Von den Mosuo lernen – Wie frau sich aus dem Patriarchat befreien kann

Die ersten westlichen Ostasienwissenschaftler, die Kenntnis von der Ethnie der Mosuo (oder Moso) bekamen, waren Jaques Barnot und Edouard Chavannes, und zwar über ein Dokument, das die angebliche „Genealogie der Könige der Mosuo“ enthielt. Die beiden Männer wussten jedoch nicht, dass die Mosuo matrilinear lebten. Es stellte sich daher erst später heraus, dass es sich lediglich um die Königsliste der Feudalherren der Naxi (oder Na-khi) handelte.[1] Der Jahrhunderte alten chinesischen Lehrmeinung zufolge gehören die Mosuo in Yongning zum Volk der Naxi in Lijiang auf der anderen Seite des Flusses Yangtse, und beide werden daher von den Chinesen Mosuo genannt. So kam Barnots und Chavannes Irrtum zustande. Die Mosuo-Angehörige Yang Erche Namu fand dies u.a. heraus, als sie ihre Doktorarbeit schrieb, um die Ursprünge ihres Volkes zu erhellen.
Wie sie berichtet, ist jedoch der amerkanische Botaniker Joseph Rock bei den Mosuo beinahe legendär geworden, als er in den Jahren nach 1922 Forschungsreisen in ihr Gebiet unternahm und dabei gute Bekanntschaft mit ihnen machte.[2] Durch seine in erster Linie botanischen Abhandlungen wurden die Mosuo auch in der westlichen Ethnologie bekannter. Einem breiten europäischen Publikum wurden sie jedoch erst durch die Matriarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth, die 1993 zu den Mosuo reiste, sowie durch die Filmemacherinnen Uschi Madeisky, Daniela Parr, Dagmar Margotsdotter-Fricke gegenwärtig[3]. Sie veranstalten auch öffentliche Kongresse, zu denen Angehörige der Mosuo nach Europa kommen.

Mosuo girls
Mosuo-Frauen. Bild: wikimedia commons

Die Mosuo und die Naxi, die seit dem 7. Jh. in chinesischen Chroniken auftauchen, sollen aus der Mongolei stammen.[4] Yang Erche Namu ist zwar von dieser These ebenfalls überzeugt, meint aber aufgrund der unterschiedlichen Sprachen, Kleidung und Ernährungsweise, dass beide Volksgruppen eine eigene Herkunftsgeschichte haben:

„Zu beiden Ufern des Yangtse führten die Feudalherren ihre Abstammung auf einen Armeeoffizier zurück, den angeblich Kublai Khan[5] bei seiner Eroberung Chinas zurückgelassen hatte. Aber abgesehen von dem gemeinsam erhobenen Anspruch auf ferne mongolische Vorfahren unterscheiden sich die Genealogien der Moso- und Naxi-Herrscher vollständig. So weist der Stammbaum der Herren von Lijiang eine durchgängige Erbfolge vom Vater auf den Sohn auf, während die Genealogie der Feudalherren von Yongning darauf hindeutet, dass die Moso-Herrscher ihre Stellung auf matrilinearem Weg vererbten, vom Onkel auf den Neffen, und zwar bis zum 18. Jahrhundert, als durch kaiserliches Edikt das Erstgeburtsrecht und die patrilineare Erbfolge eingeführt wurden. Und das ist sehr interessant, nicht nur weil diese Genealogien die Moso und Naxi grundsätzlich unterscheiden, sondern auch weil sie darauf hinweisen, dass die alte Moso-Elite ihre edle Abstammung nicht nur bei den Mongolen zu suchen hat.“[6]

Wie sie auch mitteilt, wurden die Feudal-Bezirke 1381 von der Ming-Dynastie geteilt.[7]
Zahlreiche Eigenarten, die Yang Erche Namu in ihrer Biographie beschreibt, sprechen für die mongolische Herkunft. Das Yak spielt in der Wirtschaftsweise eine große Rolle, und sie bauen nicht nur Häuser aus Holz, sondern auch Zelte aus Yak-Leder, die genau so aussehen wie die Yurten der Monoglei.[8] Die Frauen verlängern ihr Haar mit Yak-Schwänzen und reiben es mit Yak-Butter ein.[9] Weiterlesen „Von den Mosuo lernen – Wie frau sich aus dem Patriarchat befreien kann“

Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann

“Matriarchale Gesellschaften“ ist ein Begriff, der uns oft begegnet, wenn eigentlich von Matrifokalität, unserem angeborenen Sozialverhalten, gesprochen wird oder von indigenen Ethnien, deren kulturelles Alltagsgeschehen noch im matrifokalem Kontext stattfindet. Von „matriarchalen Gesellschaften“ wird aber auch gern gesprochen, wenn die oberste Gottheit eine Göttin war oder ist und die Frauen „selbstbewusst“ und „emanzipiert“ gewesen sein sollen. „Matriarchale Gesellschaften“ seien egalitär und friedlich und manchmal stünde eine Königin oder sogar ein König an ihrer Spitze, die ihre Untertanen weise regierten.

Die führende Mariarchatsforscherin Heide Göttner-Abendroth setzt der Definition von Matriarchat als „Herrschaft der Mütter“ eine eigene dagegen:

Die begriffliche Verwirrung geht auf die scheinbare Parallele der Begriffe ‚Patriarchat’ und ‚Matriarchat’ zurück. Doch der Schein trügt! In sprachlicher Hinsicht muss man keineswegs der üblichen, vorurteilshaften Übersetzung des Begriffs als ‚Herrschaft der Mütter’ folgen. Das griechische Wort ‚arché’ hat nämlich eine doppelte Bedeutung und heißt sowohl ‚Anfang’ als auch ‚Herrschaft’. Der Begriff ‚Matriarchat’ bedeutet daher korrekt übersetzt ‚am Anfang die Mütter’, und das trifft die Sache. Im Falle der patriarchalen Gesellschaftsform ist hingegen die Übersetzung mit ‚Herrschaft der Väter/Männer’ zutreffend.[1]

Auf diese Weise erfährt man jedoch nicht, dass es der niederländische Rechtsethnologe George Alexander Wilken war, der die Bezeichnung Matriarchat 1884 einführte. In seinem Buch Das Matriarchat (Das Mutterrecht) bei den alten Arabern schrieb er:

„Die Frage nach einem ursprünglichen Matriarchat (Mutterrecht) hat in letzter Zeit die Aufmerksamkeit Vieler auf sich gelenkt. Man weiß, was darunter verstanden werden muss. Das Matriarchat ist die Verwandtschaft durch die Mutter, wie das Patriarchat (Vaterrecht) die durch den Vater ist; bei jenem wird die Abstammung ausschließlich in der weiblichen, bei diesem in der männlichen Linie verfolgt. Von diesen beiden ist die mütterliche Verwandtschaft die am meisten ursprüngliche. Man könnte behaupten, dass sie einer der Phasen ist, welche das Familienleben überall in seiner Entwicklung durchlaufen hat.“[2]

