Systemrelevanz – Die Corona-Krise als Nagelprobe für das Patriarchat

Dank Corona wird inzwischen auch noch dem Letzten klar, dass es unverantwortlich und sehr dumm war, das Gesundheitssystem den Gesetzen des Marktes unterzuordnen. Dass es „systemrelevant“ ist, ist eine epochale Erkenntnis und selbst neoliberale Politiker schwören Abhilfe, wenn die Krise erst einmal vorbei ist. Deutlich geworden ist übrigens auch, wer alles NICHT „systemrelevant“ ist: nicht nur die fast schon sprichwörtlichen BankerInnen, sondern überraschenderweise, ja ausgerechnet auch die (verbeamteten) LehrerInnen und ErzieherInnen, also der lange Arm des Staats, der in die Familie eingreift.

Wie kann das sein? Ihre Arbeit kann kostenlos von Müttern erledigt werden und momentan werden Mütter dazu genötigt, egal, ob sie berufstätig sind oder nicht. Sie dürfen dabei nicht irgendwas unterrichten, sondern nur nach den Regeln des Systems, mit Hausaufgaben per Post und Internet. Mütter sind systemrelevant. Sie sind die Feuerwehrkräfte der Gesellschaft. Das ist wahrscheinlich die noch epochalere Erkenntnis. Anders als die Feuerwehr, die den ganzen Tag auf ein Feuer wartet und dafür bezahlt und berentet wird, bekommen Mütter einmal im Jahr einen Blumenstrauß.

Die neuseeländische Ministerpräsidentin verkündete, dass Kinder sich freuen könnten, dass der Osterhase und die Zahnfee als „essential workers“, also als systemrelevant eingestuft seien, nachdem besorgte Kinder bei der Presse anfragten, ob es für den Osterhasen wegen der Corona-Krise Ausnahmen gäbe. Was im ersten Moment wie eine große Erleichterung klang, entpuppte sich als fiese Täuschung. Im Nachsatz sagte die Ministerpräsidentin mit einem Lächeln im Gesicht: aber. Möglicherweise könne er dieses Jahr nicht jedes Kind bedenken, weil er sich um seine eigenen Kinder kümmern müsse! Also doch keine Entwarnung, die Kinder haben Grund zur Sorge! Wie sollen Kinder das verstehen? Kinder fühlen sich von so etwas völlig zurecht vergackeiert. Frohe Ostern!
Wir wissen, wer der Osterhase ist, wer der Weihnachtsmann ist und all die anderen Heinzelmännchen, es sind unsere Mütter, die – oft neben der Berufstätigkeit – auch für den notwendigen Kuschelfaktor in der Familie sorgen, ohne den Kinder nicht gesund aufwachsen. Es scheint, dass Mütter für zwei Systeme relevant und zugleich nicht relevant sind. Ein interessanter Fall für die Quantenphysik?
Mütter selbst werden unentwegt vergackeiert. Tatsächlich zerreißt es sie in diesen schweren Zeiten. Es ist zu befürchten, dass nach der Krise unter dem Motto business as usual keine nachhaltigen Reformen der Erkenntnis Rechnung tragen werden, auch weil die Sache so kompliziert ist, dass man einschläft und nichts tut.

Seit Corona erkennen wir wenigstens, dass die Gesundheit selbst systemrelevant ist. Corona macht auch vor PolitikerInnen keinen Halt und lange Krankheit bedroht den Wohlstand von uns allen. Darauf jedoch können ausgerechnet Mütter keine Rücksicht nehmen. Es ist eine Katze, die sich in den Schwanz beißt: Viele Großmütter helfen gegen das Gebot des Gesundheitssystems in diesen schweren Zeiten ihren Töchtern, die in systemrelevanten Berufen durcharbeiten müssen und beide riskieren, aus Erschöpfung oder wegen des Virus krank zu werden oder zu sterben. Diese Frauen halten den Karren am Laufen, doch das System auf dem Kutschbock bestimmt die Richtung und die Verkehrsregeln, gegen die diese Mütter und Großmütter verstoßen müssen. Permanente notwendige, mütterliche Regelverstöße – sie werden z. B. auch als Helikoptereltern verunglimpft – sind ein wesentlicher Grund, warum es trotz des Dilemmas, in das sie vom System gestürzt wurden, weitergeht, aber auch warum die Bereitschaft, Mütter zu bezahlen nicht vorhanden ist. Mütter müssen als Sündenböcke herhalten, werden wahlweise als Rabenmütter oder im Beruf minderbemittelt dargestellt.
Das narzisstische System verlangt Perfektion, weil es selbst nicht perfekt ist. Aber, was von Müttern erwartet wird, können sie unter den Bedingungen des Patriarchats nicht leisten. Der Eigenmächtigkeit der Mütter steht die Gesellschaft ambivalent gegenüber, übrigens eine der wesentlichen Quellen der Misogynie aber auch der Grund für ihre Vergöttlichung in frühpatriarchaler Zeit.

