dass sie möglichst vollzeitig berufstätig ist, sich selbst versorgt und dem Kind lediglich sog. „Quality time“ widmet. „Kinder brauchen ihre Mutter“, das ist ein Satz, für den sich jede schämen muss, sie bekommt aus allen Lagern Gegenwind, von Feministinnen, Maskulisten und von der Politik. „Kinder brauchen ihren Vater“ ist dagegen ein Satz, der allgemeine Anerkennung findet, wieder von Feministinnen, Maskulisten und von der Politik. Möglich ist das, weil die 8000 Jahre alte Vater-Ideologie im Patriarchat Konsens ist.
Besonders bizarr wird es, wenn sich ausgerechnet ein Kirchenfürst einmischt und für Mütter Partei ergreift. Der wegen diverser Vergehen aus dem Amt geschiedene Bischof Mixa sagte sinngemäß:

Wer mit staatlicher Förderung Mütter dazu verleitet, ihre Kinder bereits kurz nach der Geburt in staatliche Obhut zu geben, degradiert die Frau zur Gebärmaschine.

Der Satz, der für sich gesehen, aus patriarchatskritischer Sicht völlig richtig ist, wird im Munde eines Priesters zur unerträglichen Heuchelei, die wieder gegen Mütter ausgeschlachtet werden kann. Er spielt die Rolle des Anwalts des Teufels.  Es waren ja Tempel und Kirche selbst, die den Vater zum Schöpfer erhoben und seitdem Mutter Natur als Nährboden seines Samen hinstellen, und das nicht einmal nur im Alten Testament. So lesen wir in Matthäus 13:38 als Jesus-Wort:

„der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen;“ (Quelle: Bibleserver.com)

Dieses Denken liegt dem väterlichen Besitzdenken zugrunde, das bis heute in den Gesetzen seinen ungesagten Niederschlag findet und das besonders in den Staaten, die das Haager Kindesentführungsübereinkommen nicht unterzeichnet haben, offen ausgesprochen und gelebt wird. Eine Reform im Gesetz bedeutet aber nicht automatisch, dass sich die Mentalität in der Bevölkerung geändert hat. Tatsächlich haben wir einen ausgeprägten Vaterkult, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes, im Namen aller Götter. Es ist die Religion, die den Vater heiligt, und damit dem Patriarchat die ideologische Basis verpasst.
Wir wissen es längst besser: Sperma beinhaltet keine kleinen Menschen, es ist lediglich menschlicher Pollen und kein Same. Weder Kind noch Frau gehören dem Mann. Kinder sind Fleisch und Blut ihrer Mutter. Sie geben ihren Kindern von Natur aus mehr als Väter und sie geben mehr als ihren Körper. Von Natur aus sind sie entsprechend ausgestattet. Allerdings hat das Patriarchat alles dafür getan, dass Mütter sich heute kaum noch darüber bewusst sind und leider sind viele Mütter von den patriarchalen Verhältnissen so traumatisiert oder verblendet, dass sie einen ungünstigen Einfluss auf ihre Kinder ausüben können.

Als wichtigste Bindungsperson bleibt die Mutter die erste Anlaufstelle für ihre Kinder. Das ist keine Frage der Besitzverhältnisse, sondern eine evolutionäre Notwendigkeit, die das Leben auf und von der Erde sicherstellt. Die Sehnsucht nach der Mutter ist Kindern angeboren. Jeder noch so gut meinende Vater kennt diese schon magisch anmutende Verbindung, die meist auch dann besteht, wenn die Mutter das Kind vernachlässigt, und die vor allem Vaterrechtlern ein Dorn im Auge ist. Sie unterstellen Müttern Besitzdenken oder Manipulation des Kindes und projizieren doch nur selbst das patriarchale Besitzdenken auf sie.

Die seltenen vom Patriarchat geschaffenen Beispiele vernachlässigender oder gewalttätiger Mütter dienen dem Patriarchat in vielfacher Weise und verstärken es weiter. Sie täuschen ja darüber hinweg, dass ein noch so gut meinender und liebender Vater nicht das geben kann, was eine Mutter von Natur aus geben kann und auch sollte, nämlich bedingungslose Liebe. Daher können sie ideologisch ausgeschlachtet werden, insbesondere auch und gerade vom Gender-Feminismus.

Väter wissen in der Regel nicht, dass ihr Vatersein lediglich die Folge der patriarchalen Verkettung der Rolle des sozialen Vaters mit der des biologischen Vaters ist. Während Muttersein keine Rolle ist – was Gender-Feministinnen aber gerne so hätten – müssen wir im Falle des Vaters, wie wir ihn landläufig verstehen, von Rolle sprechen. Diese Rolle spielen Väter, als sei sie selbstverständlich. Tatsächlich ist sie alles andere als natürlich. In der Vaterrolle macht sich unbewusst jeder Mann zum Erfüllungsgehilfen des Patriarchats:
Der Vater lehrt das Kind erst, dass es ihn gibt. Damit verbunden vermittelt er genau die Werte, die das System erhalten. Die Mutter wird über das Kind an den Vater gefesselt, während sich der Vater aus dem Staube machen kann, wenn seine Bedingungen nicht erfüllt werden. Dazu gehören natürlich sexuelle Unterwerfung und unbedingte Loyalität. Liebe und Unterstützung erfährt die Mutter also nur gegen Leistung, die sie gar nicht an „seinem“ Kind, sondern an ihm erbringt. Auch das Kind lernt dabei zu gehorchen, denn es registriert, dass seine Existenz allein vom Vater abhängt. Der Vater wird auch nicht müde zu betonen, dass er die ganze Verantwortung alleine trage. Er glaubt, nur Gutes zu tun und wird von außen darin auch bestärkt. Sein Einsatz wird ihm hoch angerechnet, weil er ja auch abhauen könnte. Die strukturelle Gewalt, die der Vater ausübt, wird ihm nicht bewusst, auch nicht, dass er nicht bedingungslos liebt.