Wilken sagte damit, dass ein Matriarchat ein umgedrehtes Patriarchat sei, dies, weil er nicht verstanden hatte, dass Patrilinearität („männliche Linie“) nicht einfach der natürliche Gegenpart zur Matrilinearität („weibliche Linie“) ist. Denn Matrilinearität ist die unmittelbare Folge der angeborenen Matrilokalität (Kinder bleiben bei der Mutter) unserer Spezies. Männer stellten eine kulturelle Ideologie von Patrilinearität dagegen. Und nur wenn sie zusätzlich Patrilokalität (Kinder müssen beim Vater wohnen) erzwingen, wird aus der Idee auch eine stabile Realität. Zwar bezieht Wilken sich in der Tat auf den Ursprung, aber er setzt den Begriff mit Bachofens „Mutterrecht“ gleich und schafft damit die Grundlage für die Begriffsverwirrung und angeblich „scheinbare Parallele“. Denn schon bei Bachofen haben wir die Verknüpfung von Recht und Herrschaft.
Der Patriarchatsforscher Gerhard Bott schrieb dazu in der Antwort auf einen Leserinnenbrief, nach dem Bachofen deutlich gemacht habe, dass aus „dem gebärenden Muttertum“ eben nicht „Weiberherrschaft“ aufsteige, sondern „die allgemeine Brüderlichkeit aller Menschen, deren Bewusstsein und Anerkennung mit der Ausbildung der Paternität untergehe“, (sie zitiert Bachofen, 1954, S. 89) das Folgende:

Das ‚Mutterrecht’ ist für Bachofen immer grausam und negativ. (…) Aus Bachofens ‚Mutterrecht‚ geht (…) eindeutig hervor, dass er immer dann, wenn er vom MutterTUM spricht, nicht etwa die fürchterliche Zeit des MutterRECHTS meint, sondern die ‚befriedete Zeit, nach der ‚Versöhnungder Frauen mit dem Primat der Männer. Er bezieht sich damit auf jene ‚gute‘ Zeit, die nach dem Ende des Mutterrechts, der Gynaikokratie oder ‚Weiberherrschaft, ihren Anfang nahm, und zwar durch die ‚Versöhnung’ der Frau mit dem Mann. Erst in der vaterrechtlichen monogamen Ehe, in der sich die Frau dem Mann ‚lustvoll’. unterordnet, wurde das ‚Durchdringen’ der Frau zum ‚Muttertum’ möglich. Das ‚Mutterrecht’, hingegen stellt Bachofen durchgehend als negativen ZERR-Spiegel des ‚Vaterrechts‚, des Patriarchats, dar.[3]

Schon Bachofens Begriff der Brüderlichkeit hätte aufmerken lassen müssen, dass da etwas grundsätzlich nicht stimmig ist. Weiterlesen „Gibt oder gab es matriarchale Gesellschaften? Eine notwendige Stellungnahme von Stephanie Gogolin und Gabriele Uhlmann“

Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*

Das Interview von Felix Hütten von der Süddeutschen Zeitung Online „‚Wir waren alle mal schwarz'“ mit dem Untertitel „Der Zoologe Martin Fischer und der Paläogenetiker Johannes Krause erklären, wieso es keine menschlichen ‚Rassen‘ gibt – und warum die Angst vor einer ‚Überfremdung‘ falsch ist“ (vom 24.11.2019) war Anlass, mich in einem Sozialen Medium zu diesem brisanten Thema zu äußern. Erstaunlicherweise gab es diesmal keinen Shitstorm, keine negativen Reaktion oder nur Lach- oder Wut-Smilies, wie ich es sonst gewohnt bin. Es gab gar keine Reaktionen; hatte ich die Leute schlichtweg sprachlos gemacht?

Was ich geschrieben hatte: „Natürlich haben wir unterschiedliche Gene, die Afrikaner haben keinen Neanderthaler-Anteil [1], den Europäern fehlt das Denisova-Gen. Den Männern fehlen ca. 1000 Gene auf dem Y-Chromosom, usw. usw..
Aber das ist auch egal, denn wir teilen dasselbe angeborene Sozialverhalten, die MATRIFOKALITÄT. Das hat in der Urgeschichte dafür gesorgt, dass wir uns friedlich vermischten! Denn Matrifokalität macht neugierig auf Menschen mit anderen Genen, das ist evolutionär durch die sexuelle Selektion (Darwin),
auch Female Choice genannt, abgesichert und dient auf natürliche Weise der Gesunderhaltung des Genpools.
RASSEN beschreiben keine natürlichen Unterschiede, sondern sind ZUCHTMERKMALE. Aber leider auch wir Menschen haben inzwischen Rassen, und zwar seit ca. 8000 Jahren, es sind die patrilinearen STÄMME: Erst durch das gewaltsam installierte PATRIARCHAT kam die Idee der Rasse auf. Und zwar in dem Moment, wo Männer in der Steppe begannen Tiere zu züchten, indem sie weibliche Tiere festbanden und zuließen, dass ausgesuchte männliche Tiere sie vergewaltigten. Damit produzierten sie eine Überbevölkerung der Tiere, wodurch sie zu Kapitalisten wurden (Caput=Kopf), und auch der Menschheit, die sie versklavten:
Dieses viehnomadische Vorbild wenden Männer bis heute an, gestützt von viehnomadischen Vater-Religionen, in dem noch der Großvater Einfluss auf die genetische Zusammensetzung seiner Enkelkinder nimmt, indem er seine Tochter zwangsverheiratet, oder sie so erzieht (das Wort Erziehung stammt von Zucht ab), dass sie „freiwillig“ nach seinem Willen handelt. Die Töchter haben sich wählen zu lassen, von Söhnen anderer Männer, die „standesgemäß“ sind. Dies alles ist menschliche Zucht, die zu Stämmen führte. Die Rassenlehre treibt das Patriarchat natürlich auf die Spitze, indem bewusst nur innerhalb der Ethnie/des Stammes geheiratet werden darf.
Wenn wir uns ansehen, wie das Patriarchat entstanden ist (siehe Marburger Vortrag unten), dann ist es nachvollziehbar, dass Menschen panische Angst vor Einwanderung haben. Denn in der Zeit der Entstehung des Patriarchats war das immer mit Mord und Totschlag zum Zwecke der Vergewaltigung und Entführung der Frauen verbunden (wiss. Nachweise im Vortrag). Diese Angst sitzt tief, vermutlich ist sie epigenetisch verankert worden.
Aber die Angst ist auch immer noch nicht völlig unberechtigt, weil immer noch überwiegend Männer einwandern, und zwar aus Ländern mit einer extrem frauenfeindlichen Mentalität.
Unsere feministischen Errungenschaften werden plötzlich wieder infrage gestellt, wenn z.B. Schulleiter Mädchen verbieten, Röcke zu tragen, damit sie die männlichen Mitschüler nicht reizen, oder wenn das Kopftuch bei Kindern erlaubt bleibt und das Gesetz sogar Polygamie zulässt. Dazu kommt der patriarchale Backlash aus den eigenen Reihen: Politikerinnen, die Gesetze verabschieden, die alleinerziehende Mütter und deren Kinder aushungern und auch an den Kindsvater fesseln, selbst, wenn er gewalttätig ist oder keinen Cent bezahlt. Alles Gesetze, die sicherlich auch bei den eingebürgerten Migranten Applaus bekommen, und daher zunehmend unterstützt werden.
Das zu kritisieren ist kein Rassismus, sondern radikale Patriarchatskritik. Einwanderung kann bereichern, aber auch genau das Gegenteil bewirken, denn Menschen egal welcher Couleur sind im Patriarchat Träger von Ideologien. Das mussten die Indianer erleben, aber auch die europäische Bevölkerung, die Amerika überrollte und die schon Jahrtausende zuvor selbst mit der Patriarchose infiziert wurde. Das mussten sogar die Menschen der heute arabischen Welt erleben, denn auch sie waren einmal nicht patriarchal.“

Zu diesem Statement postete ich meinen auf meiner Homepage veröffentlichten Vortrag „Explosion und Expansion. Wie Vatermacht die Welt unterjocht.“ sowie den schon länger auf der WAHRSCHEINKONTROLLE verlinkten Artikel „Gibt es menschliche Rassen“ der FAZ.