Kushmanda Sanghasri 2010 Arnab Dutta
Bild: „Durga (Sanskrit, f., दुर्गा, durgā, wörtl.: die schwer Zugängliche, die schwer zu Begreifende) ist die wohl populärste Form der Göttin devi im Hinduismus, die in unterschiedlichen göttlichen Erscheinungsformen existiert, gütig und strafend: Durga ist eine Göttin der Vollkommenheit, die als Sarasvati, Lakshmi, Ambika und Ishvari sowie in anderen Formen erscheinen kann und unter anderem Kraft, Wissen, Handeln und Weisheit verkörpert. Im Tantrismus ist sie Shakti, die weibliche Urkraft/Energie des Universums. Während sie etwa als Lakshmi zu Vishnu und als Saraswati zu Brahma gehört, ist sie in der Form der Durga keinem männlichen Gott zugeordnet.“ (Quelle: Wikipedia, Stichwort Durga)

Solange die Bedeutung von Müttern missachtet wurde, also in den letzten acht Jahrtausenden, besonders aber in unserer „aufgeklärten“ Gegenwart, wurde eine große Einkommenslücke zwischen Frauen und Männern geschaffen und gebilligt, die sog. Gender Pay Gap. Mütter waren und sind von Mütterarmut bedroht, besonders im Alter, und von Müttern wird nicht nur in Krisenzeiten kostenlose Arbeit gefordert, sondern immer und rund um die Uhr.
In systemrelevanten Berufen tummeln sich überwiegend Frauen und sie sind immerhin schlecht bezahlt, also besser als nichts! Es sind Berufe der Daseinsvorsorge, der nackten Existenz, wie Krankenpflegerin, Altenpflegerin oder – ganz neue Erkenntnis – sogar Verkäuferinnen und Packerinnen. Sie arbeiten in vorderster Viren-Front und dürfen dafür nur Applaus ernten.
Ärztinnen können wir davon ausnehmen, denn sie haben eine sehr gut bezahlte Männerdomäne erobert. Gesundheit ist unser höchstes Gut, darauf beriefen sich einst die Ärzte, die übrigens noch im Mittelalter als Handwerker galten und entsprechend bezahlt wurden. Schwarze Schafe sorgten dafür, dass heute rechtschaffende ÄrztInnen mit Verwaltung von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten werden und in wirtschaftlichen Kategorien denken müssen. Es ist als würden im Gesundheitswesen zwei Herzen in einer Brust schlagen, eins davon ist kalt.

Es ist eine altbekannte, vom gesunden Menschenverstand und, wie es heutzutage nötig ist, von Statistiken gestützte Tatsache, dass Armut und Stress die Gesundheit bedrohen. Eine schlechte Gesundheit führt wiederum zu Armut, das Ganze ist ein sich wechselseitig antreibender und verstärkender Prozess, ein Teufelskreis, der uns obendrein immer dümmer macht. Eine schlechte Gesundheit reduziert zudem die Lebenserwartung deutlich. Dieses Faktum wird an den Müttern der Generation Kita/Ganztagsschule erstmals deutlich werden, denn bisher starben die Männer früher. Im Ergebnis werden systemrelevante Großmütter fehlen. Es wird aber weder versucht, dem vorzubeugen, noch wird es überhaupt thematisiert, dies mehr noch als in den Achtziger Jahren der drohende Zusammenbruch des Generationenvertrages, der mit den Worten „Die Rente ist sicher“ unter Protest der jüngeren Bevölkerung vom Tisch gewischt wurde.
Dass die Mutter umsonst arbeitet, ist aber nur solange sicher, solange sie gesund ist, und sie arbeitet im Patriarchat buchstäblich auf Kosten ihrer Gesundheit. Auch das wird ignoriert und mit dem Satz aus der Feder von staatlich bezahlten SoziologInnen, dass berufstätige Mütter gesünder seien, nicht weiter verfolgt. Es handelt sich dabei um reine Propaganda, die auf der Vertauschung von Ursache und Wirkung beruht, denn: nur eine gesunde Mutter kann auch gut arbeiten.