Um ihre Forderungen durchzusetzen, üben Väter Druck aus, weltweit gesehen verfolgen sie im Wesentlichen zwei Strategien:
1. Er darf die Mutter fortschicken und ihr das Kind entreißen, weil es als sein Besitz gilt.
2. Gesetze entziehen der abtrünnigen Mutter die materielle Basis. Frauen werden damit gezwungen, ihre Kinder mehr oder weniger dauerhaft anderen zu überlassen, um Geld verdienen zu können, oder sich schnellstens an einen anderen Mann zu binden.

Nicht selten heißt es daher aus gender-feministischen Kreisen, dass Mütter mit dem Versorgungsgedanken das Patriarchat erst geschaffen hätten, was zwar jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehrt, aber dazu benutzt werden kann, die mütterliche Leistung als für die Kinder schädlich hinzustellen. „Bildung von Anfang an“ lautet der Slogan, mit dem Mütter in jeder Hinsicht für dumm verkauft werden. Wie ein Maskulist fordert Vater Staat die Kinder für sich allein und beschult, wie es heute heißt, die Kinder entsprechend. Eltern merken spätestens mit der Einschulung, dass sie einen wesentlichen Teil ihrer Erziehungsberechtigung verlieren. Natürlich ist Schulbildung niemals Aufklärung über das Patriarchat, die Frauen viel wirkungsvoller befreien würde als jede Mathematik und Fremdsprache.

Ganztagsbetreuung von klein auf wird seit einigen Jahren als das Nonplusultra für Kinder hingestellt, dabei geht es auch hier nicht um die Kinder. Eine Mutter, die sich da einmischt, die sich schützend vor ihre Kinder stellt, wird als ewig gestrig hingestellt, die einen kruden Mutterkult betreibe und das Nazireich wiederbeleben wolle. Das lenkt natürlich vom Vaterkult ab, gegen den sich diese Mutter unbewusst, selten sogar bewusst wehrt.

Ich möchte hier nicht über die längst bekannten, fatalen Folgen von Fremdbetreuung referieren. Jeder möge sich nur einmal in seine eigene Kindheit zurückversetzen und sich fragen, ob sie/er lieber, statt draußen mit den Freunden zu spielen, ganztags in die Kita oder Schule gegangen wäre mit Kantinenessen und Mittagstief, oder ob sie/er schon als Kleinkind einen langen Arbeitstag durchgehalten hätte, noch dazu ohne eine Person in der Nähe zu haben, die ganz für sie/ihn da ist.

Mutterromantik, hatten wir das nicht auch schon mal? Ja, sie ist aber eine völlig berechtigte und im Patriarchat zeitlose Sehnsucht, die im bereits aufgeklärten 18. bis 19. Jahrhundert, der Zeit der Romantik, in besonderer Weise intellektuell verarbeitet wurde. Es gab daher dieses Ideal, aber es konnte in der Praxis nicht umgesetzt werden, da der Vater stets das letzte Wort hatte. Er setzte seine patriarchale Liebe-gegen-Leistung-Ideologie immer durch. Die Mutter konnte nur das Schlimmste abfedern, begab sich damit aber zwischen die Stühle und schlug sich letztlich aus wirtschaftlicher Abhängigkeit auf die Seite des Vaters. Solches den Täter schützendes Verhalten wird in der Psychologie auch Stockholm-Syndrom genannt. Damit werden auch Mütter zu Anwälten des Teufels gemacht und sie werden auch verteufelt.
Keinen Anwalt haben die Kinder. In der Aussichtslosigkeit ihres Gefängnisses brachten sich übrigens viele Protagonisten der Romantik, insbesondere auch Männer, aus Verzweiflung um.

Mit der Industrialisierung war endgültig Schluss mit der Romantik. Industrie- und Bergbaubarone begannen, die Menschen in völlig neuer Weise zu manipulieren. Beispielhaft nennt die Historikerin Hilde Hoherz den Regierungsassessor Beck, der im Jahre 1869 über die Disziplinierungsabsicht der Bergbehörde referierte:

„Das einzig anwendbare Ansiedlungssystem ist und bleibt nach Ansicht der Königlichen Bergwerksdirektion das des Selbstbaus durch die Bergleute, denn durch kein anderes Mittel werde der Arbeiter mehr an sein künftiges Eigenthum gefesselt, als dadurch, dass man ihm Gelegenheit gebe, dasselbe durch selbstschaffende Thätigkeit zu erwerben. Schon allein der Gedanke, sich selbst einen Wohnsitz gründen zu können, bessere ihn moralisch und rege ihn zur Sparsamkeit, Ordnung und erneuertem Fleiße an.“[1]