Erst nach einem Tag machte eine gewisse „Bibi Blacksberg“ ein Herzchen unter den Post. Dann weiter Schweigen. Des Rätsels Lösung war, dass mein Kommentar verborgen, also von der Süddeutschen Zeitung zensiert wurde.

Rassismus und Diskriminierung hat viele offensichtliche Gesichter und das muss hier nicht wiederholt werden. Aber wir müssen den Rassisten den Wind aus den Segeln nehmen, denn deren Haltung und Argumentation ist menschenverachtend und basiert auf falschen evolutionären Annahmen. Die Female choice ist Rassisten gänzlich unbekannt. So hat es absolut nichts mit Epigenetik zu tun, wenn Neonazis Angst haben, dass Ausländer ihnen die Frauen wegnehmen könnten, als wären die Frauen irgend jemandes Besitz! Das ist in der Tat reinster Rassismus. Es ist erfreulich, dass sich Wissenschaftler zu der fatalen Idee der Rasse äußern.
Mir fällt aber auf, dass keinem Wissenschaftler wirklich bewusst ist, dass wir Menschen uns selber züchten. Nicht nur Nazis wollen Menschen züchten. Ganz normale Bürger beteiligen sich sogar aktiv daran, ohne es zu wollen: Weiterlesen „Gibt es menschliche Rassen? Von Zeugung, Erziehung, Zucht und Züchtigung.*“

Intervallfasten, die Steinzeit und die „Steinzeitlogik“ der Ernährungsmedizin

Das Intervallfasten wird immer beliebter und ist mittlerweile in öffentlich-rechtlichen Medien die meist beworbene Diät. Die Methode ist denkbar einfach und kostet nichts.
Beim sog. Intermittierenden Fasten, wie es in der Fachsprache heißt, gibt es zwei Ansätze:
1. Wir fasten 24 Stunden lang, und danach dürfen wir 24 Stunden alles essen.
2. Wir fasten innerhalb eines Tages 16 Stunden lang und dann dürfen wir 8 Stunden lang schlemmen.

Ich habe es nicht ausprobiert, aber es soll tatsächlich wirken. Warum das funktioniert, ist dem Durchschnittsmenschen auch durchaus einleuchtend, denn es wird mit unserem steinzeitlichen Erbe erklärt. Kaum eine Doku über das Fasten kommt dabei ohne Zeichentrickfilme aus, in denen wir Steinzeitmänner sehen, die ein Mammut erlegen, es am Lagerfeuer vor der Höhle vertilgen, und dann in den nächsten Tagen hungern, weil alle anderen Mammuts weggerannt sind.



2 Stills aus „Trend: Mehr als eine Diät? Abnehmen durch Intervallfasten | Gut zu wissen“ (Bildzitate: Quelle)

Ein beispielhafter Text dazu lautet: „Unser Körper ist für längere Hungerperioden gerüstet. Unsere Vorfahren waren z.B. auf der Jagd, hatten ein Tier erlegt und ausgiebig gegessen. Dabei dauerte es manchmal Tage, bis sie wieder Jagdglück hatten. Die längeren Essenspausen regen dabei zur Mobilisierung von Reserven an.“[1]

Im Video befindet sich der Zeichentrick ab der 3. Minute. (Quelle Bayerischer Rundfunk veröffentlicht auf Youtube am 8.1.2019)

Eigentlich, so wundere ich mich, hat doch die Steinzeit ein denkbar schlechtes Image: hoffnungslos rückständig, ohne die Segnungen der Schulmedizin, geringe Lebenserwartung, anstrengend, gefährlich. “Keiner will zurück in die Steinzeit mit ihren harten Lebensbedingungen, ihren Gefahren, ihren tödlichen Infektionen[2], so das Bekenntnis in den Medien.
Jetzt auf einmal scheint es aber so, als habe uns die Natur in der Steinzeit mit einem Supertrick ausgestattet, mit dem allein wir die Steinzeit überlebt haben: Das Körperfett!

Plötzlich reden also alle davon, dass wir uns artgemäß ernähren sollen; auch die sog. Paläo-Diät, eine sehr fleisch- und fettlastige Diät, gehört zu diesem Phänomen.
Aber gleich unser ganzes Leben auf „artgemäß“ umstellen, sollen wir bitte schön nicht! Unser angeborenes Sozialverhalten, das uns einst so erfolgreich machte, wird als „verfluchtes Erbe“ und „gefährliche Ideologie“ verteufelt, als wäre die Steinzeit das Problem und nicht unsere heutige Lebensweise im Patriarchat!

Steinzeit-Bashing gehört zum „guten Ton“. Für viele Feministinnen ist die Steinzeit ein ganz rotes Tuch: Das „Steinzeitpatriarchat“ ist fast schon sprichwörtlich. Das ist ihrer Definition nach ein Patriarchat, in dem die Mutter dem Ehemann die Hausschuhe vorwärmt, auf die Kinder aufpasst und vor allem am Herd steht. Die Leute glauben tatsächlich überwiegend, dass die Steinzeit erzpatriarchal gewesen sei, wegen der Jagd, und weil die Männer die Frauen mit der Keule bewusstlos geschlagen und dann an den Haaren hinter sich hergezogen haben sollen. Das scheint ja auch plausibel, denn vor der Erfindung des Intervallfastens durfte sich allein der moderne Mann „steinzeitlich“ ausleben und zwar im Garten und auf dem Balkon. Der Mann, der Jäger, der Ernährer, das Oberhaupt der Steinzeit-Familie und der Superheld am Grill!
Wie also kann es dann sein, dass die steinzeitlichen Frauen – wenn es sie überhaupt gab, was leider auch nicht selbstverständlich ist – immer nur gekocht haben, wo doch alle schon vom Grillen satt waren? Weiterlesen „Intervallfasten, die Steinzeit und die „Steinzeitlogik“ der Ernährungsmedizin“

Gar nicht einfach. Die Vaterschaft als Erklärung für alle menschengemachten Probleme.

Die Existenz des Patriarchats zu erkennen, ist das eine. Nicht nur Frauen rund um den Erdball leiden. Aber nur die mutigsten unter den Frauen haben ihre Stimme erhoben und seitdem hat sich zumindest in der westlich geprägten Welt einiges verändert. Der Ruf nach Gleichberechtigung wird immer öfter laut und oft auch gehört. Der Wille scheint da zu sein. Jungen Frauen wird nun vermittelt, die Welt stünde ihnen offen. Wir erleben trotzdem gerade einen gewalttätigen Backlash, der vielen ein Rätsel ist: Von Gewalt und Bedrohung durch Armut sind auch berufstätige und gebildete Frauen betroffen, insbesondere die häusliche Gewalt nimmt zu.

Eigenes Geld zu haben, das hielten Frauen für den Inbegriff der Freiheit. Bildung und finanzielle Gleichstellung galt als Königsweg aus dem Patriarchat. Es war ein Irrtum. Denn beides sind nur Zugeständnisse, die nicht nur jederzeit zurückgenommen werden können, sondern auch nicht am Fundament des Patriarchats rütteln. Das haben viele westliche Männer mittlerweile erleichtert wahrgenommen und der Widerstand gegen den Mainstream-Feminismus schwindet. Jubel und Bewunderung sind ihnen sicher, wenn sie Freiheit und Gerechtigkeit für Frauen fordern und sich sogar als Feministen bezeichnen. Die Sache ist weniger heldenhaft als sie aussieht. Jeder noch so liebe Ehemann oder Vater ist kraft des Gesetzes ein Patriarch. Erst die Trennung von der Mutter der gemeinsamen Kinder oder ihre „Untreue“ wird zur Nagelprobe für ihn und seine hehren Verlautbarungen.