Mütter haben weder eine Lobby, noch machen Frauen, die „es geschafft haben“ Politik für Mütter. Die letzten Familienministerinnen Barley und Schwesig unter der Kanzlerin Merkel haben die Situation durch Zugeständnisse an gewaltbereite Vaterrechtler noch einmal verschärft. Immer noch machen nicht Frauen, sondern in Wahrheit Männer die Regeln.

Hören Mütter auf, nach den Regeln des Patriarchats zu handeln, bricht „das System“ zusammen.

So einfach es klingt, so schwer ist es, und das weiß jede Mutter (auch die beiden Ministerinnen sind übrigens Mütter, nicht aber Merkel). Es würde sich unmittelbar negativ für ihre Kinder auswirken, von ihnen selbst ganz zu schweigen. In dieser Erpressungssituation halten Mütter den Karren Patriarchat am Laufen, nicht weil sie es gerne tun.
Die gute Nachricht: nur der Tod ist alternativlos. Mütter, die kollektiv nicht mehr mitspielen, würden nicht sterben, sondern automatisch auf das vorpatriarchale, altsteinzeitliche Erbe zurückgreifen können, und damit ginge es einfach weiter, ohne Gewalt und Macht. Daher haben Patriarchen so eine Angst vor der Steinzeit: „Sie wollen doch nicht etwa dorthin zurück?“ Auch wenn die Altsteinzeit lange her ist, wir können ihr gar nicht entkommen, sie ist Utopie und keine Utopie zugleich, genau so wie der Osterhase systemrelevant ist und wieder doch nicht. Denn sie ist immer noch in uns und solange wir das ignorieren, tappen wir darüber im Dunkeln, wie unsere Probleme entstehen, und werden sie deshalb auch nicht nachhaltig lösen können.

In der Altsteinzeit war Gesundheit eine Alltäglichkeit mit dem Unterschied, dass niemand verarmte, wenn er nicht gesund war. Daher gab es kein Elend. Wir kannten keine Existenzangst, keine Zivilisationskrankheiten und waren nicht überzüchtet wie heute. Gerade unsere größte Schwäche hat unsere angeborene, hoch soziale Lebensweise erst hervorgebracht, ein sich selbst verstärkender Prozess, der uns immer intelligenter machte: Die lange Kindheit, die Notwendigkeit, Mütter mit ihren Kindern in das geschützte Zentrum zu nehmen (Matrifokalität), bewirkte, dass wir zusammen hielten und uns gegenseitig halfen. Der lebendige Ausdruck davon war, dass alle Kinder lebenslang bei der Mutter blieben (Matrilokalität), was die freie, und vor allem gewaltfreie Sexualität gewährleiste. Schon früh kümmerten wir uns um Kranke und Verletzte, statt sie einfach liegen zu lassen, denn wir hatten in diesem geschützten Raum gelernt, dass es Hoffnung auf Genesung gibt, wenn wir uns kümmern. Wir kümmerten uns auch um die Alten, denn auch, wenn sie nicht mehr mithelfen konnten, so liebten wir sie, weil sie uns halfen, als wir sie brauchten, und sie halfen selbstlos, bis sie wirklich nicht mehr konnten. Dieses WIR hielt aus unbezahlter Selbstverständlichkeit (egoistischer Altruismus) bestand aus konsanguinen Sippen, aus Großmüttern, Müttern, Tanten (= Muhmen), Onkeln (= Oheimen), Geschwistern, Cousinen und Cousins (Matrilinearität). Da Matrifokalität nicht künstlich ist, können wir genaugenommen nicht von einem System sprechen. Sie ist ein kontinuierliches Geschehen und ein Sein.
Unbekannt war die Familie mit dem (Groß-)Vater als Familienoberhaupt, um den sich heute alles dreht. In der urmenschlichen Sippe kannte niemand seinen Vater und niemand hat ihn vermisst, weil sich alle gegenseitig bemutterten und die Männer gelernt hatten, sich zu kümmern.