„Über die Verschuldung wird der gewünschte Disziplinierungseffekt erreicht“, so Hoherz’ treffliche Analyse. Stets beteiligte sich die Kirche an der Unterordnung der Frau unter den Mann und seine Bedürfnisse. So lesen wir im „Evangelischen Wochenblatt“ von 1891:

„Die Arbeiterfrau muß es verstehen, ein einfaches wohlschmeckendes und zugleich nahrhaftes Essen mit geringen Mitteln zu bereiten (…), soll der Mann die schwere Arbeit auf die Dauer aushalten und nicht in den besten Jahren schon arbeitsunfähig werden.“[2]

Es ging nie um die Bedürfnisse der Kinder. Es ging um das Wohl des Arbeiters und Vaters wie immer schon im Patriarchat. Nicht er trug die Verantwortung für sich selbst, sondern die Ehefrau des Arbeiters und Mutter seiner Kinder. Für die Kinder blieb da keine Zeit. Entsprechend war der Lohn als beiderseitiges Einkommen gedacht:

Das Entgelt, das die Gruben dem Bergmann zahlen, ‘belohnt’ nicht nur seine Arbeit unter Tage oder die Hausarbeit der Frau. Der Lohn ist so konzipiert, dass ‚der durchschnittliche Arbeitslohn auf die Dauer stets nur eben ausreichen kann, davon die notwendigen Lebensbedürfnisse zu bestreiten’, wie Bergassessor Hiltrop 1870 formuliert.[3]

Damit haben wir es schwarz auf weiß. Es war eine generalstabsmäßige Verschwörung der herrschenden Schicht und der Kirche, mit der die Arbeiterschaft geknebelt wurde, und kein zeitdynamisches Geschehen.

Zu allem Übel anerkennt nicht einmal der Ehemann und Vater die Leistung seiner Frau:

„’Meine Familie besteht nur aus mir, meiner Frau und 8 Kindern (). Da ich nun alleiniger Ernährer bin von dieser starken Familie, meine Frau auch wegen neun überstandener Wochenbetten öfters kränklich ist und ihren häuslichen Verpflichtungen nicht mehr so recht nachkommen kann, so bin ich gezwungen, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen. Da ich aber bei den heutigen teuren Verhältnissen trotz Sparsamkeit in der Familie diesen Anforderungen nicht gewachsen bin, meine Tochter aber so kräftig ist, dass dieselbe meine Frau im Hauswesen unterstützen könnte und mir dadurch viel Unkosten erspart bleiben“ beantragt ein Bergmann () 1908 die vorzeitige Entlassung seiner Tochter aus der Volkschule. Er begreift sich selbst als den ‚alleinigen Ernährer’, weil er der einzige in der Familie ist, der für seine Arbeit ein Entgelt erhält.“[4]

Das ist Verrat an der eigenen Familie. Statt für sie mehr Geld zu fordern, um eine Hilfe bezahlen zu können, schlägt er die Ausbeutung seiner Tochter vor. Natürlich würde er mit einer Geldforderung an den Patriarchen der Firma seinen Job riskieren. Dessen Liebe und Verantwortung reicht nicht soweit, dass er dem Arbeiter mehr gibt, ohne dass der auch noch mehr Leistung erbringt. Der Vater glaubt daher aus Liebe zu handeln, wenn er seine Tochter knechtet.

Es ist klar, dass in einem allgemeinen Klima des Drucks und der Überforderung, das bis heute an der Tagesordnung ist, in dem durch sinkende Löhne auch die Frauen ihren monetären Beitrag leisten müssen – besonders wenn man von einem Eigenheim träumt, in dessen Garten die Kinder den ganzen Tag lustig spielen können – kein Zeit-Raum für Kinder bleibt. Entweder verzichten Frauen auf Kinder oder sie geben ihre Kinder in die Kita, wo ihnen der Garten zuhause nichts nützt.

Kleine Kinder sind anarchisch und weitgehend unverbogen. Und das ist auch gut so. Eine Einrichtung und Termindruck können ihnen nicht gerecht werden. Eigentlich ist es sehr einfach, die natürlichen Bedürfnisse der Kinder zu stillen. Es reicht auf das Herz zu hören. Es reicht, nicht eigene liebende und sorgende Gefühle zu unterdrücken. Auch dank einer breiten Aufklärung über Psychologie wissen heute viele wieder, was Kinder brauchen, auch wenn sie es ihnen aus den unterschiedlichsten Gründen nicht immer geben können. Kinder brauchen bedingungslose Liebe und Sicherheit. Die Artgerecht-Bewegung leistet in diesem Sinne wertvolle Aufklärungsarbeit, nach dem Vorbild der Naturvölker und auch nach neuen anthropologischen Erkenntnissen. Liebe und Bindung ist ein ganz wichtiges Thema geworden in einer Gesellschaft, die bedingungslose Liebe nicht kennt und immer liebloser wird.

Wer sich das vor Augen führt und zudem einmal von der Ärztin und Nazi-Erziehungsbuchautorin Johanna Haarer gehört hat, erkennt, dass Mutterschaft bei den Nazis nicht das war, was heute über diese Zeit und den sog. Mutterkult verbreitet wird, und dass Mutterschaft damals keinerlei Ähnlichkeit hatte mit den Idealen, die Mütter heute anstreben. Es ging in der Nazizeit nicht darum, dass die Kinder, letztlich alle Menschen, glücklich sind, es ging schon gar nicht um die Heiligung der Mutter. Im Vollpatriarchat wird allein der Vater geheiligt. Das Heil der Kinder hängt in jeder Beziehung von ihm ab.