Männer profitieren nun also ganz erheblich von der Berufstätigkeit der Frau. Die angebliche Befreiung der Frau ist im Grunde eine Befreiung der Männer von der finanziellen Verantwortung als Partner, Ehemann und Vater, die eigentlich von ihnen getragen werden muss, da sie die Macht gar nicht aus den Händen gegeben haben! Schon die sog. Sexuelle Befreiung hatte sich bald als Mogelpackung erwiesen. An der Gewalt der Männer hat sich trotz aller Maßnahmen nichts zum Guten geändert.

Mit Gewalt meine ich die Gewalt des Gesetzes, die tätliche Gewalt und die Gewalt des Normalen, die normative Gewalt. Ein Mann, der nicht gewalttätig ist, hat immer noch die Gewalt des Gesetzes und die öffentliche Meinung hinter sich. Allein die pure Möglichkeit, dass Männer in diesem System leicht Gewalt ausüben können, macht Frauen gefügig.

Auch sexistische Männer üben nicht einfach eine diffuse Macht aus. Sie geben der Frau unmissverständlich zu verstehen, dass ihr Körper dem Mann allein zu gehören hat. Vielen ist aber schleierhaft, warum Männer Macht ausüben wollen. Es gibt dafür nur eine Erklärung, und das ist nicht die Machtgier, denn auch sie hat immer einen Grund: Jeder Mann braucht die Macht über den Körper der Frau, um seine Vaterschaft ausüben zu können. Das Wissen um diese Ohnmacht, die es in Wirklichkeit ist, macht ihn aggressiv, denn es wird von ihm erwartet, dass er das Patriarchat fortführt, und wenn er es nicht tut, droht ihm Isolation.

Diese Aggression ist ihm nicht angeboren, sondern vom Patriarchat verursacht. Daher wird männliche Gewalt oft entschuldigt und legitimiert, auch vor Gericht; anders ergeht es den Frauen:

„Der in der Rechtsprechung in sein Gegenteil verkehrte Begriff der Wehrlosigkeit ermöglicht das Paradoxon, daß Frauen, die von den partnerschaftlichen Kräfteverhältnissen her an sich unterlegen sind, auch dann wegen Mordes verurteilt werden können, wenn sie aus einer notwehrähnlichen Situation heraus töten. Dagegen macht es die Rechtsprechung mit ihrer derzeitigen Auslegung den Männern fast unmöglich, ihre Frauen heimtückisch zu töten. Tatsächlich konnten alle weiblichen Opfer nur unter Ausnützung ihrer Wehrlosigkeit getötet werden, versteht man die Ausnutzung von Macht und Abhängigkeit als „Heimtücke“. Auch hier zeigt sich wieder: zweierlei Recht für zweierlei Geschlecht!“

(Junger, Ilka: Geschlechtsspezifische Rechtsprechung beim Mordmerkmal Heimtücke, In: STREIT. Feministische Rechtszeitschrift, Heft 2/1984, S. 42; zitiert nach Wolters 2018, S. 18)

Es muss nicht erst so weit kommen. Frauen in jeder Lebenssituation kämpfen gegen Ungerechtigkeit, Gewalt, Minderbezahlung und Altersarmut, aber insbesondere Müttern geht es schlechter als noch vor 30 Jahren. Nie waren sie seitdem unfreier. Nicht einmal in vorindustrieller Zeit war eine alleinerziehende Mutter an den Kindsvater gekettet, heute ist das aber so.

Was in der Schule nicht gelehrt wird, was Eltern auch nicht wissen, was in den Medien kaum ein Thema ist, was daher kaum eine junge Frau weiß und worüber sie auch bei der Unterschrift unter den Ehekontrakt nicht explizit aufgeklärt wird – was dort nicht einmal im Kleingedruckten steht –, das sind die neuen Familiengesetze.

Nicht zu heiraten war bis vor einigen Jahren für Mütter die Rückversicherung, ein Kind ohne Vater großziehen zu dürfen. Mittlerweile ist es egal, ob sie heiratet oder nicht, was das Sorge- und Umgangsrecht angeht. Um es auf eine einfache Formel zu bringen: Väter haben nun alle Rechte, müssen dafür aber nichts mehr zahlen.

Sicher, die Ehe diente von Beginn an der Unterdrückung der Mutter, aber eben nur der legitimen Mutter. Seitdem die sog. Illegitimität eines Kindes abgeschafft wurde, glauben immer mehr junge Mütter, nicht mehr heiraten zu müssen und halten das für einen feministischen Akt. Damit bringen sie sich nun um Vergünstigungen und die Absicherung des Alters, Geld, das ihnen eigentlich zusteht, denn der Vater profitiert ganz erheblich von der Lebensleistung einer Mutter, dies weit mehr als umgekehrt: Ohne sie könnte er nicht mit seinen Kindern leben, während eine Frau theoretisch auch ohne Partner Mutter sein kann. Nebenbei leistet ihm die treue Partnerin sexuelle Dienste und viele andere Annehmlichkeiten.

Das Ehegattingsplitting steht auf dem Prüfstand, aber das Rentenproblem bleibt, und verschärft sich sogar noch, denn schon jetzt ist die Rente ungerecht verteilt: In der Ehe verdientes Geld wird gemeinsam versteuert, aber was die Rente angeht, gilt das auf einmal nicht mehr. Wenn der in der Regel mehr verdienende Mann seine Frau überlebt, bezieht er weiter eine relativ hohe Rente, aber wenn sie ihn überlebt, wird sie mit einer kümmerlichen Witwenrente abgespeist. Einst sollte dies verhindern, dass sie ihren Mann umbringt und mit seiner Rente ein „lustiges Leben“ führt. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Überwiegend Männer ermorden ihre Partnerin.

„Ich bin für Gleichberechtigung, aber alles hat seine Grenzen“ sagte neulich ein Mann in den Sozialen Medien. Ja, Männer setzen absurde Grenzen, nicht Frauen. Weibliche Grenzen werden ungefragt überschritten, denn ihr Körper und alles, was aus ihr geboren wird, soll dem Mann gehören. Die Abgabe dieses und anderer Privilegien löst bei den Männern Angst aus, und zwar vor dem Gespenst eines Matriarchats, einer Frauenherrschaft. Männer haben Angst vor dem Echo. Alle Frauen leben ja vor, wie furchtbar es ist, beherrscht zu werden. Statt aber daraus abzuleiten, dass Frauen anständig zu behandeln sind, schützen Männer nur sich selbst vor dem Gespenst, das es selbst in vorpatriarchaler Zeit nicht gegeben hat.

Es ist ein selten dummer Kurzschluss, der nachfolgenden Generationen Schaden zufügt. Denn im Patriarchat werden alle Männer von leidenden Frauen geboren. Schon im Mutterleib leiden auch männliche Kinder, und zwar nachhaltig über die Epigenetik, und wenn sie geboren werden, leiden sie unter der mehr oder weniger sichtbaren Herrschaft ihres Vaters und der von Vater Staat, aber auch nicht selten unter einer Mutter, die mit dem Vater oder dem patriarchalen System kooperieren muss, statt, dass sie ihr Kind davor beschützen kann. Insbesondere von Söhnen erwarten Väter mehr oder weniger bewusst, dass sie in ihre Fußstapfen treten oder es sogar noch besser machen. Selbst das weitere Umfeld erwartet nun vom Sohn, dass er es dem Vater zumindest gleich tut. Wenn nicht, gibt es Gerede. Insbesondere bei Söhnen berühmter Männer kennen wir das. Diese in der Kindheit erworbenen Verletzungen können im Patriarchat nicht geheilt, sondern höchstens kompensiert werden und sie sind für den überall grassierenden Narzissmus verantwortlich. Männer suchen dafür die Schuld bei der Mutter – das Wesen, von dem sie unter natürlichen Bedingungen Schutz erwarten könnten. Diese Täter-Opfer-Umkehr wird zum zentralen Verhaltenskodex des Patriarchats und mündet in einer generationenübergreifenden Männersolidarität gegen Frauen. Frauenfeindlichkeit ist automatisch jedem patriarchal sozialisierten Mann anerzogen, mehr oder weniger. Es ist seine Aufgabe, das zu erkennen und zu therapieren.