Mütter wurden fürs Patriarchat wie Zugpferde eingespannt, gewaltsam herausgerissen aus ihrem artgerechten Habitat der mütterlichen Sippe, in dem sie in Freiheit leben konnten und könnten. Das Patriarchat ist ein Entführungsverbrechen seit seinen Anfängen in der Jungsteinzeit und Müttern bleibt keine andere Wahl als zu kooperieren.

Matrilinearität und Matrilokalität sind heute per Gesetz und Normen unerwünscht oder sogar offen verboten und jedes Aufkeimen wird, wenn möglich (manchmal unter Todesstrafe) sanktioniert. Über unsere matrifokalen Werte, unsere Moral und Ethik, das Gewissen, das Gerechtigkeitsgefühl, das Schutzbedürfnis, die Hoffnung und Spiritualität und Gefühle wie Wollen und Nichtwollen wirkt unser natürliches Sozialverhalten weiter, auch wenn all dies in manipulativer Absicht von Traditionen, Vater-Religionen, Ideologien und sogar „Wissenschaft“ usurpiert wurde. Das Credo lautet: das Patriarchat ist alternativlos, zum Vater gibt es keine Alternative.
Beide Systeme, natürliche Matrifokalität und gewaltsames Patriarchat, sind zwar nicht miteinander kompatibel, aber psychologisch über das Stockholmsyndrom, also die pure Existenzangst, so eng verknüpft, dass sie das Patriarchat beinahe wie ein Perpetuum mobile am Leben halten.  Daher ist unser matrifokales Sein für das System Patriarchat unbedingt systemrelevant. Anders gesagt: Die Systemrelevanz der Mütter besteht in ihrer Existenzangst und dem daraus resultierenden überbordenden Fleiß, der nicht bezahlt werden muss.
Dennoch gibt es das Patriarchat erst seit 8000 Jahren, genau genommen, seit es die Viehzucht gibt, ein übrigens wesentliches Detail.

Der Begriff der Systemrelevanz bezeichnet in diesen Tagen weniger die Funktionstüchtigkeit staatlicher Gewalten wie Verwaltung, Bildungseinrichtungen oder Militär. Der Begriff beschwört gerade die matrifokalen Werte der Fürsorge für unsere Existenz: genährt und in guter Gesundheit. Selbst die Gewalten Polizei und Militär, die es in der Altsteinzeit noch gar nicht brauchte, können gerade ihr Image aufwerten, weil sie uns vor dem Virus schützen. Selbst die Mitglieder der Familie, der Urzelle des Patriarchats, sollen sich von einander fernhalten, und das ist sogar in mehrfacher Hinsicht lebenswichtig, weil die Familie der gefährlichste Ort für Frauen und Kinder ist. Die häusliche Gewalt nimmt während des Shutdowns noch einmal dramatisch zu. Ganz deutlich wird hier, dass das Patriarchat Justiz und Polizei braucht, weil es selbst den Boden für Gewalt bereitet hat.

Weil sie in den Dunstkreis des matrifokalen Seins gehören, sind die systemrelevanten Berufe schlecht bezahlt. Es wird wie selbstverständlich Altruismus erwartet, obwohl er der Logik des Marktes widerspricht, denn er folgt einer höheren Logik, der unserer matrifokalen Natur. Systemrelevanz bedeutet ein im Grunde un- oder unterbezahltes Ehrenamt, und wir werden mit diesem Begriff betrogen wie die Kinder mit dem Osterhasen.
Weil wir matrifokal sind, empfinden wir es als absurd, dass das Gesundheitssystem (wie ein Stück Vieh) „ausgeblutet“ wurde. Da herrscht durch die Parteien inzwischen Konsens. Interessant ist die Begrifflichkeit aus der Viehzucht, aber die eigentlich angebrachte Bildhaftigkeit einer ausgebeuteten Mutter findet sich weniger. Ausbluten meint Kaputtsparen, meint das Geld anderswo ausgeben. Dass auch die ganze Bevölkerung „kaputtgespart“ wird, indem die Steuerlast den Falschen aufgebürdet wird und insbesondere Mütter verarmen, empört weniger.
Der matrifokale Zusammenhalt und die damit steigende Intelligenz waren in der Altsteinzeit das Gesundheitssystem. Durch das Patriarchat wurde es zu einer staatlich gelenkten Institution, die in den Kapitalismus eingebunden ist. Das Patriarchat frisst seine Kinder, das wissen wir, aber dass auch die Mütter ermordet werden, interessiert weniger, weil der Zusammenhang zu unserem mütterlichen Grund vergessen ist.
Aber nun erkennt selbst das System Patriarchat, dass das Gesundheitssystem systemrelevant ist, wir es also gar nicht töten dürfen, weder ausbluten, noch kaputtsparen. Aber auch als Melkkuh taugt das Gesundheitssystem nicht ansatzweise, denn die Kuh braucht die Milch für ihr Kälbchen, und eine freie Kuh lebt mit der Natur und nicht von der Natur, also auch mit Gesundheit und nicht von Gesundheit. Das Patriarchat stellt schmerzlich fest, dass es abhängig von seinen Sklaven ist. Die neoliberale Befreiung von der Mutter, der Versuch sie abzuschaffen resp. zu ermorden, ist wieder gescheitert.