Der sog. Mutterkult diente allein der Produktion von Soldaten. Denn die Bevölkerung war plötzlich ungewöhnlich stark dezimiert, und um einen neuen Krieg in kürzester Zeit anzetteln zu können, mussten die wenigen noch mit Partner versehenen Frauen animiert werden, möglichst viele Kinder zu bekommen. Zwar war die Geburten- und Bevölkerungszuwachsrate im 19. Jahrhundert extrem hoch gewesen, weil einerseits eine Frau sich ihrem Mann nicht verweigern durfte, und andererseits die Kindersterblichkeit durch den medizinischen Fortschritt enorm sank. Zwar konnten die Verluste der Kriege im 19. Jahrhundert damit schnell kompensiert werden. Aber als Hitler an die Macht kam, fehlte ein großer Teil der männlichen Bevölkerung durch die Verheerungen des ersten Weltkrieges; 2 Millionen Soldaten waren gestorben.

Der letzte Rest des romantischen Mutterideals wurde von Johanna Haarer beseitigt, denn es war den Zielen im Wege, erstens möglichst viele Kinder in kurzem Abstand zu gebären, und zweitens diese Kinder so früh wie möglich dem gottgleich verehrten Übervater Hitler zu überlassen. Sie propagierte schon ab 1934 mit ihrem Buch „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ die emotionale Kühle gegenüber dem Kind und verteufelte die Mutter-Kind-Bindung.

Sie riet davon ab, das Kind in den ersten 24 Stunden nach der Geburt zu stillen, was fatale Folgen für die Stillfähigkeit so mancher Mutter hatte, und gemeinsam mit ihm in einem Zimmer zu schlafen. Das Baby schreien lassen, galt als gute Pädagogik. In ihrem erschütternden Dokument des Leides der Kriegskinder „Die vergessene Generation“ schreibt die Journalistin Sabine Bode:

„Haarer plädierte in ihrem Ratgeber ständig für ‚Ruhe’, was bedeutete, dass Babys im Wesentlichen sich selbst überlassen bleiben sollten. Gleichzeitig warnte sie vor einem Zuviel an Zärtlichkeit: ‚Vor allem mache sich die ganze Familie zum Grundsatz, sich nie ohne Anlaß mit dem Kinde abzugeben. Das tägliche Bad, das regelmäßige Wickeln des Kindes und Stillen bieten Gelegenheit genug, sich mit ihm zu befassen, ihm Zärtlichkeit und Liebe zu erweisen und mit ihm zu reden. Die Junge Mutter hat dazu natürlich keine Anleitung nötig. Doch hüte sie sich vor allzu lauten und heftigen Bekundungen mütterlicher Gefühle.’“[5]

Mit diesem Rezept in der Hand hätten Mütter nun jubilieren können, endlich viele Kinder ohne jeden Stress aufziehen zu können. Aber das taten sie nicht. Viele Frauen hatten auch gar keine Zeit, Bücher zu lesen. Ab 1938 sah sich Hitler veranlasst, das Mutterkreuz als Anreiz in Aussicht zu stellen. Um es zu bekommen, musste eine Frau mindestens vier lebende, „arische“ und „erbgesunde“ Kinder vorweisen können. Das Mutterkreuz war so begehrt, dass Mütter nun Informationen suchten, wie es leichter zu erlangen sei. Ab 1939 schob Haarer die Bücher „Unsere kleinen Kinder“ und „Mutter, erzähl’ von Adolf Hitler!“ nach.

Mutterkreuz Rueckseite
Mutterkreuz Rückseite. Bildquelle: Wikimedia Commons.

Die Bindung der Mutter zu ihrem Kind zu zerstören, war eine rein auf Soldatenproduktion ausgerichtete Strategie. Die Aussicht, dass junge Männer, die zuhause nur Ablehnung erfuhren, untertänigst beim Führer Halt suchten, war, wie wir heute wissen, Wirklichkeit geworden. Und die Mütter, die von ihren Kindern hausgemachte Rebellion erlebten, so diese sich einen Rest ihrer anarchischen Natur erhalten konnten, ließen sie leichter in den Krieg ziehen.[6]

In der Nazizeit Kind zu sein, war kein Paradies, ganz im Gegenteil. Auch die Mutter war nur eine Gebärmaschine und wurde weder von Kindern noch vom Mann für ihre Leistung gewürdigt, geschweige denn geheiligt. Wer würde auch von Kult sprechen, wenn heute ein Orden für besondere Verdienste ums System verliehen wird! Nicht bald danach wurden Mütter massenhaft in die Fabriken geholt, um Bomben zu bauen.