Weiterlesen „Gar nicht einfach. Die Vaterschaft als Erklärung für alle menschengemachten Probleme.“

Ein Akt tiefster Frauenverachtung. Der vorgeburtliche Missbrauch des He Jiankui und die Bewertung durch sog. Ethik-Experten

Nun ist es passiert, nicht unerwartet, aber unerwartet schnell. In der Tat, die Wirklichkeit des Patriarchats ist immer noch schlimmer, als es sich anständige Menschen ausdenken können. Crispr/Cas9, das Genom-Editier-Werkzeug, auch Gen-Schere genannt, wird im ersten Menschenversuch getestet. Schnipp/schnapp und schon war der neue Mensch gebastelt, mit einem Gen, das gegen eine HIV-Infektion immun machen soll.

Was das denn mit dem Patriarchat zu tun habe, höre ich es schon wieder rufen, man könne die Männer doch nicht für alles verantwortlich machen, da sind ja auch immer Frauen beteiligt! Ja, es waren leider zwei Frauen, die die Genschere erfanden, die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier und die amerikanische Biochemikerin Jennifer Doudna. Sie sind auch nicht die ersten Frauen, die eine teuflische Technologie auf dem Weg brachten, ich erinnere hier nur an Marie Curie, die die Radioaktivität entdeckte, und Lise Meitner, die Entdeckerin der Kernspaltung.
Die Entdeckung der Radioaktivität und der Gene waren unschuldige Anfänge, die Kernspaltung und die Gentechnik sind der Missbrauch, Missbrauch an Mutter Natur, vertreten durch zwei Zwillingsschwestern, um die es hier geht.

Das Patriarchat macht sich jede noch so nüchterne Entdeckung zunutze, Mutter Natur nach seinem Bilde zu formen, jeder Ethik zum Trotze. Der chinesische Biotechnologe He Jiankui von der Universität Schenzen, der den Missbrauch mit der Genschere durchführt, sagt: “Wenn ich es nicht tue, tut es jemand anderes.“[1] Recht hat er, leider. Trotzdem gibt ihm das nicht das natürliche Recht, zu tun, was technisch möglich ist, schon gar nicht ohne die Einwilligung der Betroffenen. Schon die Frage, ob sich dafür jemand zur Verfügung stellt, ist ein unmoralisches Angebot.

Dass der Mensch eine Fehlkonstruktion sei, weil er nicht zum System passt, hatten die patriarchal kontrollierte Wissenschaft und auch Frauen, die sich ja zu allererst im Patriarchat entfremdet fühlen müssen, festgestellt. Immer wieder stößt der Mensch an seine Grenzen, immer wieder erleidet die Technokratie Rückschläge. Deshalb kann nun unter dem Deckmantel der Gesundheitsfürsorge der Neue Mensch gezüchtet werden.

Der Erforschung der Natur folgt im Patriarchat unweigerlich erst ihre Dienstbarmachung und dann ihre Zerstörung. Daher müssen wir unseren Kulturoptimismus begraben. Jede Manipulation der Natur, jede technologische Erfindung schafft früher oder später neue Probleme. Die Natur schlägt immer wieder zurück, z.B. mit Naturkatastrophen und Krankheiten. Patriarchen müssen die Natur als Verschwörung gegen sich und ihr System wahrnehmen. Schon die Mythologie des Altertums wimmelt von Dämonisierungen der Mutter Natur, die zu ermorden sei. Die Mutter ist zum universellen Feindbild geworden und ist zu eliminieren. Dabei ist die Existenz der Menschheit nichts anderes als ein Ergebnis der friedlich waltenden Evolution, eben der Natur. Etwa 291.800 Jahre lang war die Menschheit nicht von sich selbst bedroht, bis zu dem Zeitpunkt vor ca. 8200 Jahren (sog. Misox-Schwankung des Klimas) als die ersten Patriarchen, die mit den ersten Viehzüchter-Nomaden identisch sind, auf den Plan traten.

Der Erzengel Michael tötet die Urmutter in Gestalt des Drachen
Im Bild: Der Erzengel Michael tötet die Urmutter in Gestalt des Drachen.
Unbekannter spanischer Maler – Metropolitan Museum NY, Gemeinfrei.

Das Patriarchat besteht seitdem – im Grunde wie der IS – aus einer Unzahl von Einzeltätern (Frauen sind wie immer mitgemeint), nur wenige treten nach außen als ihre Vertreter auf. Aber da das Patriarchat nicht als Terrororganisation gilt, obwohl es das ist, hält jeder Einzeltäter als Buhmann hin, und deckt somit das System dahinter.

„Direkte Versuche am Menschen können nur als verrückt beschrieben werden“[2].

Das unterschrieben 122 chinesische Forscher. „Die Genauigkeit des von He Jiankui genutzten Verfahrens der Genschere Crispr/Cas und dessen Wirkungsweise seien ein sehr kontroverses Thema unter Wissenschaftlern. ‚Aber die potenziellen Risiken und Schäden für die gesamte Menschheit, die durch einen ungerechtfertigten Einsatz des Verfahrens in der Zukunft entstehen können, sind unermesslich.’“[3], so gibt die FAZ deren Schreiben wieder.

“Die Versuche seien ein schwerer Schlag für die weltweite Reputation der chinesischen Wissenschaft’“[4], sorgen sich die Chinesen auch, was irgendwie nicht dazu passt und wobei wir aufmerken sollten!

Schon lange treibt auch die diversen Ethikkommissionen in der westlichen Welt ein wages Gefühl von Unrechtmäßigkeit an, die sie in der Wissenschaft ausmachen können.
Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg meldet sich also zu Wort. Es handele sich „um unverantwortliche Menschenversuche“[5]. Und weiter:

„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind solche Versuche und auch Ankündigungen auf Schärfste zu kritisieren“[6] „Die Neben- und Spätfolgen sind noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren.“[7]

Das bedeutet ja nichts anderes, als dass es grundsätzlich verantwortlich und ethisch vertretbar sei, solche Menschenversuche zu machen, aber offenbar nicht so und nicht zu diesem Zeitpunkt: „Die Nachricht kommt einen Tag vor dem internationalen Gipfel zum ‚Human Genome Editing’, der am Dienstag an der Universität Hongkong stattfinden wird.“[8] „Sollte es sich bewahrheiten, dass ein mithilfe von Crispr genmanipuliertes Baby erzeugt worden ist, wäre dies für die Wissenschaft ein Super-Gau. Dass ausgerechnet am Tag vor dem weltweiten Wissenschaftsgipfel in Hongkong, der über den verantwortlichen Umgang mit genome editing beim Menschen berät, ein solches Experiment bekannt wird, kann ja fast nur als Affront gegenüber dem Ansinnen verantwortlicher Wissenschaft gewertet werden.“[9], sagt Dabrock in der FAZ.