Die Krone der Schöpfung

Der Kapitalismus des Patriarchats, das auf dem Dogma der Einheit von genetischer und sozialer Vaterschaft beruht, die es in unserer Natur nicht gibt, und deshalb ein artgerechtes Leben verhindert, tötet unser Menschsein und hat uns zu Nutzvieh gemacht. Der Vergleich mit der Massentierhaltung ist unbedingt angebracht. Erst das Patriarchat züchtet die dem Kapitalismus dienende Überbevölkerung, und zwar mittels der Unterdrückung der Sexualität der Frau zur Sicherstellung der Vaterschaft und der Unterdrückung der Sexualität aller Nutztiere und Nutzpflanzen zur Optimierung des Gewinns. Die globalisierte, rassistische Überproduktion von Menschen und der damit verbundene Überbedarf an Nahrung, der neben der Landwirtschaft mit Wilderei gedeckt werden muss, macht Pandemien erst möglich. Ihre Bekämpfung scheitert einerseits an narzisstischen Despoten, die jede Panne zu vertuschen suchen – und das Patriarchat produziert endlos viele Pannen, um nicht zu sagen alle menschengemachten Probleme – und andererseits sind da Menschen, die einfach nur leben wollen und aus der vom Patriarchat erzeugten Existenzangst heraus alles zu tun bereit sind. Die Amerikaner sagen einfach, die Chinesen seien Schuld, die Chinesen sagen, die Amerikaner seien Schuld, und beide haben Recht und Unrecht zugleich, denn beide sind Patriarchate, aber schuldig ist die Summe aller Patriarchate.

Die Corona-Krise stürzt die Politik in ein Dilemma, das den Widerstreit der „Systeme“ gut abbildet. In welches der „Systeme“ sollen unsere Energie lenken? Wird der Shutdown gelockert, werden wieder mehr Menschen krank. Dann bildet sich zwar schneller eine Herdenimmunität (Wort aus der Viehzucht), aber das Gesundheitssystem wird hoffnungslos überlastet und Menschen, die hätten gerettet werden können, würden sterben. Bleibt der Shutdown bestehen, bricht das Wirtschaftssystem zusammen und Menschen würden verarmen und schlimmstenfalls ebenfalls sterben, aber an Hunger. Ob es wirklich so käme, oder ob das ein von Patriarchen gezeichnetes Schreckgespenst ist, das nicht mit unserem matrifokalen Altruismus rechnet, sei dahingestellt. Wir haben jedenfalls nicht genug Kapazitäten in unserem geschwächten Gesundheitssystem, daher können wir nicht einfach beide Systeme gleichzeitig bedienen.

Statt dass es nur um Menschen geht, sollen wir uns um ein abstraktes System sorgen, das zwischen uns und unsere natürliche Versorgung gesetzt wurde, ja das uns krank macht. Es ist auch das Dilemma der Massengesellschaft, in der zu viele Menschen von Technologien und Arbeitsteilungen, dem System, abhängig gemacht wurden. Niemand ist je in der Lage gewesen, sich gänzlich selbst zu versorgen, wir mussten uns immer gegenseitig helfen. Aber Geld gaukelt uns vor, wir wären unabhängig. Bricht das System zusammen, wird unser Geld wertlos und schlimmstenfalls sind wir ausgeliefert, weil das System uns zu Singles gemacht hat. Wir halten nicht mehr zusammen, denn wir glauben, dass das Geld uns alleine oder wenigstens der Kernfamilie gehöre, vor allem aber von jedem Einzelnen (im doppelten Sinne) verdient werden müsse. Aber wir sind aufeinander angewiesen, jetzt sogar noch mehr, wegen unserer Schwäche, die im Patriarchat sogar noch größer geworden ist. Der patriarchale Größenwahn hat das lange Zeit verschleiert.