Mutterkreuzverleihung. Bildquelle: http://www.spiegel.de/fotostrecke/mutterkreuz-verleihung-im-dritten-reich-fotostrecke-114189-10.html
Bildquelle: Fotostrecke zum Artikel „Mutterkult im Nationalsozialismus: Das Schlachtfeld der Frauhttp://www.spiegel.de/fotostrecke/mutterkreuz-verleihung-im-dritten-reich-fotostrecke-114189-10.html

Es bedurfte nur eines kleinen Schrittes zur völligen Entfremdung von Mutter und Kind. In der DDR fand keine echte Aufarbeitung der Nazizeit statt und es wurde nach dem Leerlaufen der Ostzone jede Arbeitskraft gebraucht. Völlig unverblümt, ohne jede pseudopädagogische Argumentation, wurde die Hortbetreuung eingeführt, um die Arbeitskraft der Frau für den Aufbau des „realen Sozialismus“ freizusetzen. Diese Diktatur war, wie jede andere auch, nichts weiter als ein auf die Spitze getriebenes Patriarchat, in dem immer mehr Leistung, noch dazu ohne echte Gegenleistung, gefordert und mit Orden belohnt wurde. Dies sei denen ins Tagebuch geschrieben, die die Hortbetreuung als die einzig segensreiche Errungenschaft der DDR bezeichnen.

In der frühen Bundesrepublik erlebte die Mutterromantik eine kleine Renaissance. In den fünfziger Jahren war die Mutter wieder ganz für die Belange zuhause zuständig, wie einst zu Beginn der Industrialisierung. Die Arbeitskraft der Männer in Wiederaufbau und Wirtschaftswunder sollte nicht durch emanzipierte Mütter geschwächt werden. Mit der 68er-Bewegung, der Frauenbewegung und der Friedensbewegung im Angesicht der Traumatisierungen des Krieges begann ein Nachdenken, wie die Seelen zu heilen seien und eine Wiedererstehung einer untertänigen Gesellschaft zu verhindern sei. Die antiautoritäre Bewegung versuchte sich mit Kinderläden, die ebenfalls nichts anderes als Fremdbetreuung bedeuteten, scheiterten aber mit ihrem Konzept der Erziehung. Die autoritative Erziehung galt seitdem als guter Kompromiss. Dennoch veränderte sich das Verhältnis zu den Kindern immer weiter, hin vor allem zu einem bindungsorientierten Erziehungsstil, bei dem Autorität sich auf natürliche Weise einstellen soll.

Der Leistungsgedanke ist manchen Frauen derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie einer weiteren Indoktrination nicht mehr bedürfen. Sie beharren selbst dann noch auf der Selbstverständlichkeit der Leistungsgesellschaft, wenn ihre Kinder nicht mehr „funktionieren“, das ist zwar die Ausnahme, aber diese Frauen sitzen häufig an den Schalthebeln der Macht. Oftmals haben sie erst gar keine Kinder. In unserer Demokratie müssen sich die Strateginnen und Strategen des Patriarchats viel einfallen lassen, um die Fremdbetreuung in der Gesellschaft wieder als normal zu verankern. Sie müssen argumentieren, um zu überzeugen. Und wenn das nicht gelingt, was immer häufiger der Fall ist, werden andere Saiten aufgezogen. Eine unaufgeklärte Bevölkerung lässt sich am besten mit Angstmache manipulieren. Damit waren schon die abrahamitischen Religionen seit zweieinhalb Jahrtausenden sehr erfolgreich.[7] Jetzt heißt es nicht nur, dass eine Mutter ihrem Kind Schaden zufüge, wenn sie es nicht in eine Einrichtung gibt, sondern es wird ein Klima der politischen Korrektheit geschaffen, nachdem jede andere Meinung als rechtsradikal und frauenfeindlich hingestellt wird. Dabei kennen diejenigen, die die Nazikeule anwenden, die wahren Sachverhalte oft selbst nicht. Meistens sind sie sich nicht bewusst, wie wenig wert ihr Totschlagargument ist, und es wirkt auch nur, wenn auch die Gegenseite nichts Genaues weiß.
Besonders perfide ist, dass der vermeintliche Mutterkult sogar dafür verantwortlich gemacht wird, dass in Deutschland weniger Kinder geboren werden, wie wir es z. B. der WELT (Elisabeth Badinter) und der ZEIT (Annika Joeres) entnehmen können. Hier haben wir es wieder, das Mutterkreuz, wie es ursprünglich gedacht war!

Die Artgerecht-Bewegung erlebt entsprechend einen derben Gegenwind. Insbesondere das Argument, dass Kinder aus Naturvölkern glücklicher seien, wird immer wieder zerlegt, denn es gibt heute viele sog. Naturvölker, die längst gegen die Natur leben. Echte Naturvölker kennt zudem kaum jemand, obwohl sie existieren. Aber wie kann es sein, dass etwas offensichtlich und gefühlsmäßig so völlig Richtiges nicht derart in Worte verpackt werden kann, dass es einsichtig ist? Warum gehen der Artgerecht-Bewegung immer wieder die Argumente aus?
Es mangelt auch hier schlicht an Grundwissen, und zwar über das natürliche Sozialsystem der Spezies Homo Sapiens, aus dem sich alles andere ergibt. Und so passiert es, dass die Bewegung ihre Ziele häufig konterkariert, indem sie die monogame Paarbeziehung als natürlich propagiert und Alleinerziehende aus „organisatorischen Gründen“ aus den Gruppen ausgeschließt.