Das eigentliche Problem besteht für die Ethikkommission also darin, dass ein Chinese es gewagt hat, gegen das Ok der Herrschenden Lehre seine Visionen auszuleben, denn, wenn es eine regelmäßige Tagung zum „Human Genome Editing“ gibt, dann bedeutet das nichts anderes, als dass es schon lange gemacht wird und es nur eine Frage der Zeit ist, bis es schön geredet ist. Ein Machtverlust für gewisse Herren.

„’Ein unnötiger Skandal’“[10], so bringt das der Medizinethiker und Medizinjurist und Mitglied des Deutschen Ethikrates Jochen Taupitz auf den Punkt. Aber er meint:

„Die Menschenexperimente in China könnten uns die Begründung für ein Verbot von Keimbahneingriffen unter den Füßen wegziehen. Die Rechtslage ist auch international unbefriedigend. Wir müssen reden.“[11]

Weiterlesen „Ein Akt tiefster Frauenverachtung. Der vorgeburtliche Missbrauch des He Jiankui und die Bewertung durch sog. Ethik-Experten“

Gibt es den matrifokalen Vater?

Von den seltenen Fällen einer Kindsvertauschung in der Klinik abgesehen, ist sich eine Mutter sicher, dass ihr Kind wirklich von ihr abstammt. Ein Vater kann das nicht behaupten, denn er ist an der Schwangerschaft nicht beteiligt. Wenn eine Mutter ihr Kind stillt, wird ihr Körper mit Oxytocin geflutet und es bildet sich das heraus, was wir als Mutterinstinkt bezeichnen (Blaffer Hrdy 2010). Davon zu unterscheiden ist die Mutterliebe, die sich auch herausbildet, wenn sie nicht stillt. So oder so, schon in der Schwangerschaft knüpfen Mutter und Kind ein fast schon magisch zu bezeichnendes Band, durch das sich beide wortlos verstehen und das lebenslang hält. Ein Kind kennt seine Mutter von Beginn an und durchlebt mit ihr alle Gefühle, was in der Stillzeit noch hormonell bedingt ist und später noch lange nachwirkt, weil der wachsende Verstand diese Gefühle auch einzuordnen lernt.

In unserer Welt leben die meisten Väter mit ihren leiblichen Kinder zusammen, doch 10-20 % sind auch Kuckuckskinder und weitere sind adoptiert oder aus einer früheren Beziehung der Mutter. Ein genetischer Vater, der schon 7-9 Monate vor der Geburt mit der Mutter zusammenlebte, kann das nicht unterscheiden, wenn die Mutter ihn nicht aufklärt. Die Liebe, die ein Mann zu einem Kind entwickeln kann, beruht zunächst auf dem Kindchenschema. Er findet das Kind mehr oder weniger süß. Je länger ein Mann mit einem Kind zusammenlebt, desto größer wird die Bindung, denn das Kind beginnt seinerseits auf liebevolle Weise mit dem Vater zu interagieren. Das Kind entwickelt dabei auch eine intensive Bindung, die jedoch der Bindung zur Mutter nicht gleichkommt, denn es spürt, dass die Liebe des Vaters anders ist. Diese Liebe ist stärker von kulturellen Vorstellungen geprägt. Wir können auch sagen, sie erreicht nicht den Grad an Bedingungslosigkeit wie die Mutterliebe. Manche Kinder werden sogar erst geboren, wenn ihr genetischer Vater bereits verstorben ist. Dann kann ein anderer Mann die Stelle des sozialen Vaters einnehmen und auch das Kind wird von seinem leiblichen Vater erst erfahren, wenn die Mutter es aufklärt. Dieser soziale Vater ist nicht wegen des Kindes mit der Mutter zusammen, woraus sich ein noch einmal anderes Verhältnis zum Kind einstellt.

Auch die junge Mutter kann bei der Geburt oder später versterben. Dann bleibt ein Kind zurück, das versorgt werden muss. Seit der Entdeckung der Bedeutung der mütterlichen Großmutter (Großmutter-These) wissen wir, dass ein Kind in jedem Fall die größten Überlebenschancen hat, wenn es in seiner mütterlichen Sippe aufwachsen kann. Warum also sollte es evolutionär selektiert worden sein, dass eine Mutter beim genetischen Vater ihres Kindes und dessen Familie lebt? Die Matrilokalität, das Leben der Kinder bei Mutter und Großmutter hat automatisch Matrilinearität zur Folge, d.h. ein Mensch versteht sich als aus einer Reihe von Müttern geboren.
Die Evolution beruht auf zwei Prinzipien, die Charles Darwin entdeckte: die Natürliche Selektion und die Sexuelle Selektion. Beide wirken völlig unabhängig voneinander (Prum 2017). Mit der Natürlichen Selektion passen sich Arten an ihre Umwelt an. Die Sexuelle Evolution steuert die Ausprägung der Arten im Sinne der vielfältigen Formen der Attraktivität, wozu auch die Intelligenz gehört, sowie ihr Sozialverhalten. Der Motor der Sexuellen Selektion ist die female choice, die freie weibliche Wahl ihrer Sexualpartner. Salopp gesagt kann kein Männchen mit einem Weibchen Kinder haben, wenn sie nicht will bzw. ihr Körper nicht mitspielt. Die female choice läuft in der Natur dreistufig ab, äußerlich mit der Wahl des Partners, innerlich mit der Aufnahme oder Abstoßung der Spermien durch den Körper oder das Ei und schließlich mit dem Grad des Engagements bei der Pflege des Nachwuchses. Das Kind eines gesunden Weibchens, das sich frei schwanger gemacht hat, wie wir es eigentlich formulieren müssen, wird seine Kindheit in der Regel überleben.

Die Monogamie ist in der Natur die Ausnahme, und wenn, dann leben die Männchen häufiger monogam, wie z.B. bei manchen Spinnenarten, wo das Weibchen das Männchen nach dem Akt auffrisst. Bei immer mehr Tierarten, die als besonders treu galten, wird inzwischen entdeckt, dass sowohl die Weibchen als auch die Männchen weitere Sexualpartner haben. Die Weibchen leben immer ihre female choice frei aus. Wir müssen sie nur lange und gründlich genug beobachten. Auch unsere Lebenswirklichkeit beweist, dass die Spezies Mensch nicht monogam ist. Wenn eine Menschenfrau ihre female choice frei lebt, haben mit größter Wahrscheinlichlichkeit alle ihre Kinder andere leibliche Väter. Wie soll das gut gehen, würde jeder der Kindsväter der Mutter reinreden! In der Evolution wurde alles auf das Wohl und Gedeihen der Kinder ausgerichtet, das ist das Überlebensprinzip der Arten. Eine von Vätern und Schwiegermüttern gestresste Mutter wäre in der Natur bald am Ende und auch ihre Kinder. Weiterlesen „Gibt es den matrifokalen Vater?“

Steinzeit. Nein, Brigitte Röder, so war sie eben auch nicht!

Dies ist meine Antwort auf den Artikel „Die Steinzeit war gar nicht so. Männer jagten, Frauen kochten? Die Urgeschichte dient oft dazu, Geschlechterrollen zu begründen. Bloss: Es stimmt nicht.“ von Hubert Filser im Tagesanzeiger.ch vom 27.03.2018, https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/geschichte/die-steinzeit-war-gar-nicht-so/story/23918288.