Für unseren Schutz ist Vater Staat verantwortlich, der aber hat die perfide Dreistigkeit, dafür Leistung zu verlangen. Wieder eine Katze, die sich in den Schwanz beißt, und zwar besonders für kranke Menschen. Sozialdarwinismus ist dem Patriarchat innewohnend. Der Gipfel der Menschenverachtung ist die unverhohlene Forderung der Faschisten nach der unkontrollierten Durchseuchung.
Was wir nicht bedenken dürfen, denn es existiert ein ausgeprägtes Denkverbot: aus der Geschichte des Patriarchats ergibt sich, dass Vater Staat ein kapitaler Schwerverbrecher ist, der kein Gewissen hat.  Das Gewissen folgt den matrifokalen Werten, die er woanders stehlen muss. Der angeblich gute Vater Staat zeigt sein wahres, egoistisches Gesicht in der Krise. Daher muss unbezahlte Wohltätigkeit und Ehrenamt eingreifen, besser gesagt unsere systemrelevante Mutternatur, die den Karren wieder aus dem Schlamm zieht…. und den Menschen einen Bärendienst leistet, indem es unfreiwillig das Patriarchat restauriert.

„Kacke mit Krone“

Krisen sind vom Patriarchat selbst verursacht, sei es eine Pandemie, Krieg, Börsencrash oder „nur“ ein „Familiendrama“ (Mord an Frauen und Kindern). Der Kapitalismus erlebt derzeit seine schlimmste Krise, denn er muss still stehen. Das zugehörige Patriarchat sucht ein anderes Ventil, um seine Macht zu demonstrieren. Es äußert sich in der zunehmenden häuslichen Gewalt gegen Frauen und Kinder. Das bestätigt anschaulich, dass das „Auftrumpfen“ matrifokaler Werte eine gewalttätige Gegenströmung erzeugt, die aus dem System Patriarchat hervorbricht, weil es in Gefahr gerät, entmachtet zu werden. Das Patriarchat traumatisiert alle Menschen über die Mütter, das Stockholm-Syndrom geht weiter.

Papier toaletowy

In diesen schweren Zeiten steht das Toilettenpapier bemerkenswerterweise für Gesundheit und Wohlstand, besser noch für Trost. Es ist ein mentaler Rückkopplungsfehler, denn dahinter steht der Gedanke, dass, solange es Toilettenpapier gibt, auch Nahrung da sein muss. Die Weltkriege sind dafür aber nicht der wahre Grund. Den Po abgewischt zu bekommen, erinnert viele an das Glück ihrer Kindheit, oft die einzige Gelegenheit, wo sich überlastete Mütter für ihr Kind Zeit nahmen. Kinder haben gelernt: wenn Dein Po abgewischt wird, ist alles gut und Du hast keinen Grund mehr zu weinen. Mütter sind im Patriarchat so relevant wie Toilettenpapier, aber spätestens, wenn die Kinder erwachsen werden, wird von ihnen erwartet, dass sie das mütterliche System verlassen, was mit Verächtlichmachung und Preisgabe zur Lächerlichkeit erreicht wird. Die Mütter, die sich aus Gründen nicht kümmern konnten, werden zuerst weggespült. Mütterarmut ist die Folge eines sich selbst verstärkenden Prozesses im Patriarchat.

Bemerkenswert ist auch, wie groß die Anteilnahme an der Gesundheit von Prominenten ist. Bester Witz (irgendwo bei Twitter gelesen): „Prinz Charles wartete auf die Krone und bekam Corona“. Es wird den Menschen plötzlich bewusst, dass Prominente, dass Könige und Despoten keine Götter sind. Heil ist von ihnen nicht zu erwarten. Nachdem auch die Halbgöttlichkeit von Ärzten erst produziert, dann aber angezweifelt wurde, sind sie jetzt die neuen Prominenten. Es bleibt zu hoffen, dass erkannt wird, dass sie keine Heilsbringer sind und den Tod nicht besiegen können, sondern dass es ihre matrifokale Menschlichkeit ist, in deren Dienst sie ihre Intelligenz stellen. Mein tiefer Dank dafür ist ihnen jedenfalls sicher.