Dabei hat es in den letzten Jahrzehnten einen wissenschaftlichen Durchbruch gegeben. Wir wissen heute, dass die Menschen der Altsteinzeit genauso wenig mehrere Sozialsysteme leben konnten wie jede andere Tierart auch. Sie konnten nicht zwischen Patriarchat und etwas anderem wählen oder beliebig hin und her wechseln. Patriarchat war nicht die natürliche Lebensweise des Menschen, und wäre es das gewesen, wäre die Menschheit längst ausgestorben, denn die Evolution basiert auf der female choice. Es ist klar geworden, dass alle Menschen von Natur aus nicht patriarchalisch sind, sondern matrifokal. Matrifokalität bewirkt, dass die allgemeine Fürsorge wie auch in der Tierwelt nicht den biologischen Vätern gilt, sondern den Kindern und ihren nächsten Bezugspersonen, allen voran den Müttern.

Unsere permanente Selbstverleugnung schafft all das Elend, das wir täglich in genau den Medien sehen, die die Ursache verschweigen. Hier versagt jeder Journalismus.

Die Unterwerfung der Natur unter das Vater-Prinzip schafft vor allem Überbevölkerung mit all ihren fatalen Folgen. Da hilft keine Pille, kein Kondom, da hilft keine noch so gut gemeinte Entwicklungshilfe. Es hilft nur Aufklärung darüber, warum wir alle matrifokal sind und es nicht sein dürfen. Ohne die Unterdrückung der female choice gibt es kein Patriarchat.

Die Mutter wieder in den Fokus bringen, ist die Wiederherstellung der vor grob 8000 Jahren mit kriminellen Mitteln zerstörten Ordnung, die diesen Namen noch verdiente. Wir alle sind Nachfahren von Entführungsopfern, Vergewaltigungsopfern und Folteropfern. Archäologisch lässt sich das heute bestens belegen. Frauen wurden massenhaft aus ihren mütterlichen Ursprungssippen entführt, ein Verbrechen, dass bis heute als Brautraub auf Hochzeiten nachgespielt wird. Wir alle leiden unter dem Stockholm-Syndrom, das dezidierter auch schon Patriarchose[8] genannt wird. Der Prozess der Patriarchalisierung, nachzuverfolgen am besten bei Gerhard Bott, ist bei weitem noch nicht abgeschlossen und geprägt von aggressivem Vorwärtsdrängen, aber auch Rückschlägen, die nur stattfinden können, weil die Kraft unserer angeborenen Matrifokalität im Untergrund wirkt. Ziel ist die Abschaffung der Mutter, und wer’s nicht glaubt, dem sei mitgeteilt, dass in Japan bereits an Geburtsrobotern geforscht wird und in den USA wurden bereits menschliche Embryonen in Petrischalen gezüchtet. Den „Gott im 9. Monat“ (Uhlmann 2015) gibt es schon in den ältesten, niedergeschrieben Mythen.

Der mit dem Patriarchat installierte Vater hat die vielen anderen männlichen Bezugspersonen verdrängt, die ein Kind natürlicherweise haben könnte, die Brüder, Onkel und Cousins der mütterlichen Linie, die eigentlich zum versorgenden Kontinuum gehören, die ihm auch ähnlich sehen, und deren Liebe viel zu oft zum Verkümmern verurteilt ist. Dass das Kind seinen leiblichen Vater braucht, ist eine handfeste Lüge, es braucht vor allem mehrere männliche Bezugspersonen, wie es auch viele weibliche Bezugspersonen hat. Die Anthropologie nennt das Alloeltern.[9]
Was also können wir jungen Frauen heute raten, die ihre Kinder artgerecht aufwachsen lassen wollen? Doch wieder heiraten und Hausfrau werden, auf Freiheit verzichten? Natürlich nicht! Oder vielleicht eine offene Beziehung mit einem der sog. neuen Männer? Vorsicht Falle! Viele junge Frauen glauben, durch die Bindung des Vaters an das Kind den Partner halten zu können und dem Kind eine sichere Zukunft bieten zu können. Aber Märchenprinzen wird es nie geben. Die Inthronisation des Vaters hat den Müttern sogar den Boden unter den Füßen weggerissen! Finanzielle Hilfe aus ihrer Ursprungsfamilie konnte eine Ehefrau seit Beginn des Patriarchats nicht mehr erwarten. Davon gibt es mittlerweile wieder Ausnahmen, aber diese finanzielle Hilfe ist häufig bitter notwendig, weil die Arbeitsplätze vielfach zu Schleudersitzen geworden sind und ein Gehalt nicht mehr ausreicht.

Früher sprang vor allem die Familie des Vaters mehr oder weniger hilfreich ein, denn die Mutter begab sich mit der Heirat an den Ort der Erwerbstätigkeit des Ehemannes, der beispielsweise in ländlichen Regionen mit dem Bauernhof identisch war, der in männlicher Linie vererbt wurde. Die Patrilinearität führte also auch zu Patrilokalität. Heute wird die Familie des Vaters durch die Mobilität ausgebootet. So wird das Paar isoliert und alle Last liegt auf zwei sich eigentlich fremden Schultern. Die gute Seite der Entwicklung ist das Ende der Patrilokalität. Denn die „mithelfende“ Schwiegermutter nutzte die Schwiegertochter nicht selten aus und handelte oft auch kontraproduktiv, wie wir aus entsprechenden Auswertungen von Kirchenbüchern des 18. und 19. Jahrhunderts wissen[10].