Schon der Untertitel dieses Artikels kam mir bekannt vor, er stammt von der Archäologin Linda Owen, die einst im Katalog zur Stuttgarter Ausstellung „Eiszeit – Kunst und Kultur“ 2009 einen Artikel schrieb, der den Titel „Männer jagen, Frauen kochen? Die Geschlechterrollen im Jungpaläolithikum“ trägt. Einen darin befindlichen Satz musste ich bereits kritisieren, ist er doch beispielhaft für die Kopfstände der Gender Studies. Ich schrieb:

„‚Obwohl bei Sammler-Jäger-Gruppen die Männer kochen konnten und sich auf Reisen selbstversorgt haben, waren es die Frauen, die für die Familie gekocht haben.‘ (Owen 1998, S. 175). Diese überraschende Aussage korreliert nicht mit der Negation von Geschlechterrollen in der Altsteinzeit und zeichnet zudem das Bild der patriarchalen Kleinfamilie. Später wird diese These von der Autorin selbst verwässert: Im Katalog der Eiszeit-Ausstellung (…) stellt sie nun ihre Aussage (…) infrage. Trotz des Titels äußert sie sich nicht weiter zum Koch-Problem, stellt aber fest: ‚Verallgemeinerungen über die prähistorischen Geschlechterrollen werden auch in der sozial-, geistes- und naturwissenschaftlichen Forschung übernommen. Es wird selten anerkannt, das diese Rekonstruktionen nur hypothetisch sind und auf sehr wenigen archäologischen Daten, ausgewählten ethnographischen Analogien und kulturellen Vorurteilen über die Rollen der Geschlechter und die Fähigkeiten von Frauen basieren.‘ (Owen 2009, S. 158).“ Aus: Uhlmann 2012

Wenn es um die Altsteinzeit geht, ziehen die Gender Studies ihre Schlüsse aus der Beobachtung von rezenten Wildbeutern. Das ist legitim, jedoch wird stets das „Gesamtpaket“ verarbeitet und beinahe alles fraglos übernommen. Das ist letztlich auch nichts anderes als eine vollständige Projektion von der Gegenwart auf die Altsteinzeit. Linda Owen schrieb z.B. auch:

„Die Kinderpflege wird auch nicht allein von der Mutter durchgeführt. Kinder werden auch oft in die Obhut von älteren Kindern oder Erwachsenen gegeben; vor allem die Väter spielen dabei eine größere Rolle als oft angenommen.“ (Owen 2009, S. 158)

Es ist bequem, so zu argumentieren, denn die meisten Wildbeuter-Gruppen sind schon lange vom Patriarchat infiziert. Nur noch sehr wenige Völker sind unkontaktiert, weshalb wir ihre Lebensweise nicht untersuchen können. Ein besonders schönes Beispiel eines unkontaktieren Volkes ging vor einiger Zeit mit dem Luftbild eines Ei-förmigen Gebäudes im brasilianischen Urwald um die Welt.
Luftbild eines Ei-förmigen Gebäudes im brasilianischen Urwald. Bildquelle: Spektrum.de
Bildquelle: Spektrum.de

Wenige, seltene Wildbeuter-Gruppen, wie die Hazda in Afrika, sind noch annähernd natürlich in ihrer Lebensweise, werden aber ständig von Forschern heimgesucht und damit auch beeinflusst.

Aber NEIN, Väter kommen im natürlichen Sozialverhalten des Menschen, der Matrifokalität, gar nicht vor. Vaterschaft setzt die Ehe oder vaterrechtliche Gesetze voraus und beides ist immer patriarchal. Das wollen die Gender Studies partout nicht einsehen, weil sie auch in der Familienpolitik mitmischen und die biologischen Väter stärken wollen, indem sie ihnen die Rolle des Neuen Vaters regelrecht aufdrängen. Die Folge ist eine Verschärfung statt eine Schwächung des Patriarchats, was immer dann erkennbar wird, wenn sich die Mutter vom Kindsvater trennen will und das Kind im Sorgerechtsstreit zerrissen wird. Weiterlesen „Steinzeit. Nein, Brigitte Röder, so war sie eben auch nicht!“

Was ist Sünde oder warum wir Jens Spahn unbedingt in die Wüste schicken müssen. Eine Glosse.

Jetzt ist Jens Spahn also tatsächlich Bundesgesundheitsminister geworden. Ich hatte es kommen sehen, denn Kompetenz besitzt er dafür nicht, das hat er schon Jahre vorher in den Talkshows bewiesen, in denen er über Soziales sprach. Wir können ja vermuten, das sei ein Coup der Bundeskanzlerin, damit er Gelegenheit bekommt, sich selbst für immer abzusägen, so wie den Guttenberg. Auch „in den Anden“ hatte sie die Taktik schon erfolgreich praktiziert.
Aber ist es nicht unerträglich, dass Spahn vorher noch Schaden anrichten darf? Immerhin geht es um Menschen. Muss das Kind immer erst einmal in den Brunnen fallen? Jens Spahn schüttete jüngst ein wahres Füllhorn von katastrophalen Statements über uns aus und wir müssen uns auf Gesetze aus seiner Feder gefasst machen, die das Rad der Geschichte zurückdrehen! Nehmen wir nur die Abtreibung, was haben Frauen dafür gekämpft! Was sollen wir nur tun? Wie können wir unsere Frauen vor diesem Manne schützen?

So gerne wie Jens Spahn in seiner Kinderbibel liest, analysiere ich die Lage bei der patriarchatskritischen Lektüre der Mythologie. Dort ist die wohl bekannteste unerwünschte Schwangerschaft die von Rapunzel; Sie wissen schon, das Mädchen mit dem langen Zopf, dem plötzlich die Kleiderchen zu eng wurden. Die Frau Gothel hatte sie einst in einen Turm gesperrt, um genau das zu verhindern. Christlich-fundamentalistisch korrekt nimmt sie bei Rapunzel aber keine Abtreibung vor, sondern schickt sie in die Wüste.
Jetzt sollten wir meinen, dass das doch einem Todesurteil gleich kommt. Aber nein, Rapunzel bringt dort sogar Zwillinge zur Welt und überlebt völlig auf sich allein gestellt und das ohne den Vater!
Wildpark Ostrittrum Märchenwald Rapunzel
Im Bild: Darstellung des Märchens Rapunzel im Märchenwald des Wild- und Freizeitparks Ostrittrum (Wikimedia commons, user: Maddl79)

Das will ja im Grunde auch unser Jens Spahn, nur umgekehrt. Wie gerne hätte er Kinder ohne Mutter. Die ist nur lästig, denn er ist ja schon mit einem Mann verheiratet. Also hat sich der Jens gedacht, da sind doch so viele Frauen, die die Frucht ihres Leibes auf den Müll werfen. Da könnte er doch mal containern gehen und sich ein paar holen! Wenn plötzlich ganz viele Kinder zur Adoption freigegeben werden, dann wird es ja auch nicht mehr lange dauern, bis ihm das erlaubt wird. Und dann ist er ganz sicher auch ein guter Papa, weil er seine neugeborenen Kinder sogleich in die Kita steckt, denn das, so sagt es ja das Familienministerium, sei das Allerbeste für das Kind. In diesem Falle hätte es wohl recht.

Ich finde, wir sollten auch den Jens umgehend in die Wüste schicken. Dort wird er zwar, wenn alles gut geht, keine Kinder gebären, aber er kann etwas lernen!

Rapunzel hat für sich ihre angeborene female choice bewahrt, die in matrifokaler Zeit noch frei gelebt wurde, im Patriarchat aber unterdrückt wird, d.h. auch von Gesundheitsministern, als sei so etwas gesund! Sie hat für sich im Anspruch genommen, den Partner frei zu wählen und wird ohne Heirat schwanger. Nur wird sie dafür in die Wüste vertrieben. Dieser Ort mutet für ein europäisches Märchen doch seltsam fremd an. Und tatsächlich befinden wir uns nun im Kontext des biblischen Nahen Ostens, dort, wo sich der Katholik Jens Spahn ganz zuhause fühlen müsste.