Zur Krönung

Mit einem Leserinbrief reagierte ich 2018 auf das Postulat zweier Gender-Forscherinnen, dass es ein Vorurteil sei, dass Frauen von Natur aus fürsorglicher seien. Diese Gender-Ideologie hat nachhaltigen Einfluss auf die Politik und Mütter in eine tiefe Krise gestürzt, die schlimmer ist als die Corona-Krise. Denn nun haben überlastete und schlecht bezahlte Mütter nicht nur die Gewalt von Partnern, Chefs, Berufskollegen und missgünstigen anderen Müttern, sondern auch von auf den Plan gerufenen Expartnern, die als Vaterrechtler daher kommen, zu ertragen. Patriarchat ist gesundheitsschädlich und lebensgefährlich, aber Mütter kümmern sich trotzdem.

Es ging in dem Artikel um Entwicklungshilfe in anderen Ländern, jedoch auch wir brauchen dringend eine Entwicklungshilfe und zwar in Richtung Abschaffung des Patriarchats.

Leserinbrief  zum Artikel „Gleichstellung – die beste Entwicklungshilfe“ von Ana L. Revenga und Ana Maria Munoz-Boudet im „Spektrum der Wissenschaft“, Heft 12/17, S. 56-61.

Ich möchte zunächst zwei Sätze aus demselben Artikel gegenüberstellen:

“Die Trends beruhen auf Vorurteilen über vermeintlich typisch weibliche und männliche Tätigkeiten: Frauen sind angeblich von Natur aus fürsorglicher, Männer geeigneter für körperliche Arbeit und Führungsaufgaben“ (S. 59)

sowie

„… Frauen an die Macht! Sobald nicht mehr Männer etwas zu sagen haben, verschieben sich politische Initiativen und finanzielle Ausgaben fast automatisch hin zu Themen wie Hygiene, Gesundheit und Schulbildung“ (S. 58).

Immer wieder weisen AutorInnen der Gender Studies, zu denen diese beiden Weltbank-Mitarbeiterinnen gehören, auf angebliche Rollenklischees hin. Sie selbst führen hier unbeabsichtigt den Nachweis, dass es sehr wohl Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Frauen denken sozialer und der evolutionäre Grund dafür ist ihre Gebärfähigkeit und nicht die Festlegung durch patriarchalische Strukturen. Es gibt in der Tat Ausnahmen, die jedoch die Regel bestätigen.
Familien- neudeutsch Carearbeit muss gemacht werden, sie ist elementar und überlebenswichtig. Ich verweise auf die Stellungnahme des Fachausschusses Sozial- und Beschäftigungspolitik des Bayerischen Frauenrates vom 15. April 2016:

“Auch wenn die schon im Bruttoinlandsprodukt (BIP) erfasste Haushaltsproduktion in Höhe von 102 Mrd. Euro berücksichtigt wird, entsprach die Bruttowertschöpfung der Haushalte in Höhe von 718 Mrd. Euro derjenigen der deutschen Industrie und der Bereiche Handel, Gastgewerbe und Verkehr zusammen.“ (Aus: Bayerischer Landesfrauenrat „Who cares??? Wer macht’s – Wen kümmert’s – Wer bezahlt’s?“ https://www.lfr.bayern.de/aktuelles/stellungnahmen/neue/32249/index.php abgerufen am 8.6.2018)