Die Nachteile der Isolation des Paares überwiegen jedoch. Der Mensch ist evolutionär nicht auf eine so große Last vorbereitet. Viele Familien sind nicht nur von Armut bedroht, sondern Frauen und Kinder sind schutzlos der Gewalt des Mannes ausgeliefert, die in der Abgeschlossenheit der Wohnung meist nicht auffällt. Und es muss immer erst etwas passieren, bevor reagiert wird. Kinder werden im Namen des Volkes also einem nicht gerade geringen Risiko ausgesetzt, nur damit Väter ihre leiblichen Kinder kennen und erziehen können.

Wer die female choice kennt, weiß, warum Partnerschaften in einer von Geldsorgen befreiten Gesellschaft nie für die Ewigkeit geschlossen werden. Tatsächlich liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe in die Brüche geht, selbst unter finanziell wenig günstigen Bedingungen, schon jetzt bei rund 50%, Tendenz steigend. Eine Trennung ist also unbedingt als Normalfall anzusehen. Alleinerziehende Mütter können allerdings ein Lied davon singen, wie wenig artgerecht es erst recht danach zugeht!

Alleinerziehende Mütter begreifen, dass sie es selbst waren, die den Mann zum Vater gemacht haben. Sie haben ihn über seine Vaterschaft informiert. Die Familiengesetzgebung ist heute so gestaltet, dass die Vaterschaft doppelt und dreifach abgesichert ist, es ist heute wie damals eine bewusste Strategie, eine Verschwörung gegen die Mutter, ausgelöst von Gender-Feministinnen und angezettelt von Feminismus-Gegnern, den sog. Maskulisten und Vaterrechtlern, die wortwörtlich das Patriarchat retten wollen. Das Gender Mainstreaming gab vor, feministisch zu sein, und hatte dafür gesorgt, dass die Frauen mitverdienen. Viele Frauen wurden damit tatsächlich finanziell unabhängig, dies auf mehr oder weniger niedrigen Niveau, aber zu welchem Preis? Für Kinder bedeutete das in erster Linie eine flächendeckende Fremdbetreuung.

Begleiterscheinung war eine beispiellose Trennungswelle, die bewies, dass die Gesellschaft bisher auf Lügen, Leid und Illusionen aufgebaut war. Damit wurde die Väterlobby auf den Plan gerufen, die nun die Erneuerung des Patriarchates fordert. Mit dem Argument, dass ein Kind seinen Vater, den leiblichen Vater, für sein Heil braucht, hatte das Gender Mainstreaming die Rolle des Anwalts der Teufels übernommen, wie einst Bischof Mixa. Statt Frauen zu befreien, hat es Mütter in die Armut getrieben und an den Vater des Kindes gekettet wie einen Bergarbeiter an sein selbstgebautes Häuschen. Die freigesetzte Arbeitskraft der Frau steht der Wirtschaft nun voll zur Verfügung, diese nimmt sie aber nur widerstrebend an. Nebenbei sind die Löhne allgemein gesunken. Die Politik schafft mit der Kita einen scheinbaren Sachzwang, dem sich alle beugen sollen, gerade die Alleinerziehenden. Auch so sieht strukturelle Gewalt aus.

Wo Mütter sich noch am Riemen reißen, einfach, weil sie es müssen, brechen Väter nicht selten unter der Last zusammen und wehren sich im Trennungsfalle oft gegen jede Zahlungsaufforderung. Es war nicht zielführend, sie über ihre Vaterschaft aufzuklären, weder um sich finanziell noch um sich emotional abzusichern. Den meisten Paaren wird irgendwann bewusst, dass die Familie als Garant für ein glückliches Leben eine Mogelpackung ist. Sie entspricht nicht unserem wahren Selbst und die alltäglichen Probleme stellen eine zusätzliche Zerreißprobe dar. Gutmeinende Richter, die glauben, dass ein getrenntes Paar noch in der Lage sei, nüchtern die Belange der gemeinsamen Kinder zu regeln, unterschätzen die Macht der female choice. Sie unterschätzen die Macht des ihr widerstrebenden männlichen Besitzanspruches und die Macht der bedingungslosen Liebe der Kinder zu ihren Eltern, die auf fatale Weise gepaart ist mit einer anerzogenen Existenzangst, den Vater zu verlieren. Kinder sind daher eher bereit, das Leben bei der Mutter zu opfern. Das Wechselmodell kann daher für niemanden eine gute Lösung sein, sondern ist der denkbar faulste Kompromiss, geschlossen auf dem Rücken der Kinder.

Es gab schon immer Mütter, die den Vater des Kindes nicht benannt haben. Die Kirchenbücher sind voll mit Müttern, die keinen Vater vorweisen konnten, wollten oder durften. Es ist auch ihr Naturrecht, dies zu verweigern. Ironie der Geschichte ist, dass die Namen dieser Mütter immer überliefert sind, die Namen der verheirateten Mütter aber vielfach nicht. Ein Kind zu bekommen, bedeutet im Patriarchat immer Selbstaufgabe der Mutter, zu der immer weniger Frauen bereit sind.
Der erste Gesetzesentwurf, Mütter zur Nennung des Vaters mit Androhung von Gefängnis zu zwingen, wurde bereits auf den Tisch gelegt, vorgestellt von Justizminister Heiko Maas (SPD). Motiviert ist das von maskulistischem Frauen- und Kinderhass, der mit den neuen Vaterschaftstests erst richtig in Fahrt gekommen ist. Wir sind nicht weit von der Scharia entfernt.