Die Wüste ist aber anarchisch. Hier herrschen nur die Naturgesetze. Es geht ums nackte Überleben und das ist nur durch eine extreme Anpassung möglich. Für die real dort lebenden Menschen bedeutet das Gesetz der Wüste Patriarchat, weil sie sich in einem lebensfeindlichen Raum aufhalten, wo Menschen buchstäblich nichts zu suchen haben, und sie zu Hirtennomaden geworden sind. Diese Lebensweise hat das Patriarchat erst hervorgebracht.

Die Tod bringende Wüste trägt dennoch das Potential allen Lebens in sich. Sobald es regnet, beginnt die Wüste zu blühen. Der Begriff der Wüste könnte genauso gut patriarchale Rhetorik sein, die sich auf Land bezieht, das für große Herden unbrauchbar ist, also Wälder und Feuchtgebiete, die Orte, vor denen sich echte Patriarchen fürchten und wo sie nicht ohne Waffen hinein gehen. In der Offenbarung des Neuen Testaments lesen wir nämlich:

„Und da der Drache sah, daß er verworfen war auf die Erde, verfolgte er das Weib, die das Knäblein geboren hatte. Und es wurden dem Weibe zwei Flügel gegeben wie eines Adlers, daß sie in die Wüste flöge an ihren Ort, da sie ernährt würde eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit vor dem Angesicht der Schlange.“ (Offenbarung 12.13-14)

Der Drache ist ein Mischwesen aus Adler und Schlange, den Symboltieren der Großen Göttin Ištar, also eine dämonisierte Göttin, die als „Hure Babylon“ zur Allegorie für die verhasste Stadt wurde. Ištar vollzieht in der mesopotamischen Mythologie einmal im Jahr mit ihrem Sohngeliebten, dem Stier, die Heilige Hochzeit und sorgt auf diese Weise für das Wiedererwachen der Natur. In sumerischer Zeit hieß sie noch Inanna und war die Fluss- und Muttergöttin der Ströme Euphrat und Tigris, die in einem sumpfigen Delta ins Meer münden.

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Im Bild: Inanna/Ishtar auf einer Vase aus Larsa ca. 1999-1599 v.u.Z. (Wikimedia commons, user Marie-Lan Nguyen)

In der Offenbarung lesen wir auch, dass die Wüste, welche in 1. Mose 1.2. für den Anfang steht („Die Erde war wüst und leer“), in der vorbiblischen Zeit der Sitz der Großen Göttin war:

„Und er brachte mich im Geist in die Wüste. Und ich sah ein Weib sitzen auf einem scharlachfarbenen Tier, das war voll Namen der Lästerung und hatte sieben Häupter und zehn Hörner.“ (Offenbarung 17.3)

In diese Wüste schickt Frau Gothel Rapunzel zur Strafe.

„Und sie war so unbarmherzig, dass sie die arme Rapunzel in eine Wüstenei brachte, wo sie in großem Jammer und Elend leben musste.“

Wir wissen jetzt, dass sie alleine dort nur überleben kann, weil die Wüste ursprünglich als der dämonisierte Ort der Muttergöttin galt, wo die Frauen versorgt waren, ohne, dass sie ein Mann versorgte.

Auch die Redewendung „jemanden in die Wüste schicken“ stammt aus dem Alten Testament:

„Aaron soll seine beiden Hände auf den Kopf des lebenden Bockes legen und über ihm alle Sünden der Israeliten, alle ihre Frevel und alle ihre Fehler bekennen. Nachdem er sie so auf den Kopf des Bockes geladen hat, soll er ihn durch einen bereitstehenden Mann in die Wüste treiben lassen und der Bock soll alle ihre Sünden mit sich in die Einöde tragen. Hat er den Bock in die Wüste geschickt, dann soll Aaron wieder in das Offenbarungszelt gehen, die Leinengewänder, die er beim Betreten des Heiligtums angelegt hat, ablegen und sie dort verwahren.
Er soll seinen Körper in Wasser an einem heiligen Ort baden, wieder seine Kleider anlegen und hinausgehen, um sein Brandopfer und das des Volkes darzubringen. Er soll sich und das Volk entsühnen und das Fett des Sündopfers auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen. Der Mann, der den Bock für Asasel hinausgeführt hat, muss seine Kleider waschen, seinen Körper in Wasser baden und darf danach wieder in das Lager kommen.“ (3. Mose 16.21-26)

The Scapegoat
Im Bild: „The Scapegoat“ (1854) Der mit den Sünden beladene Bock wird in die Wüste geschickt; Ölgemälde von William Holman Hunt (gemeinfrei)

Ein Sündenbock lädt also im Land der Göttin alle Sünden ab. Sünde, das ist alles, was das Patriarchat stört: die freie Frau und ihre Sexualität.

Auch der Prinz wird wie der Sündenbock in die Wüste geschickt, aber Rapunzel ist längst schon da und hat gesunde Zwillinge, ein Mädchen und einen Jungen, geboren. Die vermeintliche Wüste ist offenbar ein Paradies, wo die Göttin in Gestalt Rapunzels ohne einen Vater die ersten Menschen gebiert. Dieses uralte Motiv wird von den gebärneidischen Theologen der Bibel ins Gegenteil verdreht. Da erzeugt Gott den Adam und mit ihm die Eva. Auch am Ende des Märchens von Rapunzel siegt die „Wahrheit“ der Patriarchen und schweißt die Mutter mit dem Vater ihres Kindes für immer zusammen.

So viele Leute haben längst durchschaut, dass das „natürliche Patriarchat“ ein Lügenmärchen ist. Auch die, die es nur teilweise durchschaut haben, haben zumindest begriffen, dass das Patriarchat erst die Bedingungen schafft, die Abtreibungen nötig machen. Das alles könnte auch Jens Spahn in der Wüste lernen. Schicken wir ihn dort hin. Sofort. Unverzüglich!

Nachtrag: Mein mythologischer Blick hat sich schon rumgesprochen…die TAZ vom 27.3.2018 schreibt: Er verrät seine Mütter. Die Frauenbewegung hat auch für Schwulenrechte gekämpft. Nun wären schwule Männer dran, solidarisch zu sein. Spahn tut das Gegenteil.

Neuerscheinung: „Feminismus radikal gedacht“ von den Störenfriedas


Ich freue mich, mitteilen zu können, dass die Störenfriedas ein Buch herausgebracht haben. Mit dem Artikel „Der radikalste Feminismus: Leben in Matrifokalität“ bin ich darin vertreten. Klappentext:

„Der Feminismus ist eine der erfolgreichsten Bewegungen der Welt, trotzdem gehören Sexismus, sexuelle Gewalt, sexuelle Ausbeutung und Diskriminierung noch immer zum Alltag von Frauen.
Radikaler Feminismus dekonstruiert und demaskiert sexistische Unterdrückung und führt sie auf ihre patriarchalen Ursprünge zurück.
Prostitution, Pornografie und sexuelle Gewalt werden durch eine bis heute nicht überwundene sexistische Grundhaltung gespeist, die zu kritisieren sich jeder einzelne Beitrag in diesem Buch vorgenommen hat. Wie steht es um die Alternativen – wie könnte eine Gesellschaft jenseits von geschlechtlicher Unterdrückung aussehen?“

Weitere Informationen finden Sie bei den > Störenfriedas. Bestellen können Sie das Buch in jeder Buchhandlung oder bei amazon, wo es auch einen > Blick ins Buch gibt.