Es ist nicht nur ein Faktum, dass Männer diese Tätigkeiten aufgrund ihrer Veranlagung weniger gerne ausüben, sondern es ist auch gefährlich, diesen extrem wichtigen und verantwortungsvollen Bereich Männern zu überlassen, die ja in der Vergangenheit bewiesen haben, dass sie dort nicht lange durchhalten und auch versagen. Das ist zugegeben eine Verallgemeinerung, aber sie beruht auf Trends, die die Autorinnen auch selbst feststellen: „Schwedische Papas bekamen persönlichen, nicht übertragbaren Urlaub, was sie veranlasste, tatsächlich mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Laut Studien bleiben diese Männer dauerhaft in die Erziehung ihrer Kinder involviert, verabschieden sich aber allmählich von anderen Haushaltspflichten, sobald der Elternurlaub endet“ (S. 59). Die Trennung von Kindererziehung und Haushaltsarbeit, wie sie die Autorinnen hier vornehmen, entspricht nicht der Lebenswirklichkeit. Jede Mutter weiß, dass das nicht klar zu trennen ist, die Grenzen sind fließend. Das schwedische Beispiel zeigt, dass Väter Rechte an ihren Kindern nicht abgeben, aber die entsprechenden Pflichten nicht wahrnehmen wollen. Wir leben nun einmal im Patriarchat, das Bestand hat, solange die Vaterschaft einen Wert darstellt. Dieser Wert besteht allein darin, dass Väter durch ihre pure Existenz ihre Kinder auf das Patriarchat einnorden. Dieses System ist die u.a. Ursache der enormen Gewalt in der Familie und jeglicher anderer Gewalt. Väter verdrängen auch all die männlichen Bezugspersonen, die Kinder in der rein mütterlichen Linie haben könnten.
Die Situation in den Entwicklungsländern beruht auf den gleichen Einstellungen, die die Autorinnen an den Tag legen. Die Diskriminierung von Hausfrauen ist ihr Ding. Die Bevormundung von Frauen seitens der Gender Studies, nämlich die Aufforderung, mehr in Männerberufe zu drängen, zeigt, wie sehr diese Ideologie in patriarchalischen Denkweisen verhaftet ist. Sie dient allein der Wirtschaft. Die Autorinnen selbst werten nicht nur Männerberufe höher, sie fordern auch keine Gleichstellung sämtlicher weiblicher Arbeit. Wo bleibt die Forderung nach einem Müttergehalt und der Hochbezahlung der Pflegeberufe? Es ist klar, dass die Weltbank daran keinerlei Interesse hat.
Die Gender Studies wollen, dass Frauen wie Männer werden. Sie werden das Patriarchat damit nicht beenden, sondern weiter verschärfen in Richtung Mutterlosigkeit und Kapitalismus. Frauen an die Macht? Ich habe unter Angela Merkel, die kein Heer von Frauen sondern von Männern und die Kirche hinter sich hat, keinerlei Verbesserungen für Mütter feststellen können. Alleinerziehenden Müttern – das sind die, die sich dem Patriarchat entziehen – ging es nie schlechter. Die Kinderarmut war nie höher als heute. Hier versagt einmal mehr Vater Staat. Nie in der Geschichte der Bundesrepublik waren Mütter erschöpfter als heute. Auf der Strecke bleiben die Kinder, deren emotionale Rechte mit Füßen getreten werden, während sie an die patriarchalische Wirtschaft angepasst werden.
Das Land Ruanda, für das die Autorinnen einen sensationellen Abgeordneten-Anteil von 61% feststellen, wurde seit 1998 in dem bis heute andauernden Zweiten Kongokrieg von patriarchalischen Stammesführern an die Wand gefahren. Es waren am Ende auch nicht mehr genug Männer da, die eine Regierung bilden konnten. Das allein ist die Ursache, dass Frauen dort nun verstärkt an der Macht sind. Ihr Leidensdruck war so hoch, dass sie erkannt haben, dass Politik vor allem urweibliche Züge tragen muss. Dass sie die Macht haben, das Patriarchat nachhaltig zu beenden, muss aber bezweifelt werden, denn das Patriarchat ist an das Dogma der Vaterschaft gekoppelt, das aufzugeben die meisten Männer nicht bereit sind und Frauen überwiegend nicht als Ursache des Übels erkennen.
Aufklärung über die verheerenden Nebenwirkungen der Vaterschaft findet weltweit nicht statt, schon gar nicht von seiten der Gender Studies. Gleichberechtigung führt paradoxerweise nicht zu Egalität, sondern vor allem zu einer Stärkung der Position der Männer. Die Diskussion um das sog. Wechselmodell, die bei der BTW2017 erschreckend wenig Pressebeachtung fand, hat das anschaulich gezeigt! Familie ist aber kein Gedöns, sondern die Basis des Patriarchats.
Weltweit beobachten wir einen Backlash des Patriarchats nicht nur in den Entwicklungsländern. Ursache sind weltweit nicht weibliche Tätigkeiten, sondern der Anspruch der Väter, der keine natürliche Grundlage hat, weshalb die Wirkung männlicher Arbeit im Patriarchat zu großen Teilen darin besteht, Natur und Umwelt zu bekämpfen. Die Weltbank, deren Mitarbeiterinnen die Autorinnen sind, ist übrigens keine Wohltätigkeitsorganisation, sondern trägt zur Verelendung und zur Umweltzerstörung bei, wie es attac schon lange anklagt: http://www.attac.de/neuigkeiten/detailansicht/news/lebensmittelkrise-iwf-und-weltbank-an-zynismus-kaum-zu-ueberbieten/

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