Mangelnder finanzieller Rückhalt macht Frauen erpressbar, auch und gerade durch männliche und strukturelle Gewalt. Mit dem neuen Gesetz würden Frauen allein aufgrund ihrer biologischen Fähigkeit, Mutter zu werden, erpressbar. Schlimmer kann Diskriminierung nicht mehr werden. Man stelle sich ein Gesetz vor, dass Männern bei Gefängnisstrafe verbietet ins Leere zu onanieren, und stattdessen vorschreibt, das Produkt in der „Samen“bank abzuliefern, nicht ohne das mit finanziellen Verpflichtungen gegenüber künftigen Kindern und deren Müttern zu verknüpfen.
Natürlich möchte niemand bestehende gute Bindungen zerstören. Die patriarchatskritische Agenda kann daher immer nur künftigen Müttern und Kindern helfen. Das Neugeborene als Körperteil der Mutter zu denken – was es ja auch ist – und es in der mütterlichen Sippe als solches wie selbstverständlich anzunehmen, ganz egal, welchen Vater es hat, ist nicht nur natürlich, sondern der einzige Weg aus der Mütterfalle.

Das bedingungslose Grundeinkommen oder gar das Müttergehalt können eine Übergangslösung sein. Wenn viele Mütter und deren Angehörige ihre Töchter darin unterstützen, ihre Kinder ohne die Väter großzuziehen, wird nicht die Welt untergehen, sondern es werden sich in kürzester Zeit matrifokale Sippen bilden, die eine Wirtschaftsgemeinschaft bilden, die wesentlich handlungsfähiger ist als die Kleinfamilie (was das Patriarchat ja auch, wie es zu beweisen war, zu unterbinden sucht). Das Geld, das alle weiblichen wie männlichen Sippenmitglieder verdienen, wird geteilt werden, so wie einst Eheleute das Geld gemeinsam verbrauchten, die wie gesagt zwei eigentlich fremde Personen sind, was spätestens bei der Trennung wieder bewusst wird. In der Sippe wird die finanzielle Belastung auf wesentlich mehr Schultern verteilt sein.

Nach Abschluss dieses Wandels in der gesamten Bevölkerung sollte sich bei den Männern ein Bewusstseinswandel vollzogen haben. Unter Matrifokalität können leibliche Väter auch Kontakt zu ihren Kindern herstellen, sofern es die Mutter zulässt, sie können daraus aber keine dauerhaften Rechte ableiteten. Unter matrifokaler Ordnung muss niemand mehr darauf verzichten, berufstätig zu sein und auch nicht, mit Kindern zusammenzuleben. Auch queersexuelle Menschen werden täglich mit ihren Neffen und Nichten liebevollen Umgang pflegen können und Isolation und Diskriminierung wird für sie ein Fremdwort sein. Unter Matrifokalität wird auch niemand dazu genötigt, Kinder zu bekommen. Trennungskinder wird es nicht mehr geben, denn die Blutsbande sind nur durch den Tod lösbar.
Die Abgabe des Privilegs der Vaterschaft, das Männer sich einst gewaltsam genommen haben, wird sich positiv auf die Umwelt auswirken, weil ein grundlegender Wertewandel stattfindet, mit dem die Ausbeutung von Mutter Natur und die Gewalt geächtet wird. Ein Neustart ist längst überfällig, denn wir können uns das Privileg des Vaters nicht mehr lange leisten. 8000 Jahre lang haben wir versucht, so zurecht zukommen und sind gescheitert. Das einzusehen ist so schmerzhaft wie befreiend.

Mein Dank gilt Anne Busch für das Lektorat und viele wertvolle Anregungen.

Anmerkungen:

[1] Paraphrasiert und zitiert nach Hoherz, Hilde: „… die Arbeitskraft der Frau verwerten, ohne sie der eigenen Haushaltung und der Kindererziehung zu entziehen.“ – Frauenarbeit im Konzept der Industriealisierung am Beispiel des preußischen Saarkohlereviers. S. 16. In: Saarpfalz. Blätter für Geschichte und Volkskunde. Sonderheft 1991. Frau und Geschichte. Beiträge zur verkannten und verdrängten Wirklichkeit von Frauen. 15-28

[2] Evangelisches Wochenblatt, Nr. 14, 5.4.1891, S. 106, zitiert nach Hoherz, Hilde 1991

[3] Hoherz 1991, S. 17.

[4] ibid. S. 15.

[5] Bode, Sabine: Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen. 30. Aufl., Stuttgart 2016, S. 152.

[6] Dank an Anne Busch.

[7] Vgl. Mulack, Christa: Gewalt im Namen Gottes. Ursachen und Hintergründe im biblischen Monotheismus. Marburg 2016

[8] Nach Dagmar Margotsdotter-Fricke.

[9] Vgl. Blaffer Hrdy, Sarah: Mütter und andere. Wie die Evolution uns zu sozialen Wesen gemacht hat. Berlin 2010.

[10] Vgl. Breise, Jan; Voland, Eckart: Warum gibt es Großmütter? In: Spektrum der Wissenschaft 1|2003. S. 48-53.

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